Schrecksekunde bei der Durchsicht des Kantonsindex’ der 300 Reichsten in der jüngsten Ausgabe des Magazins «Bilanz»: Die Familie Brenninkmeijer steht unter Basel-Stadt. Sind die reichsten Baselbieter in die Stadt gezogen? Auf Seite 50 des alljährlich erscheinenden Katalogs des Schweizer Geldadels ist die Gründerfamilie von C&A dann aber doch – neben Zug und Zürich – unter Baselland verzeichnet. Ein Anruf in der «Bilanz»-Redaktion klärt die Lage: Marcel Brenninkmeijer wohne immer noch in Arlesheim.

Ob Brenninkmeijers aber dort bleiben, ist unsicher: So meldete die Innerschweizer Presse, Marcel Brenninkmeijer habe in Meggen (LU) eine Villa gekauft. Dabei wurde darauf verwiesen, das Baselbiet habe die Pauschalbesteuerung abgeschafft. Doch der Seitenhieb dürfte sein Ziel verfehlen: Brenninkmeijer ist unter anderem in der Schweiz im Bereich erneuerbare Energien aktiv und dürfte nicht zu den Pauschalbesteuerten gehören.

Kein Neuzugang

Was an der diesjährigen Liste der Baselbieter und Basler Reichen auffällt: Es gibt keine Absteiger und es sind keine Neuen hinzugekommen: Am reichsten sind nach wie vor die Roche-Clans Hoffmann und Oeri aus Basel. Sie belegen schweizweit hinter den Ikea-Kamprads den zweiten Rang. Ihr Vermögen wird auf 26 bis 27 Milliarden Franken geschätzt. Der Zuwachs von 4 Milliarden kam durch den steigenden Kurs der Roche-Aktien zustande.

Auf Platz vier der gesamtschweizerischen Rangliste folgen dann die Brenninkmeijers. Ihre Haupt-Geldquelle sind die weltweit rund 2000 C&A-Filialen. «Bilanz» schätzt das Vermögen der Schweizer Brenninkmeijer auf 15 bis 16 Milliarden (Zuwachs: 1 Milliarde). Dieses verteilt sich aber auf die verschiedenen Zweige des Clans an Zürichs Goldküste und am Zuger Ägerisee.

Deshalb steht womöglich der Titel der reichsten Baselbieter gar nicht den mittlerweile mit dem holländischen Königshaus verschwägerten Textilhändlern zu, sondern der Industriellenfamilie Endress. Ihr Vermögen steckt im Messgeräteunternehmen Endress+Hauser mit Sitz in Reinach und wird von der «Bilanz» auf 2 bis 2,5 Milliarden Franken beziffert. Das öffentliche Gesicht des Clans ist Klaus Endress, der sich als Reinacher Gemeinderat in die Niederungen der Gemeindepolitik gewagt hat und sich öffentlich für die Fusion beider Basel aussprach.

Endress vollzieht mit dieser Haltung, was längst Realität ist: Wirtschaft und Geld halten sich an keine Grenzen. Dies gilt auch für die Familie Blocher (5 bis 6 Milliarden), welche die «Bilanz» den Kantonen Zürich, Schwyz und Aargau zuordnet. Die Familie ist aber mit dem Läckerli Huus und der «Basler Zeitung» auch in beiden Basel aktiv, wobei es sich bei der BaZ mehr um ein politisches als ein wirtschaftliches Projekt Christoph Blochers handeln dürfte.

Life Sciences machen reich

Geld macht man in beiden Basel vor allem mit Pharma, Bio- und Medtech: In diese Kategorie gehören etwa der Acteliongründer Jean-Paul Clozel und seine Frau Martine, die im Unternehmen für die wissenschaftlichen Belange zuständig ist. Rudolf Maag investiert in diese Branchen, etwa bei Actelion oder Straumann. Und Alice Huxley kam als ehemalige CEO der Biotech-Firma Speedel zu Geld und forscht derzeit im nächsten Start-up an Medikamenten. Thomas Straumann verlegte sein Zahnimplantate-Unternehmen von Waldenburg nach Basel, baut die Osteosynthese-Firma Medartis auf und ist Besitzer des renommierten Hotel Drei Könige in Basel. Auch Fritz Gerber (85), der die «Zürich» und die Roche führte – Letztere als Konzernchef und Verwaltungsratspräsident gleichzeitig –, machte sein Vermögen in der Pharma. Esther Grether (78) ist immer noch Verwaltungsratspräsidentin des Kosmetik- und Pharmaunternehmens Doetsch Grether (Basel und Muttenz). Die Familie Geiger profitiert vom Gaba-Zahnpasta-Erbe und widmet sich kulturellen Stiftungen.

Ausserhalb der Lifesciences macht die Familie Schneider mit Davidoff-Zigarren ihr Geld. Die Sarasins sind als Privatbankiers reich geworden, haben aber die Bank nach Brasilien verkauft. Die Familie Grisard machte ihr Vermögen mit Holzhandel, wendet sich aber zunehmend der Arealentwicklung zu. Und die Familie Habegger scheffelt ihr Geld buchstäblich mit Förderbändern: Ihr gehört die Fördermittelfirma Habasit mit Sitz in Reinach.