Torsten, Pepita, Krupnoplodnaya, Amish Pie, Langhaargurke und Goblin Eggs: Sie alle sind Zöglinge des Kürbis-Club Basel (KCB). Für sie mitverantwortlich ist Roman Mathis. Der 31-Jährige ist Teilhaber des Kürbis-Clubs, der inzwischen von einem Verein zu einer GmbH umgewandelt wurde.

In den frühen 90er Jahren waren Mathis’ Eltern Gründungsmitglieder des Vereins. Eine treibende Kraft war damals der 2012 verstorbene Michel Brancucci. Als leidenschaftlicher Kürbisfan nutzte er seine Kontakte als Vizedirektor des Naturhistorischen Museums Basel, um möglichst viele Sorten aus aller Welt zu sammeln.

Rund 700 Sorten kann der KCB heute zu seinem Sortiment zählen – ein weltweit einzigartiges Angebot. Das Saatgut wird EU-weit verschickt. Doch nicht nur in Sachen Sortenvielfalt leistet der Kürbis-Club Pionierarbeit.

 «Brancucci brachte den Kürbis eigentlich nach Europa»

Zu Beginn der 90er Jahre war der Kürbis in der Schweiz und Europa wenig verbreitet. Er galt als Armeleute-Essen, wurde als Tierfutter verwendet. Erst Brancucci und der KCB machten die Vielfalt des Gemüses bekannt.

So entstand etwa das erste grosse deutschsprachige Kürbisbuch in Zusammenarbeit von Brancucci und dem Mathishof in Bottmingen. «Brancucci brachte den Kürbis eigentlich nach Europa», erklärt Roman Mathis.

Dass das dem KCB gelungen ist, zeigen die Verkaufszahlen des Mathishof, auf dem der Club angesiedelt ist: 100 Tonnen Kürbis werden hier jährlich direkt ab Hof verkauft. 250 Sorten finden sich in den Verkaufsständen auf dem Hof. Orange, gelb, weiss, grau, blau oder grün sind die Ernteerzeugnisse und bestechen nicht nur durch ihre Farben und Muster, sondern auch durch ihre Formen- und Strukturvielfalt.

Was chaotisch wirkt, hat durchaus System

Im Nachlass von Michel Brancucci fanden sich Sorten, die die Mitglieder des KCB zum Rätseln brachten. «Wir hatten zum Beispiel Saatgut, von dem wir nur wussten, dass es aus Bolivien stammt. Meine Mutter schlug den Namen «Boliviana» vor – so heisst der Kürbis heute weltweit», erzählt Mathis.

Die meisten Exemplare seien inzwischen geerntet. Nur das Kleinste der insgesamt 4,5 Hektare umfassenden Felder ist noch mit Kürbissen bestückt.
Die Ranken sind, trotz des heissen Sommers, kräftig gewuchert.

Überall liegen die Zöglinge des KCBs in den unterschiedlichsten Farben, Formen und Grössen. Im morgendlichen Herbstnebel, der in der Luft liegt, stechen die Farbtupfer um so schöner hervor. Was chaotisch wirkt, hat durchaus System. Das Team wisse genau, welche Sorte wo gesät wurde, so Mathis.

Probieren geht über Studieren

Die Erkennung des Reifegrades gestalte sich unterschiedlich. Bei einigen Exemplaren erkenne man ihn an der Farbe, bei anderen am Strunk. Bevor die reifen Früchte im Verkauf landen, werden sie sortiert und gewaschen.

Jeder Kürbis wandere darum mindestens durch sechs verschiedene Hände, bis er in der Einkaufstasche verschwindet, führt Mathis aus. Das Team möchte nicht nur auf dem Feld Vielfalt schaffen, sondern auch auf den Tellern. «Wir versuchen, unsere Besucher zu ermuntern, auch mal etwas Neues auszuprobieren» sagt Mathis.

So steht bei jedem Speisekürbis, wie er in der Küche am besten eingesetzt werden kann. Teilweise hängen auch Rezepte aus. Alle davon wurden in der Küche der Mathis ausprobiert und als gut befunden. Trotzdem würde das Team natürlich nicht jeden Tag Kürbis essen, erzählt Mathis lachend.

Auch seinen Lieblingsspeisekürbis verrät er: «Das ist der ‹Honeynut›. Er ist dem Butternut sehr ähnlich, ist aber süsser und gehaltvoller im Geschmack». Laut Mathis schmeckt der Honeynut mariniert mit Knoblauch, Öl und Chilli im Ofen gebacken am besten.

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