Ein Schwabe würde sagen: Das hat ein Gschmäckle!

Am Donnerstag vermeldete die bz, dass das Kantonsspital Baselland (KSBL) am Standort Bruderholz fast die komplette Führungsriege seiner stolzen Orthopädie-Abteilung verliert. Just am selben Tag erreichte die Medien eine Mitteilung des Universitätsspitals Basel.

Der Titel: «Orthopädische Innovation». Darin brüstet sich der Konkurrenzbetrieb des KSBL mit einer neuen Operationstechnik, die erstmals in der Schweiz gelungen sei. Von einem «gewaltigen Fortschritt» ist die Rede. Chefarzt Victor Valderrabano erwarte, dass ihn «viele Chirurgen aus der ganzen Welt besuchen werden, um die Operationstechnik zu lernen».

Die Hiobsbotschaft vom Bruderholz – kurz darauf die Erfolgsmeldung aus Basel: War das Zufall? Nicht ganz, wie Martin Jordan, Mediensprecher des Unispitals, einräumt. Der Text sei schon in Vorbereitung gewesen, als ihn die Nachricht vom Bruderholz erreicht habe. «Wir haben gedacht, dass dies kein schlechter Zeitpunkt sei, die Meldung zu publizieren und uns zu positionieren.»

Die Anekdote ist symptomatisch für den härter werdenden Wettbewerb in der deregulierten Schweizer Spitallandschaft. Chirurgen werden zu Stars hochgejubelt, Patienten umworben. Und wie im Fussball wechseln ganze Teams den Arbeitgeber.

Genau das ist dem Bruderholz-Spital passiert. Die vier Ärzte, die das Haus verlassen, gehen an die private Hirslanden-Klinik Birshof in Münchenstein. Die Verträge werden demnächst unterzeichnet. Das vermeldete am Freitag auch die «BaZ». Birshof-Direktor Christian Schuhmacher will die Neuzugänge jedoch nicht bestätigen. Er lässt immerhin durchblicken, dass ihm neue Kräfte gelegen kämen: «Selbstverständlich sind wir daran interessiert, uns noch stärker als die Klinik des Bewegungsapparats der Region zu positionieren.»

Schumachers Problem: Der Betrieb in Münchenstein hätte heute gar nicht die Kapazitäten, um mehr Patienten aufzunehmen. Doch wiederum bemüht Schumacher einen Allgemeinplatz, der im Kontext nicht konkreter sein könnte «Wenn sich eine Gelegenheit bietet, ist unsere Bereitschaft zu investieren vorhanden.»

Schon kräftig investiert hat der Orthopädie-Branchenprimus auf dem Platz Basel, die Merian-Iselin-Klinik (MIK). Sie setzt auch im Marketing Massstäbe. Denn Hochglanz-Broschüren und Werbefilmchen im Internet genügen im Kampf um Patienten nicht mehr. Am Euro-Airport werden die Passagiere von einem riesigen Leuchtplakat begrüsst: «Merian Iselin – die führende Klinik für Orthopädie und Chirurgie».

Wettbewerb wird härter

Für Direktor Stephan Fricker steht fest: «Die Wettbewerbs-Intensität wird zunehmen.» Seine Klinik sei ein KMU. Und funktioniere auch so. Deshalb sei sein Haus «grundsätzlich» an mehr Patienten interessiert. Denn sie würden für mehr Fallzahlen sorgen. Und diese sind im Zeitalter der Fallkosten-Pauschalen die Leitwährung.

Die kleineren privaten Häuser gehen einen anderen Weg. Die Basler Crossklinik wirbt mit Prominenten. Nach dem geglückten Eingriff an Radprofi Fabian Cancellara 2012 schaltete sie Zeitungsinserate.

Solche Aktionen sind beim KSBL als Ex-Staatsbetrieb zumindest heute nicht vorstellbar. Dazu sagt Merian-Iselin-Direktor Fricker, in Anlehnung an den Medizinjargon: «Die ehemaligen Kantonsspitäler sind von privatwirtschaftlichen Reflexen noch zu weit entfernt.»