Die alte Thomi-Villa, inmitten eines verschatteten idyllischen Gartens an der Wartenbergstrasse 75 in Pratteln, strahlt Ruhe und Geborgenheit aus. Ums und im Haus herrscht eine angenehme Atmosphäre. Zwei Bewohnerinnen weisen freundlich den Weg zum Sekretariat. Aus der Küche weht der Duft von Bratkartoffeln. In der Villa gibt es drei Wohngruppen mit insgesamt 20 Plätzen. Weitere 22 Personen werden andernorts begleitet. 78 Mitarbeitende teilen sich 44 Vollstellen sowie 2 Plätze für die sozialpädagogische Ausbildung, 4 für die Grundausbildung zur Fachfrau oder zum Fachmann Betreuung und 3 für Praktika.

Seit 20 Jahren Heimleiter

Bei seiner Gründung hiess das Kästeli «Werkstube Muttenz» und lag an der Stockerstrasse. 1979 wurde die Villa Kästeli an der Wartenbergstrasse gekauft, in die ein Jahr später neun Erwachsene mit einer Behinderung einzogen. Seither wurde oft an- und umgebaut, Strukturen und Finanzierungspläne änderten sich, und 2010 starb die Gründerin Dora Weidner. Seit 20 Jahren wird das Kästeli von Walter Lötscher geleitet. Der diplomierte Heimleiter, der schon zuvor intensive Einblicke in den Behindertenbereich und auch Führungserfahrung hatte, stellte sich der neuen Herausforderung mit Elan und der Offenheit für die Bedürfnisse der ihm anvertrauten Menschen.

Als Leitspruch hat Lötscher einen Satz von Hans-Peter Platz gewählt: «Heimat ist dort, wo man selbst wirken und etwas bewirken kann, wo man Sicherheit durch Mitarbeit und Mitentscheidung gewinnen kann: wo Einspruch Folgen hat, Veränderungen möglich sind und Einflussnahme garantiert ist.» Walter Lötschers Weg ging nie von einer festgelegten Vision aus, sondern orientierte sich an den Bedürfnissen, welche die Menschen im Kästeli äusserten. Wo früher die Fürsorge im Vordergrund stand, wird heute Selbstbestimmung, Selbstbefähigung, Normalisierung und kompetente Teilhabe am Leben der Gesellschaft angestrebt.

Weg von der Gleichschaltung

«Wir arbeiten personenorientiert», sagt der Heimleiter, «wir trauen den Bewohnerinnen und Bewohnern etwas zu, erkennen und respektieren aber auch die Grenzen. Vor 20 Jahren war hier alles noch recht monochrom und gleichgeschaltet.» Als jemand einen eigenen Fernseher auf dem Zimmer wünschte, gab dies anfangs zu reden. Heute sind solche individualisierten Lösungen Alltag. Auch die Wochengestaltungen mit verschiedenen Aktivitäten im Kreativpavillon, im Garten sowie in Lingerie und Küche oder die Aktivierung für ältere Bewohner sind weitgehend individualisiert.

Sport auf Augenhöhe

Walter Lötscher ist auch Präsident der Organisation der Arbeitswelt (OdA) von Soziales beider Basel und schweizweit gut vernetzt. Als Heimleiter legt er Wert darauf, stets am Puls der Zeit zu sein. So wird in der Aus- und Weiterbildung Wert auf Palliativpflege, unterstützte Kommunikation, Umgang mit Sexualität, Begleitung im Alter und die persönliche Zukunftsplanung gelegt.

Das Kästeli, das Teil der Stiftung Adulta ist, ist auch Mitglied von Insos, dem nationalen Branchenverband der Institutionen für Menschen mit Behinderung. «Investitionen in die Aus- und Weiterbildung unserer Mitarbeitenden sind uns sehr wichtig», sagt der Heimleiter. Für ihn waren die National Special Olympics in Bern 2014 ein besonderes Erlebnis, wo die Pétanque-Mannschaften des Kästeli zwei Goldmedaillen holten. «Es ist eine schöne Erfahrung, mit unseren Bewohnern auf Augenhöhe zu spielen. Das ist gelebte Inklusion», sagt Walter Lötscher. Er betont, wie wichtig ihm die Unterstützung seiner Partnerin und seiner Familie in den letzten 20 Jahren war.