Eisig kalte Nächte machen den Obstbauern zu schaffen. Während im März noch Rekordwärme herrschte, hielt diese Woche vielerorts wieder der Frost Einzug. Das ist für Obstbäume besonders problematisch, da viele aufgrund der warmen Märztemperaturen früher als sonst erblüht und daher nun weniger frosthart sind (bz berichtete). Um den Ernteverlust möglichst gering zu halten, setzen Baselbieter Obstbauern nachts Frostkerzen ein, welche die Luft um die Bäume erwärmen.

Massive Schäden

«Im Winter ertragen unsere Bäume sehr tiefe Temperaturen problemlos, aber je weiter sie sich entwickeln, umso mehr nimmt ihre Frosthärte ab», erklärt Meteoschweiz in einem Blog-Beitrag auf der Website. Darin liegt dieses Jahr die Hauptproblematik: Die Obstbäume sind bereits weit entwickelt, weshalb der Frost sowohl Triebe und Blüten als auch erste junge Früchte angreift.

SVP-Landrat und Obstbauer Hansruedi Wirz aus Reigoldswil ergänzt: «Besonders betroffen sind Kirsch- und Zwetschgenbäume. Es zeichnet sich jetzt schon ab, dass die Schäden der letzten Tage massiv sein werden.» Bei den Apfelbäumen könne man den Schaden noch nicht abschätzen. «Bei denen reicht es für den vollen Ertrag, wenn nur zehn Prozent der Blüten überleben.» Im Gegensatz zu Steinobst bilden Kernobstbäume nicht alle Blüten gleichzeitig aus, sondern gestaffelt. Daher besteht für die Apfelernte noch Hoffnung.

Einige Obstbauern seien mit Überdachung und heizen ihrer Obstbäume einigermassen erfolgreich gewesen, sagt Wirz. Aber solche Massnahmen seien nicht überall möglich. Er erklärt: «Bei Schneefall besteht zum Beispiel Einsturzgefahr, was eine Überdachung verunmöglicht.» Einige Betriebe behelfen sich mit wärmenden Gasgebläsen und im Wallis besprenkelt man die Bäume mit Wasser, damit sich Eis bildet, das Energie nach innen ins Zentrum der Blüten leitet. «Im Kanton Baselland ist das aufgrund der Wasserverhältnisse und der Topografie aber eher schwierig», hält Wirz fest.

Ausverkaufte Frostkerzen

Wer sich früh genug mit Frostkerzen eingedeckt hat, kann diese einsetzen, um seine Bäume zumindest minimal vor der Kälte zu schützen. Die mit Paraffin gefüllten Eimer können die Temperatur um die Bäume anheben, wenn sie lange genug brennen. Bei 200 Kerzen pro Hektar steigt die Temperatur um zwei bis drei Grad Celsius, bei 400 Kerzen sogar um fünf bis sechs Grad.

Das verheisst das Informationsblatt der Landi Reba AG, welche die Frostkerzen im Sortiment hat, zurzeit aufgrund des hohen Bedarfs aber ausverkauft ist. «In der ganzen Schweiz sind die Frostkerzen ausverkauft», sagt Wirz und betont, wie weit die Konsequenzen der Frostschäden reichen können. «Nicht nur für den Betrieb, dem ein eingeplanter wirtschaftlicher Ertrag wegfällt, sondern auch für die Obsthändler bis hin zu den Erntehelfern aus Polen, die mit einer Einkommensmöglichkeit gerechnet haben.»