Caroline Mall ist omnipräsent: Die SVP-Landrätin fehlte an kaum einer der regionalen Veranstaltungen zur Einwanderungsinitiative, über die das Schweizer Volk am kommenden Wochenende abstimmt. Mall sass Anfang Januar auf dem Podium, als Bundesrätin Simonetta Sommaruga in Liestal referierte; Mall wurde zu Diskussionen an kantonale Gymnasien eingeladen. Und sie nahm eine Einladung der Migrantinnen-Organisation Café Secondas in Basel wahr. Im November fiel die Baselbieterin zu einem anderen Thema in der «Arena» des Schweizer Fernsehens auf: Dort machte sie sich für die Familien-Initiative stark.

Es ist nicht zu übersehen: Die 46-Jährige hat in den letzten Monaten aufgedreht, nachdem sie 2011 in den Landrat gewählt wurde und einige Einarbeitungszeit benötigte. Beobachter der Baselbieter Politszene wollen bereits gesehen haben, dass Mall im Hinblick auf die Wahlen 2015 von ihrer Partei gepusht wird. Sie schüttelt den Kopf: «Also ich weiss nichts von einer solchen Strategie.» Auch Parteipräsident Oskar Kämpfer verneint, dass hinter den vielen Auftritten seiner Parteikollegin eine Absicht stehe. «Da sind eher das persönliche Engagement von Frau Mall und der Zufall Hand in Hand gegangen.»

Image der Bauernpartei abstreifen

Abwegig wäre eine solche Strategie nicht: Die SVP bemüht sich seit geraumer Zeit in urbanen Gebieten, das Image als Partei der grauen Schnäuze und Bauern abzustreifen. Im Einklang mit solchen Bestrebungen stehen die Attribute, für die Caroline Mall steht – Frau, im Unterbaselbiet verwurzelt, gut gekleidet, resolut, aber mit Charme ausgestattet.

Bezeichnend: Nach dem Auftritt Malls in Basel sagte eine junge Seconda zu Mall: «Ich habe zwar nicht dieselbe Meinung wie Sie, Sie sind aber sympathisch rübergekommen.» Die Sympathien für die SVP-Frau in der Höhle des Löwen sind einfach erklärt: Wo ihr Basler Parteikollege Sebastian Frehner das Publikum mit angriffigen Voten («Das ist eine blöde Frage») verärgerte, versuchte Mall Verständnis zu wecken: «Könnt ihr verstehen, weshalb wir uns dagegen wehren, dass die Bevölkerung der Schweiz Jahr für Jahr um jene des Kantons Schaffhausen wächst?» Damit überzeugte Mall die Anwesenden zwar nicht inhaltlich, sie schuf aber emotional eine Brücke. Ziel erreicht.

Zu dieser Episode passt die Einschätzung von Grünen-Landrat Jürg Wiedemann, der mit Mall in der Bildungs-, Kultur- und Sportkommission politisiert: «Caroline Mall hat einen grossen Makel: Sie steht politisch zu weit rechts.» Daneben könne er nichts Negatives über seine Kommissionskollegin sagen. Obwohl Mall klare Ansichten habe, könne er gut mit ihr diskutieren. «Sie ist kompromissbereit und lässt sich mit guten Argumenten überzeugen», anerkennt Wiedemann. Auch CVP-Präsidentin Sabrina Corvini-Mohn hält Mall für eine «pragmatische Politikerin».

Zu viele Reformen in der Schule

Mall gilt als Kritikerin der Reformprojekte Harmos und Lehrplan 21. «Harmos ist, was die groben Linien angeht, ein Gewinn», sagt sie. Es sei richtig, dass alle Kinder in der Nordwestschweiz gleich lange in die Primar- und die Sekundarschule gehen sollen. In den Details werde aber mit Regulierungen übermarcht: «Die Kinder werden mit Reformen regelrecht zugeschüttet und die Lehrer zu wenig eingebunden.»

Spricht Mall von «bürokratischem Dschungel», so entspringt dies klassischem SVP-Vokabular. Ihre Sorge um die reformmüden Lehrer teilen allerdings Politiker aus dem rot-grünen Lager. Sie kritisiert, dass hyperaktive Kinder mit Ritalin ruhiggestellt werden, sie fordert, dass die Lehrerinnen und Lehrer bei Fragen, welche die Schulleitung betreffen, nicht übergangen werden. Im Reinacher Einwohnerrat sorgte sie im Herbst mit einem Vorstoss zur Einführung eines Ruftaxis in der Nacht für Furore. Malls politisches Credo bleibt letztlich nicht ganz fassbar. Was man von Mall indes nicht behaupten kann: dass sie sich von parteitaktischem Kalkül und karrieretechnischen Überlegungen leiten lassen würde.

BS und BL wie geschiedene Partner

Angesichts ihres Aufstiegs stellt sich gleichwohl die Frage nach den politischen Perspektiven: Dass sie im Herbst 2015 bei den nationalen Wahlen auf der Liste der Baselbieter SVP auftauchen wird, ist schon fast gesetzt. «Für den Nationalrat zu kandidieren würde mich reizen. Ich sehe mich als Legislativpolitikerin», gibt Mall zu Protokoll. Möglich ist aber auch, dass ihre Person bereits bei den kantonalen Wahlen im Frühjahr zum Thema wird – als Regierungsratskandidatin auf einem SVP-Zweierticket mit dem bisherigen Thomas Weber. Dazu äussern mag sich Mall nicht.

Dazu sei nichts beschlossen, stellt Parteichef Kämpfer klar. Zentral ist für ihn – auch wegen der anstehenden Abstimmung über die Kantonsfusion, dass die bürgerliche Allianz aus SVP, FDP und CVP eine gemeinsame Viererkandidatur auf die Beine stellt – ein Angriff auf die Fusionsbefürworter im rot-grünen Lager. Wie Kämpfer engagiert sich Mall für ein selbstständiges Baselbiet, wie der rot-weisse Aufkleber am Heck ihres Mini-Cooper verrät. Die Kantonstrennung von 1833 vergleicht sie mit einer «Ehe, die geschieden wurde. Da lässt sich nichts mehr kitten.»

Im Gegensatz zu Kämpfer mag sie diese Frage nicht mit den Regierungswahlen verknüpfen. Natürlich würde auch sie mit einem bürgerlichen Viererticket ins Rennen um die fünf Regierungssitze steigen. Abwägend fügt sie aber an: «Die aktuelle Regierung ist ausgewogen besetzt.»