«D Boscht goot ab»: Das diesjährige Comité-Sujet der Basler Fasnacht trifft auch auf Pratteln zu – obwohl es dort heissen müsste: «D Boscht haut ab.»

Der gelbe Riese schliesst sein regionales Logistikzentrum im Prattler Industriequartier per Oktober dieses Jahres. 15 Arbeitsplätze verschwinden. Wie die Post auf Anfrage der bz schreibt, seien unter anderem acht fest angestellte Mitarbeitende betroffen, für sie würden «individuelle Lösungen» gesucht.

Die Post begründet die Schliessung damit, dass sich der Standort «unter den gegebenen Voraussetzungen nicht rentabel betreiben» lasse. Auch sei mit der vorhandenen Infrastruktur keine «adäquate Betreuung» der Geschäftspartner möglich. Die Kunden könnten jedoch nahtlos von einem der fünf anderen Logistikzentren der Post übernommen werden. Diese Zentren stehen in Villmergen, Dintikon, Mägenwil und Oftringen (alle AG) sowie in Pfungen im Kanton Zürich.

Der Prattler Gemeindepräsident Stephan Burgunder sagt zur bz: «Der Verlust jedes einzelnen Arbeitsplatzes ist bedauerlich.» In der Logistikbranche seien aufgrund von Automation und Digitalisierung grosse Veränderungen zu beobachten. Die Märkte würden grundlegend verändert, damit habe nicht nur die Post zu kämpfen. «Wir bedauern, wenn Firmen ihren Sitz in Pratteln aufgeben», sagt Burgunder. Mit geplanten Areal-Entwicklungen investiere die Gemeinde stark in ihre Standortattraktivität.

Temporärkräfte wohl ohne Job

«Leider hat die Postlogistics AG mit uns keine Verhandlungen aufgenommen», schreibt Syndicom. Die Gewerkschaft bemängelt, dass die Postlogistics über keinen Sozialplan verfüge, im Gegensatz zu den Post-Konzerngesellschaften. Deshalb sei die Schliessung für die vielen Temporärangestellten besonders problematisch. «Während wir die Hoffnung haben, dass für die Festangestellten eine Anschlusslösung gefunden werden kann, stehen die Temporärangestellten danach ohne Job da.» Syndicom bezeichnet einen derart hohen Anteil von Temporärkräften wie im Fall Pratteln als «sehr fragwürdig». Die Firmen würden den grösseren Spielraum ausnützen. «Dies geht auf Kosten der Arbeitnehmenden.»

Das Logistikzentrum für die Nordwestschweiz eröffnete die Post erst im Jahr 2011. Es löste die früheren Zentren in Muttenz und Münchenstein ab. Beim Gebäude an der Güterstrasse 59 in Pratteln ist ein Gleisanschluss vorhanden. Die Lagerfläche beträgt über 16'000 Quadradmeter, das entspricht zwei Fussballfeldern. Neben der Lagerung können Kunden weitere Dienstleistungen in Anspruch nehmen, etwa Verzollungen und Etikettierungen.

Wegen ihrer Abbaumassnahmen steht die Post seit längerem im Fokus. Bereits im Frühling 2017 gab das Unternehmen im Eigentum des Bundes bekannt, dass es sein Geschäftsstellennetz zu straffen gedenke. Landesweit werde mehr als jede dritte Postfiliale überprüft. In den beiden Basel sind neun Standorte von der Schliessung bedroht, im Baselbiet sechs und in Basel-Stadt drei – darunter «Basel 1», die Hauptpost an der Rüdengasse.

Postfiliale bleibt vorerst

Die angekündigte Kahlschlag führte in der Politik zu Unmut. Der Basler Grosse Rat beschloss im November eine Standesinitiative, die unter anderem ein Schliessungsmoratorium fordert, bis eine Netzplanung öffentlich vorliegt. Der Landrat folgte kurz darauf mit einer eigenen Standesinitiative. Die Post selber begründet die Umstrukturierungen mit dem Kundenverhalten, das sich stark verändert habe.

Trotz der Standesinitiativen ist in der Zwischenzeit eine der sechs zu überprüfenden Filialen im Kanton Baselland bereits verschwunden: In Thürnen sind die Postdienstleistungen an eine Agentur ausgelagert worden – dasselbe wird diesen Sommer in Hölstein geschehen.
In Pratteln ändert sich hingegen für die Privatkunden vorerst nichts. Der Fortbestand der Filiale an der Bahnhofstrasse ist garantiert, zumindest bis 2020.