Der Weg in die Stadt ist heute keine Distanz mehr

Warum selbst die Oberbaselbieter in Basel bestens versorgt werden - und es das Bruderholz eigentlich gar nicht mehr braucht.

Selten hat mich eine SVPlerin derart verblüfft wie alt Landratspräsidentin Myrta Stohler. An einer Podiumsdiskussion zur regionalen Spitalplanung vor ein paar Wochen stimmte die erfahrene Politikerin plötzlich das Hohe Lied auf eine gemeinsame Spitalgruppe beider Basel an. Selbst wenn alle Spitalangebote künftig nur noch in Basel konzentriert wären, würde sie dem Zusammengehen zustimmen. Denn der Weg vom Oberbaselbiet in die Stadt sei ja heutzutage keine Distanz mehr. Stattdessen müsse man auf die Vorteile setzen, die eine solche Kooperation biete. Und das sagte sie, die langjährige Gemeindepräsidentin vom weit entfernt liegenden Diegten.

Darum, liebe Baselbieterinnen und Baselbieter, liebe nah und fern wohnende Rampasse, hört auf die weisen Worte dieser klugen Frau. Nennt nie wieder in einer Diskussion die Distanz zum nächst gelegenen Spital als Argument gegen eine gemeinsame Spitalgruppe mit Basel-Stadt. Wenn es um Leben und Tod geht, kommt sowieso die Rega geflogen. Wer früher bei einem seiner Kinder die leidige Hin- und Herfahrerei für ein einziges Röntgenbild zwischen der Kinderklinik auf dem Bruderholz und dem alten Basler Kinderspital am Rhein erlebt hat, weiss, was er am heutigen Universitäts-Kinderspital beider Basel hat.

Noch etwas gibt es, das Frau Stohler gesagt hat, und worauf man besser hören sollte: Eigentlich braucht es, wenn man nochmals ganz von vorne beginnen könnte, statt des Bruderholz’ einen ganz anderen Standort. Wir schlagen vor: Holt sofort den Kanton Solothurn mit an Bord und richtet im gleich beim öV-Knoten Arlesheim/Dornach liegenden Spital Dornach das neue Ambulatorium ein; oder kauft notfalls von Solothurn gleich das ganze Spital. Dann würde endlich, endlich das teuerste Bauland des ganzen Kantons frei, wo sich gute Steuerzahler aus Stadt und Land niederlassen könnten. Die gute Spital-Idee beider Basel würde so gleich noch mehr rentieren.

Kommt alle her, ihr Siechen und Kranken

Warum Basel-Stadt keinen einzigen Grund hat, sich bei der Spitalfusion vom Baselbiet übervorteilt zu fühlen.

Natürlich, die geplante Spitalfusion ist wieder eines dieser Projekte, die zumindest finanziell gesehen ein Ungleichgewicht vermuten lassen. Hat Baselland doch genau gleich viel zu sagen wie Basel-Stadt, obwohl die Mitgift reichlich bescheiden ist und die Städter den Löwenanteil einbringen. Aber so ist das in einer Ehe. Man legt zusammen und teilt dann redlich. So kommen die beiden Partner auf Augenhöhe, was für die Langlebigkeit einer Beziehung von grossem Wert ist.

Hingegen ist es selten eine gute Idee, wenn eine Seite von der eigenen Stärke berauscht den Macho gibt. Genau diese Gefahr droht. Die urbanen Städter rund um die LDP, die sich ohnehin als Mittelpunkt der zivilisierten Welt verstehen, sehen den Spitalpartner Baselland im besten Fall als rechtlose Gespielin an. Sie verknüpfen ihr Ja zum Beispiel mit der Frage der Uni-Finanzierung, bei der Baselland notgedrungen zurückbuchstabieren will — worüber man in der Tat streiten kann. Doch diese Haltung verursacht bloss Verlierer und ist ein Schnitt ins eigene Fleisch. Denn Tatsache ist: Das Unispital, das auch Forschungsanstalt ist, droht ohne höhere Fallzahlen der Bedeutungsverlust. Vor allem gegenüber Zürich. Mit der Spitalfusion kann dies (voraussichtlich) verhindert werden. Das müsste doch eigentlich dem Selbstverständnis dieser Urbasler entsprechen.

Dass dazu ausgerechnet Hilfe vom Land nötig ist, muss halt zähneknirschend und augenrollend in Kauf genommen werden. Immerhin lässt sich als Trost feststellen, dass noch mehr Baselbieter, die in die Stadt einfallen, dies als Patienten tun. Es droht also kein Identitätsschock, keine Überfremdung und schon gar keine Agrarisierung. Diese Menschen werden der Stadt, in der sie ihr Leiden kurieren konnten, ewig dankbar sein. Und ein dankbarer Partner ist ein wertschätzender Partner. Eine der Voraussetzungen übrigens, die Liebe entstehen lässt.