Die Frau ist für den Haushalt und die Betreuung der Kinder zuständig, während der Mann das Oberhaupt der Familie ist und diese ernährt. Zustände aus dem 20. Jahrhundert, die man heute bei uns nicht mehr kennt. Dennoch gibt es wieder eine Tendenz in eine etwas konservativere Richtung. Dieser Meinung ist Judith Borter, reformierte Pfarrerin und Co-Projektleiterin einer neuen Kampagne mit dem Namen «Nimms an die Hand».

Borter ist bei der Arbeit mit Konfirmandinnen aufgefallen, dass traditionelle Rollenbilder wieder häufiger auftreten. Beispielsweise, dass junge Frauen den Traum von einer Hochzeit in weiss haben, was noch vor dreissig Jahren höchst selten war.

Alexandra Hänggi, Projektleiterin der Kampagne, geht davon aus, dass der Trend bei Frauen, jung zu heiraten und sich auf die Familie zu konzentrieren, nicht nur aus Bequemlichkeit entstanden ist, sondern auch aus Angst. «Hohe Erwartungen, Karriere zu machen, setzen sie unter Druck.» Hänggi vermutet ebenfalls, dass die jungen Frauen teilweise sehr gestresste Mütter haben. Sie versuchen, Familie und Karriere unter einen Hut zu bringen. Dieser Stress wirkt sich abschreckend auf die jungen Frauen aus.

Stofftaschen als Werbeträger

Hänggi arbeitet bei «professionELLE», einer Beratungsstelle für Frauen. Viele Frauen wenden sich nach einer Scheidung an sie, da sie oftmals mit Kindern dastehen und keinen Beruf haben. Bei der Beratungsstelle bekommen die Geschiedenen unter anderem Hilfe beim Verfassen von Bewerbungen.

«Nimms an die Hand» wurde von der «Gruppe 14. Juni», einem Zusammenschluss verschiedener Baselbieter Frauenorganisationen und -anlaufstellen, lanciert. Die Gruppierung gibt es seit 1999, und ihr Name wird vom Frauenstreiktag im Juni 1991 abgeleitet.

Die soeben lancierte Kampagne hat nun das Ziel, junge Frauen zu ermutigen, ihr Leben nicht nur bis zur Heirat zu planen. «Nimms an die Hand» soll Frauen darauf aufmerksam machen, bei einer Eheschliessung nicht vom Ehepartner abhängig zu werden. Sie sollen weiterhin beruflich tätig sein und an Weiterbildungen teilnehmen, um nicht «weg vom Fenster» zu sein, wenn die Ehe auseinander geht. Ab Mitte August werden bedruckte Stofftaschen mit dem Slogan an junge Frauen – aber auch Männer – in der Region verteilt. Die «Gruppe 14. Juni» hat sich für eine Stofftasche entschieden, da sie im Alltag präsent und wiederverwendbar ist. Auch die beiden Bildungszentren in Liestal und Bottmingen unterstützen die Aktion.

Weil das Thema wichtig ist, aber nicht brandaktuell, nimmt sich die Organisation gleich ein ganzes Jahr Zeit für die Kampagne. Hänggi und Borter sprechen von einer Sensibilisierung, um die Gleichberechtigung zu thematisieren und gegen Vorurteile anzukämpfen. Die Kampagne weist auch hauptsächlich auf das hin, was es schon gibt, sagt Hänggi. Gerade in der «Gruppe 14. Juni» gibt es viele Organisationen, die Frauen weiterhelfen eine berufliche Perspektive zu erlangen.