Die Baselbieter SP, die mit der Wahl von Monica Gschwind (FDP) 2015 von den bürgerlichen Parteien in die Opposition gedrängt wurde, will wieder zurück in die Regierung. Das machten die Delegierten an der Geschäftsdelegiertenversammlung heute Samstag im Allschwiler Schulhaus Gartenhof deutlich. Bei 120 Anwesenden folgten - neben den Jungsozialisten selbst - lediglich drei andere Delegierte deren Antrag, bei den Gesamterneuerungswahlen 2019 gar nicht erst für die Regierung zu kandidieren und freiwillig in der Opposition zu verbleiben. Der Rest folgte der Geschäftsleitung um Präsident Adil Koller und entschied, am 31. März mit einer Einer-Kandidatur anzutreten. Nicht einmal beantragt wurde die Variante, es wie 2015 mit zwei SP-Kandidaten gleichzeitig zu versuchen. Zu gross schien die Angst, dass wie damals wieder beide auf der Strecke bleiben könnten.

Kathrin Schweizer ist fast schon gesetzt

Wer dieser eine Kandidat sein wird, stellt sich am 20. Juni heraus. Dann findet eine ausserordentliche Delegiertenversammlung für die Nomination statt. Es bestehen allerdings kaum noch Zweifel, dass die SP die Muttenzer Land- und Gemeinderätin Kathrin Schweizer aufstellen wird. Sie ist die einzige, die ihr Interesse bisher offiziell kommuniziert hat. Alle anderen potenziellen Kandidaten haben sich zurückgezogen. Die Kandidierungs-Frist läuft aber erst Ende Mai ab, weswegen Schweizer selbst in Allschwil keine voreiligen Schlüsse ziehen wollte. "Vielleicht kommt ja noch jemand, den niemand auf dem Radar hatte", sagte sie im Anschluss an die Versammlung zur bz.

Wobei: Schweizer kann bereits jetzt auf den Segen des Parteipräsidenten zählen. "Sie wäre eine hervorragende Regierungskandidatin. Ich unterstütze ihre Kandidatur", sagt Koller auf Nachfrage. Er habe Dutzende Gespräche mit anderen möglichen Kandidaten geführt und entweder hätten diese sich zugunsten von Schweizer zurückgezogen oder ihr Interesse erst für eine spätere Wahl angemeldet. So geschehen etwa bei den Landräten Urs Kaufmann und Diego Stoll. Koller geht demnach nicht von weiteren Interessierten aus, die Schweizer die Kandidatur streitig machen könnten.

Und so lässt sich Schweizer von der bz dann doch noch eine Aussage zu ihren Chancen entlocken, sollte sie 2019 antreten dürfen: "Ich glaube viele Wähler im Baselbiet akzeptieren, dass die SP einen Anspruch auf einen Regierungssitz hat. Und zudem habe ich bei der Wiederwahl in den Muttenzer Gemeinderat 2016 mit dem besten Resultat aller Kandidierenden bewiesen, dass ich auch jenseits der linken Wählerschaft Stimmen holen kann."

SP-Regierungsrat wäre mehr als ein Feigenblatt

Eigentlich wollte die Parteispitze den Fokus an diesem Samstag explizit noch nicht auf die Kopfdiskussion legen. Zuerst sollte die Strategie stehen. Und hier gaben sich die Juso sichtlich Mühe, für die Vorteile der Oppositionspolitik zu weibeln. Juso-Co-Präsidentin Ronja Jansen hielt eine engagierte Rede. Ihre Hauptargumente: Die Opposition der letzten Jahre habe die SP erst wieder erstarken lassen und ein einzelner SP-Regierungsrat wäre nicht mehr als "ein linkes Feigenblatt" während die rechtsbürgerliche Mehrheit alle Entscheide fällen würde. "Übernehmen wir besser im Parlament Verantwortung. Legen wir dort zu können wir in ein paar Jahren mit einer noch grösseren Bewegung richtig zurückkehren", sagte Jansen.

Doch Koller überzeugte den Grossteil der Anwesenden mit einer simplen Botschaft: "Der erste Sitz ist bloss der Start für künftige weitere Sitzgewinne. Zum Erfolg kommt man nur schrittweise." Der Wähler - immerhin fast jeder vierte Baselbieter - habe eine Vertretung in der Regierung verdient. Und alt Regierungsrat Peter Schmid enervierte sich geradezu: "Wir werden doch niemanden nominieren, der nur ein Feigenblatt wäre. Eine Persönlichkeit, die sich mit voller Energie engagiert, kann in der Regierung auch alleine Einfluss nehmen." Den Mahnfinger erhob Noch-Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer: "Das Leben in der Opposition ist hartes Brot und es ist offen, ob wir die nächsten vier Jahre nochmals so erfolgreich sein würden." Leutenegger vergass freilich auch nicht, zu erwähnen, was ihr besonders am Herzen liegt: "Jetzt haben wir die Chance, mit einer Frau anzutreten. Es wäre die erste SP-Regierungsrätin überhaupt. Diesen Trumpf will ich jetzt einlösen."

Doch was machen die Juso nach der klaren Entscheidung nun? Sie könne noch nicht sagen, ob die Juso die Einer-Kandidatur unterstützen werde, sagt Jansen. Man werde sich erst nochmals besprechen. Sie persönlich halte aber viel von Kathrin Schweizer.

Und so stand am Ende des Nachmittags dann eben doch ein Kopf im Zentrum.