Durchs Jahr ist die individuelle Nachtruhe nördlich der Alpen heiliger als das kollektive Feiern. Nicht so an Silvester: Er habe an Silvester noch nie wegen einer Party ausrücken müssen, erklärt Franz Brodmann von der Gemeindepolizei Reinach. «Und wenn es doch vorkommen sollte, versuchen wir zu vermitteln. Wegen etwas Partylärm wird an Silvester sicher niemand gebüsst.» Auch Meinrad Stöcklin als Sprecher der Kantonspolizei erklärt, dass in der Silvesternacht selten erboste Nachbarn wegen Lärm anrufen. «Da gilt eine andere Toleranzschwelle, und sonst appellieren wir an den gesunden Menschenverstand.»

Geselligkeit in den eigenen vier Wänden wäre also möglich. Doch wem es zu anstrengend ist, vor einer Party für die Gäste und nach der Party gleich nochmals die Bude aufzuräumen, dem bieten sich öffentliche Feten als Alternative mit ihrem breiten Spektrum an. So lässt sich in der Biomill Laufen der bescheidene Eintritt vermeiden, wenn man oder frau kostümiert erscheint: Heuer gehts um Haare und Schnäuz – excusez: «Moustaches». Tout français: «Isch freu misch schon, wenn Dein Moustache kitzelt in meine Bauschnabel.»

Wem ein Maskenball zu fasnächtlich ist, der kann sich für eine Gala entscheiden, etwa in der Reithalle Wenkenhof in Riehen, wo ein «Abendgarderobe-Dresscode» das «edle Ambiente» in einer der «schönsten Locations» unterstreicht. Und für jene, die dabei einen Filmriss erleiden sollten, wird alles aufgezeichnet: «Das erste exklusive Movie wird am Tag nach dem Event aufgeschaltet. Das zweite Movie drei Tage nach dem Event und das Dritte am Tag danach», heisst es auf der Gala-Website.

Vollste Pulle!

An dieser Gala tritt übrigens die Sängerin Tanja Dankner auf, von der der Veranstalter explizit sagen muss, dass sie «berühmt» sei. Überhaupt greifen die Werbetexter tief in die Kiste der Superlative und sprachlichen Plattitüden: So sorgt die Big- Bang-Silvesterparty – die «grösste der Schweiz» – in der St. Jakobshalle in Münchenstein für das «ultimative Sound-Feuerwerk». Und «Celebration ist der Name der Party, die die Voltahalle in ihre Einzelteile zerlegen wird». Der an der «Silvester’s Superstar 2010» in der Messehalle1 auftretende Remady hat den «absoluten Durchbruch in Europa» geschafft. Und in Liestal wird «im Club Escape so richtig die Post abgehn».

Da ist die Silvesternacht im Kleinbasler Union wohltuend bescheiden: Es gibt einfach Worldmusic. Das Escape wirbt damit, dass im Eintrittsgeld die Getränke inbegriffen sind. Es gibt zwar auch ein «Nonalkohol-Ticket», doch die meisten dürften sich für zehnzusätzliche Franken für das Normal-Ticket entscheiden und es, wie man auf dem Skilift die Tageskarte «herausfährt», heraustrinken.

Entsprechend gilt Altersgrenze 18. Diese Grenze ist in der Region sowieso unterschiedlich: Biomill und Big Bang gibts ab 16 Jahren, während beispielsweise die Gala in Riehen von Jungvolk nichts wissen will: Da gilt die exklusive Altersgrenze von 23 Jahren.