Sie erzählten einst die Zukunft auf Hüftknochen von Rindern. Sie sind die vielleicht älteste Schrift der Welt und hätten zum Höhepunkt des Chinafestivals «Made in China» werden sollen: die chinesischen Orakelknochen aus dem Nationalmuseum in Henan. Anlässlich des Festivals, das vom 18. bis zum 20. Juli China für drei Tage ins Oristal und nach Liestal holt, hätten die Knochen hierzulande Premiere gefeiert.

Hätten, denn Co-Organisatorin Manuela Vettiger ereilte vergangene Woche eine Hiobsbotschaft: Die zehnköpfige chinesische Delegation, die zum Festival erwartet wurde, hat ihre Ausreisegenehmigungen nicht rechtzeitig erhalten. Mit ihr bleiben die Orakelknochen im Reich der Mitte. «Diese Nachricht war für uns natürlich katastrophal», sagt Vettiger, die die Organisation im Namen des Fördervereins für Kindertageskliniken orchestriert.

Mini-Muba über China

«Das Festival wird trotzdem zu einem einzigartigen Event für Gross und Klein», verspricht sie dennoch. Als Ersatz verpflichtete sie Grossmeister Xinhua Xhu, der an der Hua-Long-Schule in Basel Kampfkunst unterrichtet. Vettiger ist überzeugt, dass das Angebot aus Kultur, Akrobatik und Kampfsport, aus Theater, Film und Kulinarik für alle Daheimgebliebenen einen Höhepunkt der Sommerferien darstellen wird.

«Made in China» gilt als Inbegriff billiger Massenwaren aus Fernost. «Dazu soll unser Festival ein Gegenstück bilden; es soll ein anderes Licht auf China werfen, den Leuten das Land näher bringen und zeigen, dass China mehr ist», sagt Vettiger. Mit den Kung-Fu- und Wushu-Vorführungen, einer traditionellen Teezeremonie, Kaligraphie-, Tanz- und Musik-Shows sowie einem Markt und dem breiten kulinarischen Angebot dürfte das gelingen.

«Das Chinatown Liestal ist eine richtige Mini-Muba über China und für die Schweiz in dieser Form eine Premiere.» Geplant war darum auch ein B2B-Happening. Unter dem Slogan «How to make Business in China» hätten sich am letzten Festivaltag Interessierte zum Informationsaustausch treffen sollen. Mit der Absage der China-Delegation fällt nun auch dieses ins Wasser.

Idee kam im Oldtimer

Die Idee zum Anlass entstammt einerseits dem Vorhaben, das ehemalige Spinnlerareal nicht nur mit Unternehmen, sondern mit kulturellen Anlässen zu beleben. Andererseits ist es Arealeigentümer Roman Vettiger, Vorstand des Fördervereins Kindertagesklinik Liestal, der bei der Teilnahme der Oldtimer-Rallye «New Silk Road Rallye» den Einfall hatte, China nach Liestal zu bringen. Einige der teilnehmenden Oldtimer werden am Festival ausgestellt. Auch wenn sie nicht aus China stammen, so befuhren sie das Reich der Mitte.

Chinatown Liestal: 18. bis 20. Juli, Oristal, Liestal, Eintritt frei, Eintritt Show-Highlights (18. Juli abends) 12 Franken/Vorverkauf, 16 Franken/Abendkasse.

www.chinatown-liestal.ch