Welchen Wert hat die Universität beider Basel für unsere Region? Diese Frage ist in den laufenden Verhandlungen der Kantonsregierungen zum Uni-Leistungsauftrag 2018 bis 2021 von grosser Bedeutung. Nun liefert eine vom Forschungsinstitut BAK Basel im Auftrag des Uni-Rektorats erstellte Studie Antworten: Demnach beläuft sich die durch die Uni generierte Wertschöpfung auf 943 Millionen Franken pro Jahr, dies bei einem Beitrag der Trägerkantone Basel-Stadt und Baselland von 320 Millionen. Für jeden Franken, den die beiden Kantone in ihre Uni investieren, werden also knapp 3 Franken Wertschöpfung in der Region generiert.

6000 Jobs von Uni abhängig

Uni-Sprecher Matthias Geering hält die von BAK Basel eruierten Zahlen für eher «konservativ», wie er betont. Dies vor allem, weil sich die Leistungen von Lehre und Forschung nur schwer in Franken und Rappen berechnen lassen. BAK Basel schätzt die daraus resultierende Wertschöpfung auf Basis von Studien aus dem Ausland auf rund 200 Millionen Franken pro Jahr.

Ziemlich exakte Zahlen liefert demgegenüber die nachfrageseitige Brutto-Wertschöpfung: Diese besteht aus Löhnen, Aufträgen und Investitionen der Universität einerseits sowie den Konsumausgaben der Studierenden und Uni-Angestellten anderseits. Diese Brutto-Wertschöpfung liegt bei 743 Millionen pro Jahr, dies entspricht 1,4 Prozent der Wirtschaftsleistung der Region. Damit verbunden sind 5850 Arbeitsplätze – die Hälfte davon bei der Uni, die andere Hälfte bei Auftragnehmern, Zulieferbetrieben, Restaurants. Dank dieser Leistungen fliessen den beiden Kantonen zudem Steuereinnahmen von 46 Millionen Franken pro Jahr zu.

Im Baselbiet, wo die Kantonsbeiträge an die Uni seit Monaten kontrovers diskutiert werden, wird die Studie verhalten kommentiert: Die errechnete knappe Milliarde Franken Wertschöpfung unterstreiche, dass die Uni von grosser Bedeutung für die Region sei – somit auch die gemeinsame Trägerschaft beider Basel, sagt FDP-Landrat Sven Inäbnit. «Diese Zahlen entbinden die Kantone aber nicht von der Diskussion darüber, wie die Uni ohne Leistungsabbau Kosten einsparen kann», betont Inäbnit. Er hat gemeinsam mit Parteikollegen im Landrat jüngst ein Paket mit Vorstössen zum Thema eingereicht.

SVP-Präsident Oskar Kämpfer rechnet vor, dass die Bruttowertschöpfung mit 743 Millionen knapp über dem Jahresbudget von rund 715 Millionen Franken liege. Mit anderen Worten: Bei der Uni kommt in etwa raus, was auf der anderen Seite reingesteckt wurde. «Läge die Wertschöpfung unter dem Budget, müsste man heulen», sagt Kämpfer. Anzufügen ist: Eine ähnlich gelagerte Studie an der Hochschule St. Gallen förderte ein ähnliches Verhältnis zwischen Wertschöpfung und Budget zutage.

Zahlen kommen mit Uni-Budget

Grünen-Präsidentin Florence Brenzikofer ist eine dezidierte Befürworterin einer starken Beteiligung des Baselbiets an der Uni. Sie findet es schade, dass die BAK-Basel-Studie keine nach Kantonen aufgeschlüsselten Aussagen zulasse. «Erst so böte eine Wertschöpfungsstudie eine aussagekräftige Grundlage für die Verhandlungen zum Uni-Leistungsauftrag und zur gemeinsamen Trägerschaft.» Sie hat bereits vor Jahresfrist mit einem vom Landrat überwiesenen Postulat von der Baselbieter Regierung Zahlen für den Landkanton gefordert. Ein identischer Vorstoss wurde in Basel-Stadt von der Grünen-Grossrätin (und neuen Regierungspräsidentin) Elisabeth Ackermann eingereicht. Wo stecken die Antworten? Der Inhalt der Vorstösse tangiere die aktuellen Verhandlungen zwischen den Regierungen, sagt die Baselbieter Bildungsdirektorin Monica Gschwind. Deshalb werde die Beantwortung mit Basel-Stadt koordiniert. «Wir erwägen, die Berichterstattung in die Vorlage zum Uni-Leistungsauftrag 2018 bis 2021 aufzunehmen.» Brenzikofer setzt Druck auf: «Ich gehe davon aus, dass gesonderte Wertschöpfungszahlen für die Kantone in den neuen Uni-Leistungsauftrag einfliessen werden.»