Informatiker meiden das Tageslicht. Informatiker sind Gamer und Hacker. Informatiker trinken literweise Energiedrinks. Alles Vorurteile? Nicht ganz, wie der Besuch bei Pascal Mathis im Coop-Hochhaus im Basler Gundeli zeigt. Dort arbeitet der 21-jährige Pfeffinger, einer der besten jungen Schweizer Informatiker, als Netzwerk-Administrator.

Der Gang führt tatsächlich zunächst in den Keller. Im sogenannten «Testraum» voller Geräte und Kabel arbeitet Mathis nicht nur gelegentlich, um neue Netzwerke zu testen. Er übt dort auch für die Berufs-WM in Abu Dhabi. Die besondere Ehre wurde dem Schweizer Meister 2015 zu Teil, weil er in einer internen Qualifikation besser war, als der Schweizer Meister des vergangenen Jahres und die beiden Zweitplatzierten. Nun bereitet sich Mathis seit einem Jahr intensiv auf sein berufliches Karriere-Highlight vor.

Den Hauptteil seiner Trainings und seiner Arbeit verbringt der Baselbieter jedoch nicht im Keller, sondern im vierten Stock vor dem PC. Bei Tageslicht. Leere Energiedrinks grenzen den Schreibtisch seines Sitznachbarn von Mathis’ Arbeitsfläche ab. Er selber widerspricht auch in dieser Hinsicht dem Klischee und kommt ohne zusätzliche Power aus der Dose aus. Obwohl er in seinem Büro täglich sehr viel Zeit vor der Mattscheibe verbringt.

Auch die vier Prüfungsaufgaben an der WM Windows, Linux, Netzwerke und Troubleshooting erledigt Mathis alle am Computer. «Das macht das Training einfacher, denn dafür brauche ich eigentlich nur einen Laptop», sagt er.

Viereckige Augen gewohnt

An der WM muss Mathis fiktive Firmennetzwerke aufbauen, programmieren und Kunden-Probleme lösen. Als Informatiker hat er sich mittlerweile an die viereckigen Augen nach der Arbeit gewöhnt. «Es ist aber schon klar, dass ich nach einem Arbeitstag nicht noch zu Hause eine komplette Prüfungsaufgabe löse und korrigiere», sagt Mathis.

«Mir bei der Informatik-WM zuzuschauen, ist nicht so spannend. Da gibt es bei den Gipsern oder Gärtnern schon mehr zu beobachten», sagt Mathis. In Abu Dhabi tritt er gegen 29 Konkurrenten an. «Die Top 10 ist das Ziel, das Podest wäre ein Traum», sagt er.

Die stärkste Konkurrenz kommt aus Asien. Glaubt man den Gerüchten, bereiten sich diese mehrere Jahre lang Vollzeit auf die WM vor, lernen alles auswendig und werden im Falle eines Sieges fürstlich entlohnt: inklusive Steuererlass und Eigenheim. «Tauchen neue Probleme auf, straucheln die asiatischen Teilnehmer aber gerne einmal», sagt Mathis und liefert auch gleich einen Grund, warum er auf diesem Gebiet einen Vorteil hat: «Wenn etwas nicht funktioniert, will ich es unbedingt reparieren und wissen, woran es lag.» Das war schon immer so und hat ihm auch in seinem Beruf sehr geholfen. In Kindertagen wollte Mathis Elektriker werden, doch als er mit neun Jahren seinen ersten PC bekommt, wird schnell klar, dass Informatiker besser zu ihm passt.

Am Anfang spielt das Einzelkind vor allem an seinem Computer. Vor allem Arcade- und Action-Spiele. Aber als Gamer würde sich Mathis rückblickend trotzdem nicht bezeichnen. Schon mit elf Jahren kümmert er sich auch um die technischen Probleme am PC seiner Eltern und Freunde. «Pillepalle» seien die damaligen Probleme im Vergleich zu seiner heutigen Arbeit. Aber klein übt sich.

Online abstimmen macht Sinn

Ein Vorurteil bleibt noch. Wie sieht es mit dem Hacken aus? «Da habe ich schon einige Kenntnisse», sagt Mathis und lacht. Zu kriminellen Zwecken wird er sein Wissen aber bestimmt nicht verwenden. Stattdessen hofft er, dass in der Schweiz trotz zunehmender Gefahr durch Cyber-Angriffe irgendwann online abgestimmt werden kann. «Das würde vieles vereinfachen, die Stimmbeteiligung und das politische Interesse erhöhen. Ich höre immer wieder, dass der Bund da etwas plant und hoffe, es ist bald soweit», sagt Mathis.