In vielen Baselbieter Gemeinden lässt sich kaum zurückverfolgen, seit wann es den Brauch des Banntags gibt. Nicht so in Birsfelden. Dort sind die Bürger erst seit 1975 aufgerufen, die Gemeindegrenze gemeinsam abzuwandern. Dafür findet der Anlass seit 2010 zweimal pro Jahr statt. Der offizielle Banntag der Gemeinde ist am 13.Mai. Bereits heute um 14 Uhr wird sich aber eine Gruppe von Birsfeldern beim Bärencenter treffen, um einen eigenen Banntag zu feiern. «Banntag, s isch Banntag, ich will unsre Banntag, dr Banntag, nit eifach irgendwenn, sondern denn, wenn is kenn», lautet das Motto.

Der Spruch war an der «Blätzbums Opera» 2010 entstanden, nachdem der Gemeinderat beschlossen hatte, den Banntag auf einen Sonntag im Mai zu verlegen. «Dabei hatte man 1975 den Banntag bewusst auf den ersten Samstag nach dem 5.April gelegt, der nicht vor Ostern liegt», sagt Arthur Caccivio, der Organisator des alternativen Banntags. Damit habe man an den 5. April 1875 erinnern wollen, dem Tag der Unabhängigkeit Birsfeldens von Muttenz. Deshalb hält eine Gruppe rund um Caccivio heute an diesem Termin fest.

Gemeindepräsident Claudio Botti hatte die Terminverschiebung 2009 mit der fehlenden Bereitschaft der Vereine begründet, an einem Banntag-Samstag den Abend zu gestalten. Am Sonntag würden mehr Familien als an einem Samstag teilnehmen, lautete ein weiteres Argument.

Über die Köpfe hinweg

Diese Begründung ist für Caccivio nicht nachvollziehbar. So habe sich zum Beispiel der Turnverein Satus bereit erklärt, sich zu engagieren. «2009 war die Zeit, als der Gemeinderat dachte, er müsse in Birsfelden alles ändern.» Dabei habe er über die Köpfe der Bevölkerung hinweg entschieden, ohne im Voraus jemanden zu informieren.

An der Elefantenrunde vor den letzten Gemeindewahlen bestätigte Gemeinderätin Brigitte Schafroth (parteilos), man werde am Mai-Termin festhalten. Hängig ist noch ein Antrag des SP-nahen Bürgers Diego Persenico.

An der Gemeindeversammlung vor einem Jahr forderte er, die Versammlung selbst solle den Banntag-Termin bestimmen. «Dann hätten wir einen Entscheid, den alle respektieren würden», hofft er heute noch. Er selber wird heute die Grenze ablaufen, nicht erst im Mai: «Ich lasse mir doch nicht vom Gemeinderat vorschreiben, wann Banntag ist.»

Dass der Gemeinderat Persenicos Antrag noch nicht beantwortet hat, bestärkt die Anhänger des ursprünglichen Termins, die Tradition aufrechtzuerhalten. Und sie finden immer mehr Gleichgesinnte. Zur ersten Auflage 2010 des Traditionalisten-Termins kam ein Dutzend Birsfelder, letztes Jahr ungefähr das Doppelte. Kurz vor seinem Tod marschierte 2011 die Birsfelder Polit-Koryphäe Karl Weisskopf (FDP) mit. Für heute hat sich der ehemalige Gemeindepräsident Peter Meschberger (SP) angekündet. Eventuell kommt er mit seiner Frau, der designierten Gemeinderätin Regula Meschberger (SP).

Rückzug lange geplant

«Bei gutem Wetter werden wir dieses Jahr vierzig Teilnehmer sein», freut sich Caccivio. Eigentlich habe er sich schon lange von der Politik verabschieden wollen, sagt der Präsident des ehemaligen Birsfelder Einwohnerrates. «Leider finde ich immer wieder etwas, das mir nicht gefällt.»