Tritt man Ihren Gasthof ein, hat man das Gefühl, einen Schritt in die Vergangenheit zu machen. Welche Schätze sind hier anzutreffen?

Adrian Jaton: Der Gasthof zum Schlüssel wurde 1436 erbaut und ist somit der älteste verbriefte Gasthof im Baselbiet. Sogar Napoléon Bonaparte hielt sich hier im Jahre 1797 auf. Der Gasthof besitzt viele Schätze: Die freigelegten Balken im «Stübli» sind über 600 Jahre alt, der gemusterte Boden in der Gaststube ist 160 Jahre alt und unser heimeliger Weinkeller wurde 1659 gebaut. Hier trifft man nicht nur auf eine alte Bausubstanz, auch Gegenstände wie Tische, Buffet oder Lampen sind aus früheren Zeiten. Im Obergeschoss befindet sich ein Festsaal mit einer antiken Kirchenkanzel und einem alten Kronleuchter, nebenan ist der Raum mit der tollen, alten Bar.

Der Raum mit der Bar gleicht einem Zimmer in einem Jugendhaus: das gemütliche Sofa, das gedämmte Licht und die kleine Bühne. Trifft sich hier manchmal die Waldenburger Jugend?

Zu mir kommen durchaus auch junge Menschen – sei es mit der Freundin, der Klasse oder den Freunden. Einmal im Monat organisiere ich in diesem Raum einen Live-Musik-Abend mit einem lokalen Musiker. Im August wird es beispielsweise einen italienischen Abend geben oder im November wird das Duett «les amuses bouches» auftreten. Den Anwohnern ist es ein grosses Bedürfnis, dass im Tal etwas geht und es einmal im Monat ein Abendprogramm gibt. Für den Raum habe ich auch eine Bewilligung, dass geraucht werden darf.

Sie waren also mit der Einführung des Rauchverbotes vor vier Jahren nicht einverstanden?

Ja, denn das Rauchverbot hat mir meinen Stammtisch gekostet: Die Menschen, die im Restaurant essen und rauchen wollten, wichen in das zehn Minuten entfernte Holderbank im Kanton Solothurn aus – dort wurde die Bundeslösung angenommen.

Welches Menü sollen Gäste, die das erste Mal zu Ihnen kommen, probieren?

Das kommt natürlich ganz auf die Vorlieben des Gastes an, doch ich rate das Menü «Jaton-Briand», welches ich nach meinem Namen getauft habe: Das gebratene Rindsfilet wird vor den Gästen tranchiert und in zwei Gängen serviert. Zum Dessert sollte man unbedingt die hausgemachte Crêpe Suzette probieren. Bei uns wird alles, bis hin zu den Teigwaren, selbst gemacht.

In Ihrem Weinkeller steht ein langer Holztisch. Kann hier auch ein Abend verbracht werden?

Ja, das ist durchaus möglich. Die Gäste sitzen dort sehr gerne bei Kerzenlicht beisammen und nehmen einen Aperitif. Es ist aber auch ein sehr geeigneter Ort, um sein «Schätzeli» auszuführen – im Weinkeller kann man für sich sein.

In welcher Räumlichkeit halten sich Ihre Gäste am liebsten auf?

Im Sommer sitzen sie am liebsten im romantischen Hinterhof. Aber auch in der Gaststube gefällt es vielen – es ist wirklich wie in einer Stube. Der Festsaal eignet sich super für Anlässe und ist sehr beliebt bei Gruppen: Es können bis zu 30 Personen an dem grossen, ovalen Tisch sitzen.

Auf loveroom.ch kann man eine Übernachtung in einer Suite Ihres Gasthofes buchen. Was bieten Sie Verliebten oder Paaren?

Genau, ich vermiete zwei kaiserlich eingerichtete Suiten, mit einer Badewanne oder einem Whirlpool. Wir bieten den Verliebten und Paaren einen Willkommensdrink, einen Aperitif und danach das Menü d’Amour – ein 4-Gang-Menü – an. Am Morgen wird ihnen das Frühstück ans Bett serviert. Die Suiten laufen super: Diesen Monat sind sie bereits jedes Wochenende ausgebucht.

Wie begann Ihre Geschichte im Gasthof zum Schlüssel?

Mit 30 Jahren habe ich hier meine dritte Ausbildung als Kellner abgeschlossen. Danach war ich fünf Jahre in der ganzen Welt unterwegs, unter anderem als Kellner auf einem Kreuzfahrtschiff. Der damalige Wirt fragte mich vor sechs Jahren, ob ich den Gasthof zum Schlüssel übernehmen wolle. Mich reizte die Herausforderung, etwas aufzubauen, und entschloss mich, diesen Schritt zu wagen.

Lässt es sich gut leben als Gastwirt?

Es ist nicht einfach als Gastgeber und wird immer härter, aber solange ich noch den Plausch habe, ist es mir egal, wenn ich einmal eine kurze Nacht hatte. Ich stehe am Morgen immer wieder zufrieden auf und freue mich, meine Gäste zu bewirten. In diesem Beruf kommt man zu mehr Geld, wenn man irgendwo angestellt ist – doch Geld ist für mich nicht alles. Mir ist es wichtiger, dass ich selbst Entscheidungen treffen kann und nicht, wie so manche, frustriert in diesem Beruf ende. Meine Einstellung lässt sich folgendermassen umschreiben: «Gastronomie ist kein Beruf, sondern eine Berufung.»

Adrian Jaton ist seit Juni 2009 Pächter des Gasthofes zum Schlüssel. Er beschäftigt vier Mitarbeiter und sechs Aushilfen. Das Restaurant ist von Dienstag bis Sonntag
geöffnet.

www.gasthof-schluessel.ch