Herr Reber, aus Basel kamen am Freitag teils hämische Kommentare. Die Stadt würde mit dem Entlastungsbeitrag Entwicklungshilfe leisten. Zudem sei es kaum verständlich, dass Basel für die verfehlte Finanzpolitik des Landkantons geradestehen müsse. Was sagen Sie dazu?

Isaac Reber: Das ist eine sehr partielle Sicht, die dem präsentierten umfassenden Lösungsvorschlag nicht gerecht wird. Die beiden Regierungen haben das getan, was man von ihnen erwarten darf: Sie haben Verantwortung übernommen und Mut gezeigt. Was wir präsentiert haben, ist eine Lösung, die gleichermassen die finanzielle Situation des Baselbiets berücksichtigt und gleichzeitig den involvierten Institutionen Planungssicherheit gewährt. Zudem gibt die Lösung Zeit, um nachhaltige partnerschaftliche Lösungen für die Uni und die Kultur zu finden, und unter dem Strich findet gar ein Ausbau der Partnerschaft statt.

Könnte man die 80 Millionen Franken, die Basel-Stadt an Baselland von 2016 bis 2019 gesamthaft bezahlen soll, anstatt als Subvention auch als Investition der beiden Basel in die Partnerschaft anschauen?

Davon bin ich überzeugt. Die Vereinbarung beinhaltet ein Geben und Nehmen. Im vergangenen Jahrzehnt hat der Entscheid des Baselbiets, 2007 in die Trägerschaft der Uni einzusteigen, den Ausbau der Universität auf den heutigen Stand erst ermöglicht. Das ist mein Verständnis von Partnerschaft: Wir kommen als Region entschieden weiter, wenn wir uns am jeweils stärkeren Partner orientieren und die Möglichkeiten des Schwächeren berücksichtigen.

Die mit der nun getroffenen Vereinbarung ebenfalls verbundenen Investitionen in den Ausbau der ETH Zürich in Basel und ins neu partnerschaftlich getragene Tropen-Institut mit neuem Sitz in Allschwil tragen denn auch dazu bei, dass wir trotz angespannter Situation die Partnerschaft sogar weiterentwickeln können. Der Ausbau der ETH-Präsenz – Nummer neun unter den Unis weltweit – in Basel bringt letztlich ein Vielfaches der Investitionen der beiden Kantone wieder ein. Auch davon profitiert die ganze Region.

Was tun Sie, wenn in Basel-Stadt nach der Grossratsdebatte vom 11. November ein Referendum gegen den Entlastungsbeitrag zustande kommt? Was geschieht dann? Dann ist die Baselbieter Regierung doch sicherlich unter Zugzwang.

Das ist richtig. Die Situation wäre dann schwierig, weil die Regierung in Unkenntnis des Basler Abstimmungsresultats entscheiden müsste. Ich bin aber zuversichtlich, dass es uns gelingen wird, in beiden Parlamenten solide Mehrheiten zu gewinnen. Wenn die Regierungsvereinbarung zum Tragen kommt, dann wird es uns gelungen sein, in einer sehr schwierigen Konstellation den Gordischen Knoten in der Partnerschaft gelöst und darüber hinaus sogar einen Ausbau derselben bewerkstelligt zu haben. Ich zähle darauf, dass diese Sicht letztlich auch unsere Parlamente überzeugen wird.

Nochmals: Wird die Baselbieter Regierung bei Zustandekommen eines Basler Referendums den Univertrag kündigen?

Ich kann nicht vorwegnehmen, was dann passiert und wie der Lösungsvorschlag in den Parlamenten aufgenommen wird. Wenn die Vereinbarung durch ein Referendum gefährdet würde, dann müssten wir über die Bücher. Mehr kann ich derzeit dazu nicht sagen.