Zumindest eine leichte Brise von historischer Bedeutung wehte am Montagabend um das Regierungsgebäude in Liestal. Nach Menschengedenken war es das erste Mal überhaupt, dass in der Baselbieter Hauptstadt eine Fakultätsversammlung der Uni Basel stattfand. Dazu geladen hatte Professor Thomas Gasser, seit August 2015 Dekan und damit Vorsteher der Medizinischen Fakultät. Seinem Ruf gefolgt sind 66 von rund 200 Mitgliedern des universitären medizinischen Lehrkörpers, die im Landratssaal in erster Linie interne organisatorische Fragen diskutierten, zuvor aber von Bildungsdirektorin Monica Gschwind und Stadtpräsident Lukas Ott dankbar willkommen geheissen wurden.

Zwei Grundgedanken haben den gebürtigen Liestaler dazu bewogen, auch fortan die jeweils letzte Versammlung des Jahres der Medizinischen Fakultät in Liestal durchzuführen: «Zum einen wollen wir dem Trägerkanton Baselland unsere Reverenz erweisen. Uns wird ja oft vorgeworfen, dass wir im Landkanton zu wenig Präsenz markieren und nur ungenügend sichtbar sind», begründete Gasser den Ausflug in für viele seiner Artgenossen fremde Gefilde. Genau an diese richtete sich seine zweite Absicht: zu beweisen, «dass man keinen Survival-Kit benötigt, um nach Liestal zu kommen».

Wichtige finanzielle Diskussion

Die Universität braucht ihre beiden Trägerkantone und die beiden Basel brauchen ihre Universität. Um diese Botschaft im allgemeinen Sitzungsteil zu unterstreichen, zitierte Gasser die Haupterkenntnis aus der kürzlich erschienenen BAK-Basel-Studie: Jeder in die Uni investierte Franken generiert für die Region den dreifachen Wert an volkswirtschaftlicher Wertschöpfung. Die öffentliche Diskussion um die künftige Aufteilung der Finanzierung findet der Chefarzt der Urologischen Universitätsklinik wichtig und nötig. «Persönlich» könnte er sich ein flexibles Modell vorstellen, das der unterschiedlichen Finanzkraft der beiden Basel Rechnung trägt, aber dafür zeitlich begrenzt ist. «Wir dürfen die finanziellen Probleme von Baselland nicht negieren.» Anderseits soll die Diskussion um die Finanzen nicht den Kernbereich des universitären Wesens in den Hintergrund rücken: «Die Bildung von jungen Leuten und die wissenschaftlichen Tätigkeiten sind die Hauptressourcen unseres Landes.» Deren ausreichende Finanzierung sei «gut investiertes Geld».

Bildungsdirektorin Monica Gschwind betonte ihrerseits, dass Baselland bei der Uni nicht nur spare, sondern gerade in der Medizin der Finanzierung von zusätzlichen Ausbildungsplätzen zugestimmt habe. Allerdings sei die Drop-out-Problematik, also der Berufsausstieg von teuer ausgebildeten jungen Ärzten, die immer weniger dazu bereit seien, Berufs- und Privatleben zu vermischen, aus Sicht des Trägerkantons ein dringendes volkswirtschaftliches Problem. Hier wünsche sie sich einen engen Dialog mit der Medizinischen Fakultät zum Entwickeln von geeigneten Gegenmassnahmen.

Stadtpräsident Lukas Ott nutzte ebenfalls die Chance, seine ureigene Botschaft zu platzieren: Liestal, die «zweite Hauptstadt» der Universität Basel, sei offen und bereit für eine noch stärkere Uni-Präsenz; wobei die Medizinier mit ihren vier Ordinarien am Kantonsspital Liestal ohnehin mit gutem Beispiel vorangingen. Es sei ein Zeichen der engen Verbundenheit zwischen Stadt und Spital, dass Hans Scholer, der erste Chefarzt in Liestal, gleich neben Nobelpreisträger Carl Spitteler und Dichter Georg Herwegh begraben liegt.

So allgemein die meisten Aussagen am Montagabend auch blieben, so hat das Heimspiel im fremden Liestal den Zweck der gegenseitigen Annäherung und Respektbezeugungen zweifellos erreicht. Unnötig blieb Thomas Gassers Warnung an die Teilnehmer, ja nicht mit dem weissen Alarmknopf auf den Landratsplätzen zu spielen – «nicht einmal, wenn Monica Gschwind spricht».