Der Saal des «Leuen» in Waldenburg ist gross, aber diesen Ansturm konnte er nicht schlucken: Gegen 150 Besucher wollten am Freitagabend hören, was vier Protagonisten auf dem Podium zur Zukunft der Waldenburgerbahn (WB) zu sagen hatten. Obwohl deshalb viele stehen mussten, vorzeitig nach Hause ging kaum einer, zu lebhaft wog die Diskussion hin und her. Dass sie nie ausartete, hatte auch mit Gesprächsleiter Dani von Wattenwyl zu tun, der es verstand, die mitunter anrollenden Emotionswellen aus dem Saal mit einem träfen Spruch zu entschärfen.

Der Auftakt gehörte Urs Roth, dem stellvertretenden Baselbieter Kantonsingenieur. Er stellte das WB-Ausbauprojekt vor, wie es die Regierung dem Landrat vorschlägt. Wichtigste Eckpunkte der rundum zu erneuernden Bahn: Die heutige, exotische Spurbreite von 75 Zentimetern soll auf einen Meter verbreitert werden. Die Kosten für die neue Infrastruktur veranschlagte Roth auf 200, das neue Rollmaterial auf 50 bis 60 Millionen Franken. Die reinen Umspurungskosten der rund 13 Kilometer langen Strecke kämen auf 12 Millionen Franken zu stehen, wobei 10 Kilometer auch ohne Spurerweiterung erneuert werden müssten.

SBB-Ausbau als Chance

Die Sperrung der WB zwischen Liestal Bahnhof und Altmarkt im Jahre 2022, wenn die SBB ihr viertes Geleise einbauten, sei die grosse Chance für eine Spurerweiterung, weil während dieser Zeit sowieso Busse im Tal verkehren würden. Und Roth weiter: «Mit der breiteren Spur können wir beim Unterhalt der Fahrbahn und der Fahrzeuge jährlich je 200 000 Franken sparen.» Grund dafür seien standardisierte Unterhalts-Maschinen, die für die schmalere Spurbreite je länger, je mehr fehlten. Roths Fazit lautete: «Die Beibehaltung der Spur 75 Zentimeter stellt langfristig ein erhebliches technisches sowie ein Kosten-Risiko dar.»

Eine Umspurung berge mehr Risiken, meinte dagegen die Waldenburger Gemeindepräsidentin und Landrätin Andrea Kaufmann (FDP). Dies, weil die Terminierung des SBB-Umbaus in Liestal sowie die Fabi-Gelder des Bundes nicht gesichert seien. Ohne Spuränderung müsse die WB auch nicht komplett gesperrt werden mit vorhersehbaren Busstaus. Zudem stelle sich die Frage, was mit dem «Kulturgut Dampfbahn» passiere. Kaufmann: «Wir wollen keine Experimente fürs Waldenburgertal, wir haben es schon sonst nicht einfach.»

Rolf Gutzwiller, ehemaliger WB-Verwaltungsrat und bahntechnisch wahrscheinlich versiertester Mann im Saal, stellte nicht in Abrede, dass die Dampfbahn ein Kulturgut sei. Doch gelte es die Relationen zu wahren, da der Dampfzug relativ selten fahre: «Wir brauchen langfristig einen gesicherten, kosteneffizienten Betrieb, mit dem auch die Nachfolgegeneration keine Probleme hat.» Der Druck von internationalen Normen nehme auch im Bahnbereich zu, eine Spezialspur werde zusehends teurer und problematischer.

Robert Appel vom Verein Dampfzug merkte an, dass die Dampffahrten seitens der WB eingeschränkt und damit auch die Eigenrentabilität verschlechtert worden sei. Man habe aber die personellen Ressourcen für mehr Fahrten. Was dem Verein aber offenbar fehlt, ist ein Businessplan. Dafür kehrte Appel den Kosten-Spiess um: Gemäss Fachleuten komme die Umspurung auf 27 und nicht auf 12 Millionen zu stehen. Und der jährliche Mehraufwand bei 75-Zentimeter-Spur auf maximal 50 000 Franken, ergänzte ein anderer Dampffreund aus dem Publikum und bezog sich auf ein Gutachten.

Immerhin waren sich alle im Saal einig, dass der Fahrgast praktisch nicht merkt, auf welcher Spurbreite er fährt. Und dann gabs bei einer Konsultativabstimmung auch noch eine Überraschung: Für die allermeisten von jenen, die nichts an der Spur ändern wollen – und das war die Mehrheit im Saal –, ist nicht der Dampfzug das eigentliche Kulturgut, das es zu bewahren gilt, sondern die exotische Schmalspur, die die WB fast einzigartig macht auf der Welt.