«Inspektionsbericht stellt Kesb grösstenteils ein gutes Zeugnis aus», vermeldete gestern die Baselbieter Sicherheitsdirektion (SID). Dieses Urteil trifft allerdings bloss auf fünf der sechs Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden (Kesb) zu. Immer wieder wird im 18-seitigen Bericht eine Ausnahme genannt: die Kesb Gelterkinden-Sissach (G-S). Dort «wurden Defizite in organisatorischer und fachlicher Hinsicht festgestellt».

Für die Kesb G-S sind negative Schlagzeilen nichts Neues. Das Kantonsgericht kam 2014 zum Schluss, dass die Behörde einem klagenden Vater eines Knaben ein zu restriktives begleitetes Besuchsrecht auferlegt hatte. Ende 2014 nahm der kritisierte Leiter der Kesb G-S, Reinhard Studer, den Hut. Auch sein Nachfolger Stephan Nicola sieht sich immer wieder mit Kritik konfrontiert.

Die Inspektion durch den Kanton beschränkte sich auf den administrativen Bereich, also die internen Abläufe, die fachkompetente Besetzung der Gremien und die Aktenführung. Für die Beurteilung von Kesb-Fällen ist das Kantonsgericht zuständig, für die personellen und finanziellen Ressourcen die Gemeinden. Dennoch fand die SID einige Mängel: So hatte das Entscheidgremium der Kesb G-S, also der Spruchkörper zum Zeitpunkt der Inspektion im vergangenen August, zwei Mitglieder zu wenig. Auch waren kaum Prozessbeschriebe und Merkblätter vorhanden. Zudem wies sie mehr Pendenzen als andere Kesb auf und konnte keine geordnete Pendenzenliste vorlegen. «Dringend empfohlen» wird, dass die Behörde mit Sitz in Gelterkinden besser erreichbar sein muss. Zurzeit sind Telefon und Schalter am Donnerstag komplett geschlossen, und auf der Homepage gibt es keinerlei Angaben zu den Kesb-Mitarbeitern.

Franziska Vogel, bei der SID für die Inspektion zuständig, wird gegenüber der bz noch deutlicher: «Diese Kesb fällt gegenüber den anderen klar ab.» Vogel stellt unter anderem «Wissensdefizite» bei Leiter Stephan Nicola fest. Nun hofft sie, dass die Delegiertenversammlung (DV) der Kesb G-S im Juni die Mängel behebt. Weder Nicola noch DV-Präsidentin Christine Mangold waren gestern für die bz erreichbar.