Das Foto mit dem Trauerkranz, den die Künstlerin Irène Maag durch die Strassen gezogen hat, bleibt haften. Natürlich ist der Kunstkredit des Kantons Baselland nicht tot, die traurige Nachricht aber ist, dass die Ankäufe durch den Kanton im Moment wegen der aktuellen Sparbemühungen sistiert sind. Da stellt sich mir gleich die Frage nach der staatlichen Kunst- und Kulturförderung. Sie kann immer nur subsidiär sein, und keine Künstlerin, kein Künstler hat automatisch Anrecht auf Unterstützung. Kunst muss sich anderweitig durchsetzen. Aber wir wissen auch um den Einfluss von Galeristen, Sammlern und Kunsthändlern.

Grosser Goodwill im Volk

Anders präsentiert sich die Lage im erweiterten Kulturbereich. Auch hier machen uns allen die prekären Finanzen des Kantons zu schaffen. Dazu kommt die ewige Herausforderung des Baselbiets, das Spannungsfeld zwischen Distanz und Nähe zu Basel. Wenn auch die meisten Leute an kulturellen Ereignissen beteiligt sind, freiwillig aktiv oder passiv, so kommen Kunst und Kultur doch nicht ohne staatliche Unterstützung aus.

Dabei stelle ich fest, dass der Goodwill in der Bevölkerung für das einheimische Kunst- und Kulturschaffen überraschend gross ist. Das gilt selbst für die Behörden, die auch an Kunst und Kultur interessiert sind, aber ständig unter der Fuchtel der zur Verfügung stehenden Finanzen stehen. Ein liberaler Citoyen wie ich weiss aber: Ohne Kreativität, Eigeninitiativen und Aktivitäten Einzelner entsteht keine Kultur.

Aktuelle Bestandesaufnahme: Gute, repräsentative Kunst zeigt eine Ausstellung im Kulturhaus Palazzo in Liestal. Zu sehen ist eine kleine Auswahl aus den Beständen des Kantons. Anfang Februar wurde der Verband Kultur Baselland gegründet, und vor einigen Wochen hat die neue Beauftragte für Kulturelles beim Kanton, Esther Roth, ihre Arbeit aufgenommen. Zudem blüht das kulturelle Leben im Baselbiet in allen Facetten. Davon zeugen die bildende Kunst, die Literatur mit der Slam Poetry, viele neue Chöre, Orchester mit klassischem Repertoire, experimentelle oder volkstümliche Musik, die regionalen Musikschulen, Tanzstudios, das wieder belebte Brauchtum, unzählige lokale und regionale Kunstausstellungen, ehrgeizige Theaterbühnen, Rockkonzerte, Open Airs. Die kulturelle Vielfalt im Baselbiet war nie grösser als heute.

Kunstkredit verleiht Kontinuität

Die Aufgabe des Kunstkredits wiederum ist, eine seit 1930 bestehende Kontinuität aufrechtzuerhalten und das einheimische Kunstschaffen zu fördern. Diese schöpferische Tätigkeit gibt Aufschluss über den Zustand einer Gemeinschaft. Es betrifft eine Kunst, die eine weite Palette von Werken umfasst, von Experimentierfreude zeugt und auch die Video- und Performancekunst mit einschliesst. Gewiss genügen nicht alle Werke der Qualität, die wir an die zeitgenössische Kunst, auch die des Baselbiets, stellen müssen. Aber immer sind es Reflexe aus unseren Lebensbereichen. Damit werden die Ankäufe des Kunstkredits zum visuellen Gedächtnis des Kantons.

Auch im Baselbiet gibts Hochkultur

Kunst ist neben Kreativität und Gestaltungswille immer Risiko, Wagnis und Mut. Vieles bleibt auf der Stufe des Kunsthandwerklichen stecken, und selbst Experten streiten über die Frage: Qualität oder Kitsch? Doch was ist die Aufgabe der Kunst? Sie darf erfreuen und gefallen, muss aber auch zum Nachdenken anregen, uns zum Staunen bringen und die selbstkritische Erkenntnis fördern. Sie äussert Missbehagen und legt den Finger auf wunde Punkte. Oft ist es die Sehnsucht des Kunst- und Kulturschaffenden, aus bestehenden Konventionen auszubrechen. Künstler sind hart arbeitende Individuen, manchmal auch Traumtänzer, Suchende oder Verzweifelte. Kunst spiegelt das wunderbare, aber auch verletzliche und verstörende Leben.

Selbst in Baselland gibt es eine bescheidene Hochkultur. Neben dem bereits erwähnten Palazzo sind es Augusta Raurica, das Kunsthaus Baselland bei St. Jakob oder das Roxy in Birsfelden. Was man gern vergisst: Auch in Basel gibt es eine Volkskultur: einen Schwingerverband. Jodelchöre, Trachtengruppen, Volksmusikkapellen oder Alphornbläser. Was Baselland fehlt, ist Basels Mäzenatentum. Viel privater Reichtum fliesst in die Kultur zurück. Im Landkanton brauchen die Gemeinden nur schon freiwillige Helfer für die Heimatmuseen. Und aus eigener Erfahrung weiss ich, wie schwierig es ist, ein Buch über den grössten Mosaikkünstler der Schweiz, den Baselbieter Walter Eglin, zu machen. Im Palazzo bestehen auch seine Holzschnitte mit expressionistischer Härte bestens neben Meret Oppenheim und Miriam Cahn.

Investition in die Gesellschaft

Wenn ich also lautstark für das einheimische Kunst- und Kulturschaffen plädiere, so weiss ich, wie beschränkt die staatliche Unterstützung ist. Kein Grund zum Jammern, sondern einfach die Sensibilisierung schärfen für die Werke unserer Künstlerinnen und Künstler und der Kulturschaffenden. Nur gemeinsam erreichen wir mehr Akzeptanz und das Ziel, das reichhaltige und vielseitige Kunst- und Kulturschaffen nicht nur zu bewahren, sondern noch auszubauen. Kultur ist eine Investition in die Gesellschaft.