Wer Pestizide in Feldversuchen testet und dadurch Bienen vergiftet, soll die Imker entschädigen. Und damit das nicht nötig wird, soll der Kanton Honigproben bei Testflächen auf Pestizidrückstände untersuchen. Das verlangt der Landrat Jürg Wiedemann. Im Visier hat seine Partei, die Grünen-Unabhängigen, die Firma IES, die Pestizide auf Insektenverträglichkeit testet. «Das Ziel der Grünen-Unabhängigen ist, Transparenz zu schaffen, wann und wo die Versuche stattfinden», sagt Wiedemann. «Die Imker können sich derzeit überhaupt nicht schützen.»

Von Bienen hatte er selber laut Eigenangaben bis vor kurzem wenig Ahnung und liess sich von Parteimitgliedern, die fundierte Kenntnisse haben, beraten. So konnte er auch zwei Vorstösse im Landrat einreichen. Zudem lancierte die Partei eine Petition unter Imkern. «Sobald ich das Thema aufgegriffen hatte, meldeten sich viele Imker bei mir», versichert er.

Pestizidrückstände scheinen allerdings nicht das brennendste Thema unter den Imkern der Region zu sein. Der Präsident der Waldenburger Bienenzüchter, Emil Heinimann, möchte zwar gerne wissen, wo und wann getestet werde. «Aber ich beschäftige mich seit zwanzig Jahren viel mehr mit der Varroa-Milbe.» Sorgen bereitet den Imkern zudem die Sauerbrut, die in der Region wütet.

Ein Baselbieter Imker, der ungenannt bleiben will, erzählt von einem Pestizid-Testfeld neben seinen Völkern und gleichzeitig sauberem Honig. Die grüne Nationalrätin Maya Graf, die sich beim Bund für den Bienenschutz einsetzt, meint zur Petition, es sei zwar wichtig, rund um Tests Klarheit zu schaffen. «Ich frage mich aber, ob Wiedemann das wirklich in Absprache mit den Imkern tut.»

Nur abends spritzen

Zweifel an der Dringlichkeit von Wiedemanns Forderungen hat der kantonale Bieneninspektor Marcel Strub. «Grundsätzlich ist sein Anliegen nicht falsch», sagt er. Die Imker hätten Interesse daran zu wissen, ob in ihrem Honig Rückstände seien. Pestizidrückstände seien aber unter Bienenzüchtern kaum ein Thema. Die europaweiten Richtlinien für Pestizidversuche seien sehr streng. Demnach dürfe nur abends gespritzt werden. «Am Morgen, wenn die Bienen fliegen, sind dann die Rückstände trocken und nicht mehr aufnehmbar.» Zudem werde hauptsächlich im Juli und August getestet, wenn der Honig bereits eingefahren sei. «Es ist fast unmöglich, Rückstände zu finden, wenn vorschriftsgemäss gespritzt wird.»

Doch genau dies war nicht immer der Fall. IES musste Imker wegen dem Verlust von Völkern entschädigen. Laut Wiedemann hat die Firma 2011 Versuche ohne Bewilligung durchgeführt. Danach habe der Bund IES eine generelle, zeitlich unabhängige Bewilligung erteilt. Wann und wo Versuche stattfänden, müsse IES keiner Behörde melden, bemängelt er.

Auch Bieneninspektor Strub weiss von Entschädigungen an Imkern nach Pestizidtests. Doch da seien beim Spritzen die Vorschriften nicht eingehalten worden.

Für ein Problem, das die Partei anspricht, kündet er eine Lösung an– nämlich dass die Imker nichts von den Tests in ihrer Nähe wissen. IES muss nämlich dem Bieneninspektor melden, wo sie Völker hat. Damit weiss Strub immer, wo die Testflächen sind – nur verbietet ihm derzeit das Amtsgeheimnis, dies den Imkern zu sagen. «Aber wir erarbeiten eine Lösung, bei der IES freiwillig bekannt gibt, wann und wo Pestizide getestet werden.»