Für einen UFO-Forscher war Hans Rudolf Zellers Erscheinung fast etwas zu unaufgeregt. Die Haare adrett gescheitelt. Eine dezente Bräune, als käme er gerade vom Boule-Spielen an der Côte d’Azur. Dazu Hemd und Baumwoll-Pullover. V-Kragen.

So präsentierte sich der pensionierte Sekundarlehrer in den Medien. Spätestens aber, wenn er seine Skizzen von Flugobjekten erklärte, seine Bücher hervorholte, referierte und erklärte, war klar: Da brennt einer für seine Überzeugung. Da meint es jemand ernst: Es gibt Ausserirdische, sie besuchen uns mit ihren Flugmaschinen, wir können sie beobachten – wir müssen nur endlich die Augen öffnen.

Wir, die Planetarier.

Er hat die Ausserirdischen beobachtet, wahrscheinlich bis zuletzt. Die letzten drei Wochen seines Lebens verbrachte Hans Rudolf Zeller, geboren 1934 in Gelterkinden, aufgewachsen in Ormalingen, im Hospiz im Park in Arlesheim. Dort verstarb er nach kurzer Krankheit am 18. April im Alter von 81 Jahren an Krebs.

Stossverkehr am Himmel

Dass er auch dort Abend für Abend den Kopf in Richtung Himmel gestreckt haben könnte, das kann sich sein Sohn gut vorstellen. «Er hat bis zu seinem Tod gut gesehen und war geistig fit», sagt Frank Zeller, 54-jährig, Historiker wie sein Vater. Zu Hause in Münchenstein habe dieser seinen Beobachtungssessel gehabt. Darin beobachtete er jeweils das Geschehen am Himmel, ausgerüstet mit Videokamera und Fernglas.

Und zu sehen gab es viel. Ein Tummelplatz für fliegende Untertassen sei die Region Basel, wusste Hans Rudolf Zeller. Schon immer gewesen. In seinen Büchern erwähnte er Sichtungen aus dem Jahr 1566. Christian Wurstisen, Basler Professor und Chronist, hielt damals das Spektakel fest: Schwarze Kugeln seien bei Sonnenuntergang im Himmel herum und aufeinander zugeflogen, «als ob sie Krieg gegeneinander führen wollten».

Über vier Jahrhunderte später sind es keine schwarzen Kugeln, sondern bunt leuchtende Flecken, die Hans Rudolf Zeller mit seinen Kameras einfangen konnte. Das war im Januar, Juni und November 2010. «Ich meine», schreibt er selbstbewusst in seinem letzten Buch «UFOs – Die Foto-Beweise» (erschienen 2011, Selbstverlag), dass er mit den vorgelegten Bild-Dokumenten «die Revolution im Denken des Homo sapiens einläuten kann.» Die Debatte um die Existenz von Ufos sei beendet. Falls nicht, so sei dies wahrscheinlich nur noch mit der Landung eines Raumschiffs möglich, verbunden mit der Möglichkeit, «die Insassen zu begrüssen».

Wer solches schreibt, eckt an. Sohn Frank Zeller sagt, man habe mit seinem Vater durchaus über seine Thesen diskutieren können. «Ich habe ihm einmal gesagt, dass mir das alles ein bisschen zu wenig wissenschaftlich sei.» Er habe mit Kritik umgehen können – seiner Überzeugung aber, der sei er treu geblieben.

Ein Einzelkämpfer

«Die Skepsis gegenüber allem, was nach UFO aussieht, ist, wie ich täglich feststellen kann, allgegenwärtig», schreibt Zeller in «UFOs». Es irritiere ihn, sagte er in einem Interview auf «Telebasel», wenn er in die Esoterik-Ecke gestellt werde. Die bz liess er 2012 wissen, er habe «noch alle Tassen im Schrank».

Mit Erich von Däniken tauschte sich Zeller an dessen Domizil in Beatenberg aus. Kontakt zur Szene suchte Zeller ansonsten kaum. Der deutsche UFO-Forscher Hans-Werner Peiniger schreibt im «Journal für UFO-Forschung» (ufof), der Münchensteiner habe die Korrespondenz zu ihm abgebrochen. Dies, nachdem Peiniger angezweifelt habe, ob Zeller tatsächlich ausserirdische Flugobjekte gefilmt habe. Er könne in Zellers Video «kein ungewöhnliches Objekt» erkennen, lautete Peinigers Fazit. Er halte einen «herkömmlichen Erklärungsansatz» für wahrscheinlich. Zeller filmte, so mutmasste sein deutscher Kollege, wohl eine Himmelslaterne oder einen Modell-Heissluftballon.

Peiniger unterscheide sich «in keinster Weise vom skeptischen Publikum», soll ihm Zeller nach Erhalt von dessen Einschätzung mitgeteilt haben. So würde man «nie zu gesicherten Resultaten kommen».

Was tun die hier?

Die Frage nach dem Sinn der Besuche der Aliens stellte sich Zeller sehr wohl. Denn dass die Ausserirdischen die Erde einfach aus Freude umfliegen, das könne es «eigentlich nicht sein».

Schlüssigere Antworten hat Hans Rudolf Zeller aber keine mehr gefunden. Dafür ist ein Planetarierleben wohl schlicht zu kurz.