Dem Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest (Esaf) 2022 im Baselbiet steht nichts mehr im Weg, zumindest nicht aus planerischer Sicht: Am Freitag wurde die Machbarkeitsstudie zum «Eidgenössischen» in Pratteln präsentiert. Das Gebiet, in welchem in fünfeinhalb Jahren der grösste wiederkehrende Sportanlass der Schweiz stattfinden soll, ist abgesteckt. Man hat definiert, wo was zu stehen kommen soll, bis auf den Quadratmeter genau. Etwas jedoch fehlt auf den Plänen: die Parkplätze.

Sie sollen die über 120'000 Autos aufnehmen, die am letzten August-Wochenende 2022 Pratteln ansteuern werden. In der Studie findet sich lediglich der Name eines Parkhauses, dieses befindet sich jedoch erst in der Planungsphase. Man habe die Parkflächen nicht etwa vergessen, sagt Urs Hess auf Anfrage.

Der Prattler Gemeinderat ist Mitglied der Projektgruppe «Esaf Baselbiet ’22» und in dieser zuständig für den Bereich Individualverkehr. «Wir haben die Standorte eruiert und die Flächen zum grössten Teil auch schon gesichert. Aber wir wollten deren Namen nicht bekannt geben.»

Dies habe die Kantonspolizei so angeraten und hänge mit dem Verkehrsleitsystem zusammen. «Wenn die Namen der Parkflächen bekannt sind», sagt Hess, «können die Besucher sich mit ihren Navigationssystemen leiten lassen. Nur führt der Computer sie dann wohl nicht dorthin, wo wir sie eigentlich haben wollen.»

Für einen Grossanlass wie das «Eidgenössische» sei es aber entscheidend, die Verkehrsströme voneinander zu entflechten. Wer aus dem Raum Zürich-Ostschweiz anreise, sollte wenn immer möglich einen Parkplatz östlich des Festgeländes ansteuern, die Besucher aus der Westschweiz entsprechend einen Parkplatz im Westen und so weiter.

Laut Hess werden rund zehn Parkflächen angeboten, hinzu kommen würden die Parkhäuser St. Jakob und Wannenboden, ein privates Projekt beim Festgelände im Südosten Prattelns.

Zwei Drittel sollen Bahn benützen

Insgesamt rechnen die Veranstalter am Festwochenende mit rund 220'000 Besuchern. Von diesen sollen rund 30 Prozent mit dem eigenen Auto anreisen. Bei einer Auslastung von 3,5 Personen pro Auto werden folglich gegen 20'000 Parkplätze benötigt. 60 Prozent der Festbesucher sollen die Bahn benützen; die übrigen zehn Prozent verteilen sich auf Tram und Bus (je 2%), Reisecar (4%) und Velo (2%).

Für Urs Chrétien, Geschäftsführer von Pro Natura Baselland, ist der Anteil der öV-Benutzer zu tief. «Bei einer so guten Verkehrsanbindung lägen 90 bis 95 Prozent drin», sagte er letzte Woche zur bz. Urs Hess bezeichnet diese Zahlen als unrealistisch. Ausserdem schneide das Prattler Fest aus der Sicht nachhaltige Mobilität besser ab als die vergangenen zwei Ausgaben. In Burgdorf 2013 reiste ein Drittel der Besucher mit der Bahn an, in Estavayer-le-Lac 2016 war es sogar nur ein Viertel.

Ein Auto-Aufkommen wie in Estavayer wäre in Pratteln gar nicht absorbierbar. Da das Schwingfest auf dem Militärflughafen Payerne durchgeführt wurde, gab es Platz im Überfluss: 55 000 Parkplätze standen zur Verfügung. Es reisten mehr Leute mit dem Auto an als von den Organisatoren angestrebt. Im Schlussbericht wird denn auch als Empfehlung für künftige Anlässe aufgeführt, Langsamverkehr und öV «mit Anreizsystemen zu fördern».

Die Projektgruppe für Pratteln 2022 nennt solche Anreize. In der Machbarkeitsstudie ist von einem Pauschalangebot die Rede: Das Eintritts-Ticket in die Arena soll auch als Billett für Bahn, Tram und Bus gültig sein. Der Prattler Gemeindepräsident Stephan Burgunder wiederum glaubt, dass der Anteil der Velofahrer an den Besuchern noch stark steigerungsfähig wäre: «Kantonale Radrouten führen praktisch vors Festgelände. Wir müssen offensiv damit werben, dann kommen auch mehr Leute mit dem Velo als die geplanten zwei Prozent.»