Personelle Sorgen plagen die SVP-Fraktion: Bei den Wahlen vom 31. März verlor die bisher stärkste Kraft im Baselbieter Landrat sieben Sitze; Schwergewichte wie der Reinacher Paul Wenger oder der Prattler Christoph Häring wurden abgewählt. Aus gesundheitlichen Gründen hat Oskar Kämpfer das Parteipräsidium abgegeben; er wird trotz Wiederwahl in den Landrat die neue Legislatur nicht in Angriff nehmen. Der Amtszeitguillotine zum Opfer fallen gestandene Parlamentarier wie Hansruedi Wirz (Reigoldswil) oder Georges Thüring (Grellingen).

Kein Chef, der polarisiert

Aus demselben Grund muss die SVP nun einen neuen Fraktionschef suchen. Der jüngst zum Kantonalparteichef gewählte Dominik Straumann hat nun 16 Jahre im Landrat politisiert und die SVP-Fraktion die letzten acht Jahre geführt. Ende Mai wird die SVP-Fraktion an ihrer ersten Sitzung in neuer Zusammensetzung einen neuen Präsidenten wählen. Straumann wünscht sich einen Nachfolger, der über Durchsetzungsvermögen und Akzeptanz verfügt; Letzteres auch bei den anderen Fraktionen.

Drei Landräte werden immer wieder genannt: Reto Tschudin (Lausen), Andi Trüssel (Frenkendorf) und Peter Riebli (Buckten). Sie alle haben neben unbestrittenen Qualitäten einen Makel. Beginnen wir mit Peter Riebli. Der 63-jährige Gemeindepräsident von Buckten wäre wohl der geeignetste Fraktionspräsident: Dossiersicher, mit klarer Linie und Meinung, trotzdem umgänglich und vor allem integer.

Wäre – denn Riebli kann als designierter Landratspräsident ab dem 1. Juli das Fraktionspräsidium nicht übernehmen. Er könnte es aber nach Ablauf seines Jahres als «höchster Baselbieter». Die Fraktion würde demnach nun einen Interimspräsidenten wählen. «Eine Übergangslösung ist eine von mehreren Optionen», bestätigt Straumann auf Anfrage. Riebli äussert sich zurückhaltender: Nun gehe es Richtung Landratspräsidium. Was nachher kommt, werde sich zeigen. «Sicher spekuliere ich jetzt nicht auf ein allfälliges Fraktionspräsidium in über einem Jahr», sagt Riebli.

Makel Staatsangestellter

Als Hier-und-Heute-Fraktionschef heiss gehandelt wird Reto Tschudin. Der 35-jährige Lausner ist der Shootingstar der Baselbieter SVP. Kürzlich setzten ihn die Parteimitglieder auf die Nationalratsliste, bei den kantonalen Wahlen engagierte er sich im bürgerlichen Regierungskomitee und leitete den SVP-Landratswahlkampf im Wahlkreis Liestal. Ihn reize dieses Amt, sagt Tschudin und fügt an: «Ich möchte aber niemandem in der Sonne stehen.»

Er wäre deshalb auch bereit, das Vizepräsidium zu übernehmen. Tschudins Problem: Er ist Leiter des kantonalen Betreibungs- und Konkursamtes. Welche Rolle Kantonsangestellte und insbesondere Chefbeamte im Parlament spielen dürfen, ist umstritten. Tschudin kennt diese Diskussion und sagt: «Zentral ist für mich, dass mein Arbeitgeber kein Problem mit meinem politischen Amt hat. Das ist klar der Fall.» Im Landrat trete er selbstverständlich in den Ausstand, wenn ein Geschäft seinen Beruf tangiere. Dass er deswegen nicht Fraktionschef sein dürfe, wäre für ihn indes unverständlich.

Wohl erneut keine Frau

Ein fast schon logischer Fraktionschef wäre schliesslich Andi Trüssel. Der 67-Jährige amtete bisher als Erster Fraktionsvize neben Straumann und verfügt als Gemeinderat in Frenkendorf über breite politische Erfahrung. Trüssel war gestern nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Gegen eine Wahl Trüssels spricht, dass er ausserhalb der Fraktion als Hardliner gilt.
Die 21-köpfige SVP-Fraktion verfügt über weitere Papabili, zum Beispiel den Bottminger Hanspeter Weibel. Er ist einer der Wortführer und seit 2011 Präsident der Geschäftsprüfungskommission.

Die Fraktion dürfte ihn auch für die kommende Legislatur für ein Kommissionspräsidium vorschlagen. Er würde das Fraktionspräsidium auf Wunsch aber nicht apriori ablehnen, sagt Weibel. Dass jemand beide Aufgaben gleichzeitig ausführt, ist nicht verboten, aber ungewöhnlich. Eine weibliche SVP-Fraktionschefin wirds höchstwahrscheinlich nicht geben: Das sei kein Thema für sie, stellen die beiden Landrätinnen Caroline Mall (Reinach) und Susanne Strub (Häfelfingen) klar.