Elegant gekleidet wie im Spätmittelalter und zur Reformationszeit schritten die edlen Herren durchs Liestaler Törli, begleitet von mit Hellebarden bewaffneten Soldaten. Was muss das für ein Spektakel gewesen sein für die unzähligen Kinder, die den Festumzug 1901 auf dem Wasserturmplatz verfolgten. Ein Volksfest sondergleichen zum 400-Jahr-Jubiläum des Eintritts des Kanton Basel zur Eidgenossenschaft. Die Fotografien von Arnold Seiler, die im Staatsarchiv Baselland lagern, zeigen auch: Am schönsten hergerichtet wurde das Törli als Liestals Wahrzeichen.

117 Jahre später sollte das Törli wieder frisch renoviert erstrahlen und beste Kulisse eines grossen Festes sein: dem Stadtfest Liestal vom 1. bis 3. Juni 2018. Neben der seit Kurzem fertiggestellten neuen Rathausstrasse wäre es wohl der Mittelpunkt des Grossanlasses gewesen. Doch darauf muss die Kantonshauptstadt nun ein Jahr länger warten. Gestern gab das Organisations-Komitee (OK) des Stadtfestes bekannt, den dreitägigen Anlass erst 2019 durchzuführen.

Präsidiumswechsel verzögerte viel

Das überrascht, wurde das Projekt doch im vergangenen September noch voller Stolz dem hiesigen Gewerbe vorgestellt. Der damalige Stadt- und OK-Präsident Lukas Ott gab den Takt vor: «Wir wollen alle Ressourcen nutzen und unser ganzes Potenzial ausschöpfen.» Der Star des Stadtfestes sollte die Rathausstrasse sein. An dieser liegt es auch nicht, dass sich OK und Stadtrat zur Verschiebung entschieden. Das Törli hingegen ist einer der Hauptgründe: «Stellen Sie sich vor, es ist Stadtfest und das Törli ist eingepackt!», sagt Otts Nachfolger im Stadt- und OK-Präsidium, Daniel Spinnler, zur «Schweiz am Wochenende».

Man habe vor kurzem eine Neu-Beurteilung der für die nächsten Monate vorgesehenen Renovationsarbeiten vorgenommen. Fazit: «Die witterungsbedingten Risiken sind zu hoch, dass die Arbeiten am Törli bis Juni nicht abgeschlossen sind.» Da die neue Farbe bei zu kalten Temperaturen nicht an der Fassade haftet, könne bei einem erneuten Kälteinbruch nicht gemalt werden, so Spinnler.

Es gibt aber noch weitere Gründe für die Verschiebung: Unsicher ist etwa, ob die Umgestaltung des Vorplatzes des Regierungsgebäudes rechtzeitig fertig sein wird. Doch auch die Organisation des Festes an sich ist in Verzug. Das OK schreibt in seiner Mitteilung offen, dass der Wechsel des Stadtpräsidiums, der auch im OK für eine Vakanz sorgte, «zu Verzögerungen bei der Planung und Organisation führte». Der Schluss liegt nahe: Kaum ist das Zugpferd Ott weg, läufts nicht mehr. «Natürlich hätte die Übergabe besser laufen können», sagt Spinnler, «doch es ist zu einfach zu sagen, dass die Probleme kommen, kaum fehlt Lukas Ott.» Er hätte erst kurz vor Weihnachten das OK übernehmen können, was neben Job, Familie und Departementsarbeit ressourcenintensiv gewesen sei.

Carl Spitteler nun ins Fest integriert

Spinnler und sein Team mussten sich deshalb entscheiden: «Ziehen wir es durch und verlieren vielleicht unser Gesicht, wenn das Stedtli nicht bereit ist – oder stehen wir jetzt hin und verschieben das Ganze?» Letzteres sei ihm nicht leicht gefallen, doch Spinnler sieht weitere Vorteile: 2019 ist das letzte Stadtfest genau 30 Jahre her und die Vergabe des Literatur-Nobelpreises an den Liestaler Carl Spitteler jährt sich gar zum 100. Mal. Zudem glaubt Spinnler, dass so früh wenigstens noch niemandem Schaden entstanden sei.

Dennoch müssen die über 100 Vereine, die sich fürs Stadtfest angemeldet haben, nun über die Bücher: Heinz Wallmeier, Präsident der Stadtmusik Liestal, bedauert etwa die nun dieses Jahr fehlende Einnahmequelle: «Wir sind auf solche Anlässe angewiesen und müssen wohl Ersatz suchen.» Und Franz Thür, Präsident des TV Liestal, sagt: «2019 findet Mitte Juni das Eidgenössische Turnfest in Aarau statt. Beides zu nah aufeinander geht für uns nicht.» Dazu hält Spinnler fest: «Der neue Termin 2019 steht noch nicht fest. Wir werden aber sicher auf andere Anlässe Rücksicht nehmen.»