Das Fass ohne Boden. Es scheint diesen Abstimmungskampf von Beginn weg zu prägen. Denn obwohl das Komitee der Initiative «Ja zum Bruderholzspital» am Dienstag seine Kampagne an jene der Gegnerschaft anpasste und ebenfalls die Finanzkarte spielte, hält das überparteiliche Komitee gegen die Bruderholzspital-Initiative daran fest. Heute Donnerstag startete es seinen Abstimmungskampf im Hinblick auf den 21. Mai mit einer Medienkonferenz im Liestaler Kulturhotel Guggenheim.

Kantonsspital bereits hoch defizitär

Doch welches Fass ist nun bodenloser? Die Gegner, die betonen, Vertreter sämtlicher neun etablierter Baselbieter Parteien hinter sich zu wissen, sind überzeugt, dass «die unbezahlbare Aufblähung des Standorts mit unnötigen Spitalbetten und Infrastrukturen das ganze Kantonsspital gefährden könnte». Denn das KSBL habe überhaupt kein Geld, um die Vorgaben der Initiative - die Garantie der erweiterten Grundversorgung auf dem Bruderholz und der Grundversorgung in Laufen - zu erfüllen. Im Gegenteil: Schon heute sei das KSBL defizitär und der Standort Liestal könne die Defizite der beiden anderen Standorte nicht mehr decken. Pro behandelten Fall entstünden am Bruderholz bereits jetzt ungedeckte Kosten von 1500 bis 3000 Franken. Die Initiative würde jährliche Defizite von rund 25 Millionen Franken bedeuten. Um dies aufzufangen, müsste der Kanton Baselland die Steuern um mehr als zwei Prozent erhöhen oder weitere Sparmassnahmen beschliessen.

Bruderholz und Laufen werden nicht geschlossen

«Die Initiative verpasst dem Kantonsspital Handschellen für die künftige Entwicklung und betoniert nicht nur die defizitären heutigen Strukturen auf dem Bruderholz, sondern verlangt sogar noch eine Erweiterung mit nicht benötigten Betten und überflüssigen teuren Infrastrukturen», sagt SVP-Landrat Peter Brodbeck, der wie viele Komiteemitglieder in der Volkswirtschafts- und Gesundheitskommission (VGK) sitzt, welche die Initiative einstimmig ablehnt. Das Komitee betont dabei, dass ein Nein zur Initiative keineswegs das Ende der Standorte Bruderholz und Laufen bedeuten würde. Es gehe lediglich um eine Neupositionierung und Spezialisierung, ohne die die Standorte erst recht gefährdet wären.

Schon heute gehen nur wenige Unterbaselbieter ins Hölzli

Die Initianten argumentieren, dass die Gesundheitsversorgung des Unterbaselbiets bei einem Nein nicht mehr gewährleistet wäre. Dem halten die Gegner entgegen, dass heute bereits drei Viertel der Patienten aus dem Bezirk Arlesheim nicht das Bruderholzspital aufsuchen. Und für jene, die es tun, sei dank der geplanten Notfall-Permanence auch die Notfallversorgung weiter gesichert. Zudem mache es Sinn, wie geplant auf dem Bruderholz einen Schwerpunkt auf die geriatrische und orthopädische stationäre Rehabilitation zu setzen und dies mit einer Tagesklinik für ambulante Eingriffe zu ergänzen.

Auch an einen massiven Stellenabbau glaubt das Nein-Komitee nicht. Die Anzahl Patienten in der Region, die betreut werden müssen, würde sich schliesslich nicht verringern und Fachkräfte aller Bereiche seien auf dem Markt sehr gesucht, sollte es am Standort Bruderholz zu Verschiebungen kommen.