Mit Xavier Koller empfangen die Reinacher einen Oscar-Preisträger, der 1991 den weltberühmten Goldjungen für den besten fremdsprachigen Film «Reise der Hoffnung» entgegennehmen durfte. Frank Linhart, Präsident des Vereins Filmtage Reinach, steht im folgenden Interview Rede und Antwort.

Wie konnten Sie ihren heutigen Ehrengast Xavier Koller engagieren?

Frank Linhart: Ich stellte mir das ziemlich schwierig vor, denn der Oscar-Preisträger wohnt in Los Angeles und wir veranstalten ein kleines Filmfest im bescheidenen Reinach. Es gehört zu unserem Konzept, dass wir die Protagonisten eines Films, der an unseren Filmtagen gespielt wird, einladen. Wenn dies nicht klappt, präsentieren wir den Film nicht und suchen nach einem anderen. Als ich beim Verleger um den Verleih des neuen Films von Koller «Die Schwarzen Brüder» anfragte, fügte ich hinzu, dass ich gerne den Hauptdarsteller oder den Regisseur einladen würde. Der Verleger teilte mir mit, dass Xavier Koller nur Zeit hätte, wenn er zu dieser Zeit in der Schweiz verweile. Damit schwand meine Hoffnung. Doch ich erhielt schlussendlich die Zusage und darf nun neben dem Regisseur Koller auch die Protagonisten Fynn Henkel und Leonardo Nigro auf die Bühne bitten.

Wo steht das Filmfest zum 30. Jubiläum?

Wir hoffen sehr, dass wir die Filmtage Reinach in den kommenden Jahren so weiterführen können. Leider will die Gemeinde Reinach in den nächsten Jahren sparen und Subventionen für Vereine streichen, was auch uns treffen könnte. Wir sind aber auf die Unterstützung angewiesen. Wir wollen auch an unserem 30. Jubiläum in diesem Rahmen ein Fest für Filmfans und die interessierten Einwohner von Reinach veranstalten.

Was verbindet Sie mit Reinach?

Ich wohne schon seit je her in Reinach. Hier habe ich mein Umfeld und habe mich immer wieder für kulturelle Anliegen engagiert.

Wie sind Sie zum Verein Filmtage Reinach gekommen?

Schon als Jugendlicher habe ich immer an den Open Air Filmtagen teilgenommen und bin später als Helfer dem OK beigetreten. Am Anfang hab ich noch hinter der Bar ausgeholfen und Getränke ausgeschenkt. Ich liebte die Arbeit, da ich immer ein grosser Filmfan war und mit meiner Hilfe die Veranstaltung aktiv unterstützen konnte.

Wie hat sich dieser Event seither verändert?

Früher war die Veranstaltung auf dem ehemaligen Gemeindeplatz, der aber abgerissen wurde und heute sowieso zu klein wäre. Dazumal war alles noch viel kleiner und monothematisch. Die Filmtage wurden 1995 erstmals von zwei Kirchen veranstaltet, mit der Absicht, auf die Flüchtlingshilfe aufmerksam zu machen. Darum präsentierten die Gründer bei der Erstausgabe der Filmtage das oscarprämierte Flüchtlingsdrama «Reise der Hoffnung» des diesjährigen Ehrengasts Xavier Koller. Auch das Publikum erschien zu dieser Zeit nicht so zahlreich; und die gezeigten Filme waren nicht gerade die grössten Kassenschlager aus Hollywood. Aber der Event entwickelte sich stetig weiter und kann sich heute an schönen Tagen über bis zu 500 Gäste freuen.

Sie verlangen ja keinen Eintritt für die Filmtage. Wer übernimmt dann die ganzen Kosten, die durchschnittlich 30'000 Franken betragen und im Jubiläumsjahr noch 6000 mehr?

Wir können jedes Jahr viele Kleinsponsoren für unseren Verein gewinnen. Darüber hinaus gibt uns die Gemeinde einen jährlichen Zustupf von 7000 Franken. Auch die Konsumation der Gäste verhilft uns zu mehrheitlich schwarzen Zahlen. Dennoch sind wir auf unsere Kollekte angewiesen, für die wir in diesem Jahr aufgrund des Erfahrungswerts 5000 Franken budgetiert haben. Wie jedes Jahr können wir auf den Frondienst unserer Mitmenschen zählen, auch wenn die Rekrutierung immer schwieriger wird. Zum Glück benötigten wir bis heute nie teures Sicherheitspersonal. Nur Murat Yakin bestand vor Jahren auf einen Bodyguard.