Aus altem Gestein erheben sich dieses Wochenende wie in einem Archäologentraum Figuren aus vergangenen Zeiten zu neuem Leben. Gladiatoren, Tänzerinnen, Handwerker und Legionäre versetzen während dem 22. Römerfest in Augusta Raurica die Besucher um 2000 Jahre in die Vergangenheit.

Neugierige können sich an über 30 Mitmach-Stationen selber in antikem Handwerk, römischer Tanzkunst oder im Wagenrennen versuchen. Verkaufs- und Essensstände schaffen eine authentische Marktplatz-Atmosphäre, während die Gladiatoren in der Arena zum Kampf antreten. Archäologen liefern vor Ort Hintergrundwissen und beantworten Fragen.

Lehrreiche Slowmotion

«Die Wissensvermittlung steht für uns im Zentrum, ohne dabei den Spassfaktor ausser Acht zu lassen», sagt Karin Kob, Kommunikationsleiterin von Augusta Raurica. «Alle Angebote basieren auf wissenschaftlichen Grundlagen, bieten aber einen niederschwelligen Zugang.» Das werde auf Dauer immer wichtiger. «Die Leute hatten früher mehr Latein in der Schule und daher ein grösseres Vorwissen als heute.

Das macht aber nichts, dem passen wir uns an», erklärt Kob. Das Interesse für die römische Kultur habe keineswegs abgenommen. «Die Leute wollen wissen, was früher war, und woher wir kommen.» Zwar sei es überholt, die Römer einfach als Wurzel unserer Kultur zu betrachten. «Aber wir haben dennoch einiges ganz automatisch und unhinterfragt von ihnen übernommen, zum Beispiel das römische Recht.» Daher sei es wichtig, über vergangene Kulturen Bescheid zu wissen und sie auch aktiv zu vermitteln.

«In unserer hoch technisierten Zeit sind wir es auch nicht mehr gewohnt, Dinge selber zu machen.» Man gehe zum Beispiel einfach in den Baumarkt und kaufen fünf Meter Seil. «Die Römer mussten Seil in mühsamer Handarbeit herstellen.» Das Römerfest wirke daher wie ein Slowmotion-Film. «Alles geht ruhig und behäbig, ohne Hektik. Die Leute fühlen sich wohl und können herunterfahren.»

Besonders freut sich Karin Kob auf das grosse Legionärslager. «Das hatten wir schon vor zwei, drei Jahren einmal und die Rückmeldungen waren sehr gut.» Aus ganz Europa kämen Legionäre. «Die leben das voll aus, sprechen Lateinisch und so weiter. Für die ist das wie Fasnacht.»

Eine neue Attraktion bietet die französische Glasbläsergruppe Les infondus, die mit einem nachgebauten Glasschmelzofen vor Publikum Glasgegenstände herstellt, während Archäologen anhand von Originalfunden von römischer Glaskunst erzählen. «Ich bin sicher, dass jeder am Römerfest etwas findet, das ihn interessiert. Man soll sich wohlfühlen, staunen, sich amüsieren oder ein tolles Familienerlebnis geniessen können.»