Natürlich gibt es einige Ausnahmen: Grindel lädt zwei Jahre nach der Rede von Christoph Blocher dessen Schwester Judith Giovanelli-Blocher ein. Vize-Gemeindepräsidentin Ursula Borer hat die pensionierte Sozialarbeiterin und Schriftstellerin aus «purem Zufall» gewinnen können. Sie habe Giovanelli an einer Tagung gehört und sofort angefragt. Mit dem emeritierten Professor und Historiker Urs Altermatt konnte zudem die kleine Gemeinde Meltingen einen Coup landen.

Liestal will Abwechslung

Die Nationalräte Elisabeth Schneider und Thomas de Courten reden in Oberwil beziehungsweise Rünenberg. Maya Graf reist gleich zu zwei Gemeinden: Sowohl Itingen und Schönenbuch erhalten Besuch von der grünen Nationalrätin. Mehr Prominenz von nationalem Bekanntheitsgrad ist in der Region nicht vertreten. Im Kantonshauptort Liestal tritt wie in Frenkendorf der Historiker und Buchautor Thomas Schweizer auf. Der Professor und Präsident der Flurnamensforschung, Markus Ramseier, wurde zu den Feierlichkeiten in Pratteln eingeladen, während FCB-Legende Karl Odermatt in Tenniken zu Gast ist.

Warum gibt man sich in der Region so lokal? Hans Rudolf Schafroth vom Organisationskomitee der Bundesfeier in Liestal sagt, dass man dieses Jahr ausdrücklich volksnah sein möchte, und darum eine lokale Persönlichkeit eingeladen habe. «Herr Schweizer ist volksverbunden und ein Redner mit grossem Unterhaltungswert», findet Schafroth. Im Jahr 2013 soll sich das allerdings wieder ändern: «Das Ziel für nächstes Jahr ist schon, eine Person von nationaler Bedeutung einzuladen.» Das Komitee sei bestrebt, möglichst Abwechslung in die Reihe der Festredner auf der Sichtern zu bringen.

Ähnlich sieht es in Reinach aus. Letztes Jahr konnte mit dem Chef des Schiedsrichterwesens im Schweizerischen Schiedsrichterverband, Claudio Circhetta, ein Redner von nationalem Format gewonnen werden. Morgen wird Gemeinderat Stefan Brugger die Ehre einer Ansprache zuteil. Das hängt laut Vize-Gemeindepräsident Hans-Ulrich Zumbühl mit zweierlei Faktoren zusammen. Erstens wolle man einem neuen Gemeinderatsmitglied die Chance bieten, erstmals eine solche Gelegenheit wahrzunehmen. «Zweitens ist es auch ganz schwierig, jemanden für diese Aufgabe zu gewinnen.»

Brugger selbst findet die regionale Bedeutung auch wichtig: «Wir brauchen keine Weltverbesserer im grossen Stil. Vielmehr sollte man sich auf die eigene Gemeinde konzentrieren.» Wenn das alle täten, käme es auf dasselbe hinaus. Er ergreife deshalb diese Chance, um Themen zu behandeln, die die Gemeinde interessieren. Der Nationalfeiertag der Schweiz werde bei ihm deshalb eine eher untergeordnete Rolle spielen.

Janiak und Baader haben frei

Zu mehr nationalem Charakter verholfen hätten auch zwei politische Schwergewichte, die in vergangenen Jahren schon 1. August-Reden gehalten haben. Ständerat Claude Janiak und Nationalrat Caspar Baader haben in diesem Jahr allerdings keinen Auftritt in der Region.

Wenn eine Gemeinde sich nicht entscheiden kann, ob man die Feier eher national oder kommunal gestalten will, dann soll man sich an das Beispiel aus Birsfelden halten. Obwohl auf der Kraftwerkinsel jedes Jahr eine der grössten Festlichkeiten in der Region stattfinden, treten dort nämlich gar keine Redner auf.