«Gelb ist eine viel nettere Farbe als Grün», sagt Željko Milkovic lachend. Die drei BLT-Trams aus Oberwil, die seit vergangenem Herbst in der serbischen Hauptstadt Belgrad im Dienst sind, werden also nicht dem BVB-Grün der bereits älteren 28 Trams aus Basel angepasst. Milkovic ist Betriebsleiter bei den Belgrader Verkehrsbetrieben Gradsko saobrac’ajno preduzec’e (GSP); unter den 230 Trams ist er auch für die 31 Düwag-Triebwagen aus den beiden Basel verantwortlich.

«Die Schweizer Trams haben ein sehr gutes Image in Belgrad», sagt Milkovic: «Sie bieten Komfort und Verlässlichkeit trotz ihres Alters.» Tatsächlich sind die Düwag-Trams im Dienste der GSP im Schnitt 47 Jahre alt; der älteste Triebwagen ist von 1960, der älteste Anhänger sogar von 1947. 2001 verschenkten die BVB die ersten Trams an die serbischen Kollegen; 2011 zog auch die BLT nach. Ihr jüngster Triebwagen ist von 1972. Aus «Dankbarkeit gegenüber den Schweizern und der Region Basel», wie Milkovic sagt, werden die gelben und grünen Trams auch in Zukunft ihre Farben behalten: «Wir wollen, dass sie erkennbar bleiben.» Die eigentliche Farbe der GSP-Trams ist Rot.

Da es trotz 40 Jahren Planung noch immer keine U-Bahn in Belgrad gibt, machen die Trams 20 Prozent der Transportkapazität aus, rund 240'000 Fahrgäste pro Tag. Auf den frisch sanierten Strecken (etwa die Hälfte des 55 Kilometer langen Netzes) verkehren vorzugsweise die neuen Trams des spanischen Herstellers CAF, die ebenfalls im vergangenen Jahr angeschafft wurden. Die alten BLT- und BVB-Trams fahren hingegen vor allem Strecken, die noch nicht saniert sind.

Davon konnte sich Daniel Axt, Betriebsassistent bei der BLT, bei seinem privaten Besuch vor Ort selbst überzeugen. Mit seinen Kollegen Peter Egger und Tobias Wackernagel war er im Mai für ein Wochenende in Belgrad: «Wir wollten wissen, wie sich die gelben Trams mit dem roten Balken auf dem Belgrader Schienennetz so halten.» Der Empfang bei den serbischen Kollegen sei herzlich und interessiert gewesen, erzählt Axt – «mit Blick auf die Sprachbarriere aber auch limitiert.» Milkovic, der Englisch spricht, zeigte den drei Besuchern einen Nachmittag lang die Werkstätten und Depots der GSP.

«Alle, die uns begegneten», erzählt Axt, «freuten sich sichtlich über unser Interesse an ihrem Betrieb.» Eine Wagenführerin habe ihre Sympathie demonstriert, indem sie ihm auf die Schulter klopfte, den Daumen nach oben hob und ‹good tram› sagte.» Im Nahverkehr sei die Schweiz für die Serben «absolutes Topvorbild», sagt Axt: «Sie haben das Gefühl, dass bei uns alles top funktioniert.»

Auf der anderen Seite seien die Mitarbeiter der GSP stolz auf den Standard, den sie mittlerweile erreicht haben. Nach dem Zusammenbruch Jugoslawiens waren Fahrzeuge und Strecken mangels Geld und Material teilweise in so desolatem Zustand, dass bei Regen der Betrieb eingestellt werden musste. Heute gibt es neue Schienen, neue Trams – und seit vergangenem Jahr auch Automatenbildschirme eines türkischen Herstellers, der Liniennummer und Haltestellen mitteilt. Daneben gibt es sogar strengere Standards als in der Schweiz: So stellte Axt fest, dass die BLT-Wagen mit rückwärtigen Brems- und Blinklichtern ausgestattet wurden. «Kleine Dinge, die wir noch verändern mussten. Nichts Wichtiges», sagt Željko Milkovic dazu.

Die Belgrader zeigten den Schweizern, dass auch mit weniger Mitteln ein Trambetrieb funktionieren kann, urteilt Axt nach der Besichtigung. «Es hängt nicht an jeder Haltestelle ein Fahrplan; aber es gibt eine Leitstelle, wenn auch etwas einfacher als bei uns.» Die GSP ist mit 7000 Mitarbeitern fast 20-mal so gross wie die BLT und transportiert mit 430 Millionen Fahrgäste pro Jahr fast zehnmal so viele (BLT: 49 Millionen). Die GSP ist nach Axts Einschätzung auf einem guten Weg, «wenn auch noch nicht auf dem Level, wie ihn die Baselbieter Fahrgäste hier erwarten».