Während gestern die Messe Basel das Innere ihres Neubaus der Öffentlichkeit präsentierte, demontierten in Zunzgen zwei Arbeiter der Rytz Industriebau AG bei leichtem Schneetreiben in 20 Meter Höhe Aluminiumlamellen an der Fassade: Der Prototyp hat seinen Dienst getan, er wird abgerissen.

Marco Rytz und Daniel Weibel in 20 Meter Höhe vor dem bereits weitgehend demontierten Messe-Fassaden-Prototyp.

Marco Rytz und Daniel Weibel in 20 Meter Höhe vor dem bereits weitgehend demontierten Messe-Fassaden-Prototyp.

«Es war ein spezieller Auftrag» blickt Marco Rytz, in zweiter Generation Geschäftsführer des Familienunternehmens, zurück. «Bereits in der Offertphase haben wir ein kleines Muster gebaut, um zu beweisen, dass wir das können», ergänzt sein Stellvertreter und technischer Leiter Daniel Weibel.

Nichts dem Zufall überlassen

Der Beweis war nötig: Selbst die Rytz AG, welche die Hälfte ihres Umsatzes mit Konstruktionen und Fassaden mit geometrisch komplexen Formen macht, musste angesichts der Vorlage von Herzog & de Meuron erst einmal Entwicklungsarbeit leisten. Die Herausforderung: Die Sichtfassade besteht nicht nur aus Lamellen, die unterschiedlich weit aufgewölbt sind. Vielmehr ist die Fassade als Freiformfläche in sich verdreht. Und der Lichthof öffnet sich nach unten wie ein Trompetentrichter, was dreidimensional komplexe Blech-Elemente erfordert.

Dass man in Zunzgen nach dem ersten Modell noch den Prototyp auf das Firmenareal setzte – im Westen ein Ausschnitt der Lichthof-, im Osten der Aussenfassade –, diente nicht nur als Anschauungsobjekt. Vielmehr wollte Rytz Erfahrungen sammeln, denn bei dem gedrängten Zeitplan des Messeneubaus musste alles auf Anhieb klappen, etwa die Zusammenarbeit mit der Muttenzer Marx AG, die den funktionalen Teil der Fassade, sozusagen die Unterhaut des Gebäudes, baute. Deren Elemente waren deshalb auch bereits im Zunzger Messefassaden-Turm integriert.

14'000 Elemente, jedes anders

Rytz liess die von Herzog & de Meuron angelieferten Pläne in Zürich in Maschinendaten umwandeln und setzte die computergesteuerte Stanzmaschine in Betrieb: Eineinhalb Jahre arbeiteten je drei Mann im Dreischichtbetrieb, um die 14'000 Elemente herzustellen, von denen keines gleich wie das andere ist. Insgesamt wurden 250 Tonnen Spezialaluminium geschnitten, teilweise «von Hand» in Form gewalzt, mit den Formhalterblechen versehen und mit dem sogenannten Eloxalverfahren gegen Korrosion geschützt. «Um sicherzustellen, dass jedes Element zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort angeliefert wird, haben wir 1000 Transportgestelle konstruiert», berichtet Weibel. Parallel dazu führte der 55-Personen-Betrieb weitere Aufträge aus. Unter anderem baute Rytz die Passerelle zwischen dem Messe-Neubau und dem Congress Center.

Was in Monaten produziert worden war, musste dann innerhalb weniger Wochen montiert werden. «Dafür haben wir auf Schweizer Subunternehmen zurück gegriffen», berichtet Rytz. Denn zehn Montagegruppen zu je fünf Mann könne in der Region kein einzelner Betrieb auf die Beine stellen.» Allein zwischen Oktober und Dezember 2012 habe man 10'000 der insgesamt 16'000 Quadratmeter Fassadenfläche montiert. «Ich bewundere die Leistungen des Architekturbüros und des Generalunternehmers», blickt Rytz zurück. «Dies alles in so kurzer Zeit fertigzustellen erforderte eine Organisation, wie wenn man ein Zirkuszelt aufstellt.»