Es ist offensichtlich: Die «Starke Schule» will es sich nicht mit der Baselbieter Bildungsdirektorin Monica Gschwind verderben. Nicht nur hat das Komitee im Internet eine überschwängliche Wiederwahlempfehlung zugunsten der FDP-Regierungsrätin veröffentlicht. Sondern es reagiert auch mit betontem Wohlwollen auf Gschwinds Umsetzungsvorschlag zur eigenen, unformulierten «Passepartout»-Ausstiegsinitiative. Die entsprechende Vorlage hat die Regierung am Mittwoch veröffentlicht.

Dass Gschwind mit einer partiellen, «geleiteten» Lehrmittelfreiheit das von der Starken Schule geforderte und vom Landrat unterstützte Verbot der Fremdsprachenlehrmittel «Mille feuilles», «Clin d’Oeil» und «New World» umgehen möchte, hat sie bereits im vergangenen Oktober in einem bz-Interview publik gemacht. Die Starke Schule reagierte damals äusserst gereizt mit der Ankündigung einer zweiten, diesmal formulierten Volksinitiative zum endgültigen Abschuss der «unsäglichen Passepartout-Lehrmittel».

Doch am Mittwoch dominierten die sanften Töne: «Für die Starke Schule ist massgebend, dass der Bildungsrat für jede Schulstufe und jedes Fach eine umfassende Lehrmittelliste beschliesst, welche auch international anerkannte Lehrmittel enthält, die aufbauend strukturiert sind», heisst es in einer Mitteilung. Insofern begrüsse die Starke Schule Gschwinds Gesetzesentwurf.

Tatsächlich sollen Baselbieter Lehrpersonen künftig auf Grundlage einer kantonalen Lehrmittelliste auswählen können, welche Schulbücher sie in ihrem Unterricht einsetzen möchten. Die für die Liste geeigneten Lehrmittel bestimmt der Bildungsrat anhand von kantonal definierten Kriterien. Zudem sollen im Bildungsgesetz klare Vorgaben zu den Fremdsprachen-Lehrplänen verankert werden; etwa der schrittweise Aufbau von Grammatik, Wortschatz und Orthographie.

Zweite Initiative in Hinterhand

Allerdings wäre die Starke Schule nicht die Starke Schule, wenn sie nicht auch in diesem Fall ein Druckmittel in der Hinterhand behielte. Sollte der Bildungsrat trotz entsprechender Absichtserklärung «keine umfassende Lehrmittelliste mit international anerkannten Lehrmitteln» festlegen, müsste die Starke Schule ihre zweite Initiative doch noch einreichen. Die entsprechenden Unterschriften seien bereits gesammelt.

Das wiederum kommt in jenen Kreisen schlecht an, die dem Aktivismus der Starken Schule grundsätzlich skeptisch gegenüberstehen. «Damit in den Schulen endlich in Ruhe gearbeitet werden kann, müssen die Störmanöver durch immer wieder neu lancierte Initiativen nun ein Ende haben», forderte am Mittwoch die Baselbieter SP. Die von der Regierung vorgeschlagene Revision des Bildungsgesetzes biete eine gute Möglichkeit, den Passepartout-Grabenkrieg zu beenden.

Ins gleiche Horn stösst Ernst Schürch, SP-Landratskandidat und Präsident der Amtlichen Kantonalkonferenz (AKK): Gschwinds Entwurf sei ein grosser Schritt in die richtige Richtung. «Hoffentlich sehen das nun alle so und lancieren nicht wieder irgendeine seltsame Initiative.» Die obligatorische Volksabstimmung über den Umsetzungsvorschlag ist für November 2019 vorgesehen.