Adrian Baumgartner ist verärgert. Der Sprecher der Baselbieter Sicherheitsdirektion (SID) dementiert klipp und klar, was vergangene Woche die «Basler Zeitung» auf ihrer Frontseite titelte: «Harassenlauf wieder erlaubt», hiess es dort. «Das ist schlicht falsch», so Baumgartner zur bz, «der Anlass ist nicht erlaubt». Alles wie gehabt also? Mitnichten. An einer gemeinsamen Sitzung haben die SID, die betroffenen Gemeinden Reinach und Münchenstein sowie die Stiftung Park im Grünen der Migros einen Strategiewechsel beschlossen.

«Wir wollen einen Vertrauensversuch starten, der nicht ganz risikolos ist», erklärt Baumgartner. Konkret heisst das: Am 1. Mai 2013 wird es auf der traditionellen Bierlauf-Strecke zwischen dem Reinacher Schwimmbad und der Grün 80 erstmals seit drei Jahren kein Alkohol- und Fahrverbot geben. Gesperrt bleibt lediglich die Reinacher Heide, wie Gemeinderat Hans-Ulrich Zumbühl präzisiert. Zudem schliesst die Stiftung an diesem Tag die Grün 80 nicht mehr. «Wegen ein paar Wenigen Tausende andere daran zu hindern, ihren freien Tag im Park zu geniessen, kann es auf die Dauer nicht sein», spricht Baumgartner Klartext.

Ab 200 Beteiligten ist Lauf illegal

Allerdings: Selbst wenn der Park am 1. Mai offen steht, müssen Harassenläufer draussen bleiben, präzisiert der SID-Sprecher gegenüber der bz. «Wir werden dort nichts dulden, was im Zusammenhang mit dem Harassenlauf steht.»
Somit hätten es die Bierläufer selbst in der Hand, ob ihr Anlass durchgeführt werden kann. Baumgartner: «Wir sind bereit, einzugreifen, sollten Ewiggestrige uneinsichtig sein. Dann dürfen sie sich aber auch nicht beschweren, wenn das Pendel auf die andere Seite ausschlägt und für die kommenden Jahre möglicherweise wieder härtere Restriktionen greifen.» Zumbühl appelliert ebenso an die Vernunft der Teilnehmer. «Kommt es auf der Route zu Sachbeschädigungen, Ruhestörungen oder Verletzungen, sind wir schnell zur Stelle.»

Eine entscheidende Rolle wird spielen, wie viele Menschen sich tatsächlich versammeln. Denn fest steht: Laut dem Reglement der beiden Gemeindepolizeien von Reinach und Münchenstein, ist ein Anlass bewilligungspflichtig, sobald sich mehr als 200 Personen «zum gemeinsamen Alkoholkonsum» versammeln. «Dann ist der Lauf endgültig illegal», sagt Zumbühl. Schliesslich habe sich auch für dieses Jahr niemand als Organisator gemeldet - die Grundvoraussetzung für eine Bewilligung. Der Gemeinderat weist aber darauf hin, dass diese Grenze in den vergangenen Jahren nie mehr erreicht wurde. 2012 machten sich gerade noch 40 Bierläufer auf den Weg - allerdings bei anfangs schlechtem Wetter. Ob ein Grossaufmarsch von über 200 Harassenläufern trotz Illegalität dieses Jahr toleriert würde, solange Ruhe und Ordnung herrscht, möchte Baumgartner aus polizeitaktischen Gründen nicht kommentieren.

Harassenlauf 2009 löste alles aus

Die Ereignisse, die die ganze Verbotsdiskussion überhaupt angestossen haben, liegen bereits vier Jahre zurück: 2009 betranken sich im Rahmen des Harassenlaufs Tausende junge Menschen. In der Grün 80 kam es anschliessend zu einer Massenschlägerei, bei der ein Mann durch eine Messerattacke ein Auge verlor. Auch der Sachschaden und die Abfallberge, die der Anlass auf seinem fünf Kilometer langen Weg verursacht hatte, waren enorm.