Seit gestern ist klar: Zeit für Erholung bleibt den Baselbieter Politikern über Weihnachten kaum. Nach dem Rücktritt von Finanzdirektor Adrian Ballmer (FDP) hat die Regierung die Wahl seines Nachfolgers auf den 3. März 2013 gelegt. Ein allfälliger zweiter Wahlgang wurde auf den 21. April angesetzt. Es wird also ein kurzer und intensiver Wahlkampf.

Auf einen Schlag sind die Terminkalender der Parteivorderen prall gefüllt. CVP-Präsidentin Sabrina Mohn etwa wird sich noch vor dem Wochenende mit allen wichtigen Exponenten treffen. Morgen wird sie mit ihren Amtskollegen Oskar Kämpfer (SVP) Christine Pezzetta (FDP) über das weitere Vorgehen beraten, und schon am Freitag wird sie einer Einladung der Grünliberalen Folge leisten, wo auch die BDP und die EVP mit von der Partie sind.

Komfortable Ausgangslage

Ihre Ausgangslage bezeichnet Sabrina Mohn als komfortabel. Sie selber darf sich von den anderen Parteien umgarnen lassen. Denn «eine Kandidatur der CVP schliesse ich aus». DieChristdemokraten werden ihr Hauptaugenmerk darauf richten, bis zum Rücktritt ihres Regierungsrats Peter Zwick (spätestens 2015) zwei Kandidaten aufzubauen. Zunächst soll die bürgerliche Mehrheit im Regierungsrat zementiert werden. Dabei zeigt Mohn überraschend wenig Berührungsängste. Gewiss sei die Unterstützung «personenabhängig», aber neben dem oft gehandelten SVP-Vize Thomas Weber hält sie selbst den Nationalrat Thomas de Courten für wählbar. «Er ist zwar ein Hardliner, aber in seiner Sache sehr konsequent.» Damit öffnet sie das Feld innerhalb der SVP, deren Sektionen bis zum 3./4. Januar angehalten sind, geeignete Kandidaten zu präsentieren. Gewisse SVP-Politiker seien «von der Art» nicht tragbar, schränkt Mohn ein.

Noch offener zeigt sich ihr Stellvertreter Marc Scherrer: Er will der SVP bei der Kandidatenkür gar nicht dreinreden. Unbestritten ist aber für beide der Anspruch der SVP auf einen Regierungsratssitz. «Ich hoffe für uns Bürgerlichen, dass die FDP keinen Kandidaten bringt», sagt Scherrer deutlich. SVP-Präsident Oskar Kämpfer wird morgen früh nicht nur arithmetisch argumentieren. FDP-Chefin Pezzetta wird die Versäumnisse ihrer Regierungsräte zu hören bekommen: «Auf der einen Seite haben wir einen rechnerischen Anspruch auf den Regierungssitz», sagt Kämpfer. Zudem werde er Pezzetta vor Augen führen, dass ihre Partei «die Gelegenheit versäumt hat, die Regierung zusammenzuschweissen». Pezzetta selbst gibt sich gewohnt vorsichtig. Ob die FDP einen Kandidaten aufstellen wird, könne sie noch nicht sagen – darüber könne sie nicht alleine befinden.

Grünliberale haben andere Pläne

Rechnerische Ansprüche spielen in den Überlegungen der GLP keine Rolle. «Wir müssen von parteipolitischen Überlegungen weg kommen», sagt Präsident Hector Herzig, der darin das Verderben der letzten Jahre sieht. Vereinfacht: Unabhängig vom Parteibüchlein solle der Beste gewinnen. Schon gegenüber der «Basler Zeitung» hatte er eingeräumt, dass die GLP nun antreten wolle – sofern sich ein geeigneter Kandidat finde. Herzig ist zuversichtlich, zumal seine Partei schon in Arbeitsgruppen gegliedert sei – darunter gibt es auch eine Gruppe Finanzen, wo sich gewiss ein Nachfolger für den abtretenden Finanzdirektor finden lasse – als heissester Kandidat wird hier der GLP-Landrat Gerhard Schafroth gehandelt, der sein Interesse auch schon kundgetan hat. Bei der CVP, oft Zünglein an der Waage, sollte die GLP aber schnell vorstellig werden. «Wir haben die Ambitionen der Grünliberalen erst gerüchteweise gehört», sagt Marc Scherrer. Bevor sie amtlich seien, wolle er sich nicht dazu äussern. Und «zum jetzigen Zeitpunkt unterstützen wir eine SVP-Kandidatur».