Aus zwei mach eins: Dass das nicht einfach werden würde, war der Ita-Wegman- und der Lukas-Klinik 2014 klar. Dennoch gab es keine andere Möglichkeit, die Zukunft der Arlesheimer Traditionshäuser zu sichern. Zu defizitär wirtschaftete vor allem die kleinere Lukas-Klinik. Dass sich beide Spitäler der erweiterten anthroposophischen Medizin verschrieben haben, war damals – neben der örtlichen Nähe – das grosse verbindende Element, das die Fusion zur «Klinik Arlesheim» am 1. April 2014 überhaupt möglich machte.

Tatsächlich: Zweieinhalb Jahre später wirtschaftet die gemeinnützige Aktiengesellschaft im Bereich einer schwarzen Null. Mit 82 stationären Betten und 450 Angestellten ist sie das grösste Baselbieter Privatspital und das grösste anthroposophische Kompetenzzentrum der Schweiz. Das Akutspital hält kantonale Leistungsaufträge für Innere Medizin, Onkologie und Psychiatrie/Psychosomatik und betreibt eine 24-Stunden-Notfallstation für Innere Medizin. Und die Klinik Arlesheim investiert in die Zukunft: Rund 50 Millionen Franken steckt sie in einen Neubau, der bis 2021 das in die Jahre gekommene Haus Wegman ersetzen soll. Zurzeit läuft das Quartierplanverfahren.

Haus Lukas bekommt Psychiatrie

Doch bevor es so weit ist, holt das Spital die Vergangenheit ein. Wie Geschäftsführer Andreas Jäschke der bz bestätigt, hat die Klinik Arlesheim entschieden, die komplette Onkologie – das Herzstück der Klinik – ins Haus Wegman zu verschieben. Im Gegenzug erhält das Haus Lukas die gesamte Psychiatrie und Psychosomatik. «Bis Ende März sollte die Rochade abgeschlossen sein», sagt Jäschke.

Damit reagiert die Klinik auf eine Fehlplanung aus der Fusionsphase. Denn 2014 nutzte man den Zusammenschluss, um dank der beiden Standorte die stationären (Haus Wegman) von den ambulanten (Haus Lukas) Behandlungen zu trennen. «Damals mussten wir aufpassen, dass nicht das ganze Spital von der defizitären Lukas-Klinik unter Wasser gezogen wird. Deshalb lag unser Fokus darauf, Doppelspurigkeiten zu beseitigen», sagt Jäschke. Auf alle Fälle wollte man nur noch in einem Haus den 24-Stunden-Betrieb aufrechterhalten. Und ökonomisch habe diese neue Aufteilung auch funktioniert.

Wehmut bei altem Trägerverein

Doch fürs Personal und die Patienten war es nicht optimal. Die Klinikleitung merkte, dass gerade bei der Onkologie der stationäre und ambulante Bereich näher beieinander sein muss. Jäschke: «Wir mussten oft Patienten zwischen den beiden Häusern hin- und herschieben, weil unsere Ärzte beispielsweise die ambulanten Patienten auch ins Wegman-Labor schicken müssen.» Die Psychiatrie hingegen ist weniger auf technische Infrastruktur angewiesen, weswegen sie besser ins Haus Lukas integriert werden könne.

Diese Rochade bedeutet aber auch, dass das Haus Lukas von seinen Wurzeln Abschied nehmen muss. Denn die Lukas-Klinik hat sich seit ihrer Gründung 1963 der Onkologie verschrieben. «Die Marke ‹Lukas-Klinik› ist der Inbegriff für Krebstherapien und geniesst weltweit grosses Renommee», sagt Stephan Lorenz, Vorstandsmitglied des Vereins für Krebsforschung, der bis zur Fusion 2014 Träger der Lukas-Klinik war. Ein bisschen Wehmut sei schon dabei, die aktuelle Entwicklung der Klinik Arlesheim mitzuerleben. Lorenz betont zwar, Jäschkes Argumentation nachvollziehen zu können. Auch wolle sich der Verein nicht mehr einmischen. Doch schon der Entscheid, im Haus Lukas den 24-Stunden-Betrieb aufzugeben, habe wehgetan: «Noch immer ist es seltsam, wenn ich abends am Haus Lukas vorbeilaufe und alles ist dunkel.»

Auch Jäschke weiss: «So ein Wechsel bedeutet immer auch ein bisschen Trauerarbeit.» Je konkreter das Projekt aber werde, desto positiver seien die Rückmeldungen von Personal und Patienten. Über allem steht für Jäschke ein Punkt: «Ich bin überzeugt, dass wir den Patienten dadurch eine bessere Qualität bieten können. Und darum sollte es doch letztlich gehen.»