Damit ist die Ausbreitung der Vogelgrippe entlang des Rheins bis in die Region Basel Tatsache: Die Baselbieter Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion bestätigt, dass vergangenen Freitag beim Kraftwerk Birsfelden ein toter Stockentenerpel gefunden worden ist. Er war mit dem Vogelgrippe-Virus H5N8 infiziert. Seit Anfang November wurde das Virus bei Wildvögeln in verschiedenen Schweizer Seen festgestellt. Bereits Mitte November hat das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) Massnahmen für Geflügelhalter herausgegeben, um die Ansteckung von Hausgeflügel durch Wildvögel zu verhindern.

Basel-Stadt hat die Gefahr erkannt. Das Kantonale Veterinäramt hat vor rund zwei Wochen eine Verordnung erlassen, die sich auf jene des Bundes stützt. «Solange das Virus unter Wildtieren verbreitet ist, kann man wenig dagegen unternehmen. Vordringlich ist, dass es nicht auf Geflügelhaltungen übergreift», sagt der Basler Kantonstierarzt Michel Laszlo. Die Verordnung gilt bis 31. Januar 2017. «Dann ist der Vogelzug vorbei», sagt Laszlo. Die Epidemie hänge zusammen mit der Migration der Vögel im Winter. Laszlo gibt aber auch Entwarnung: «Im Vergleich zu 2006 wurden bislang keine Übertragungen der Krankheit auf den Menschen festgestellt.»

Der Zolli hat dennoch Massnahmen getroffen. Solche, die noch weiter greifen, als es der Kanton vorschreiben würde. «Wir sind gewarnt», sagt Tierarzt Stefan Hobi. Das Geflügel sei eingestallt, «die Wasservögel etwa sind in den Häusern». Erst gestern musste ein Zoo in Hamburg wegen Vogelgrippe vorübergehend schliessen. Bei frei lebenden Tieren, die sich dann und wann im Zolli aufhalten, seien ihnen aber die Hände gebunden, so Hobi. Zudem verzichte man – anders als 2006, als sich die letzte Epidemie ausbreitete – auf Impfungen.

Impfungen nicht erlaubt

Thomas Bürge, Baselbieter Kantonstierarzt, erklärt, dass Impfungen bei hochansteckenden Tierkrankheiten nicht erlaubt seien. «Sind Tiere gegen eine Krankheit geimpft, ist eine Unterscheidung zu einer natürlich durchgemachten Infektion kaum möglich. Dadurch wird die Krankheit möglicherweise nicht erkannt.» Schnelle Diagnosen seien für das Verhindern einer Ausbreitung jedoch essenziell. Aus diesem Grund sei es wichtig, dass der Kanton die Übersicht über sämtliche Geflügelbestände habe. Auch Geflügelhalter mit kleinem Tierbestand werden daher angehalten, sich beim kantonalen Veterinäramt zu registrieren. «Sonst können auch kleine Betriebe zum Risikoherd für die Ausbreitung der Krankheit werden», ergänzt Bürge.

Ein Spatz genügt

Jörg Rieder, Betreiber einer Geflügelfarm in Rothenfluh, teilt diese Ansicht. «Der Kontakt mit Wildvögeln muss unbedingt verhindert werden. Es reicht, wenn ein Spatz in den Stall gelangt, und schon kann es zu einer Ansteckung kommen.» Rieders Ställe sind für eine tierfreundliche Haltung eingerichtet. «Wir haben in der Schweiz das Glück, dass die meisten Ställe über einen Aussenklimabereich, also eine Art Wintergarten, verfügen. Die Hühner sind es gewohnt, dass sie bei schlechtem Wetter und im Winter bei Schnee dort drinbleiben. Da haben sie auch genug Platz, Sitzstangen, Sandbad und ausreichend Stroh.» So vermissen die Tiere den Weidegang nicht. Die Massnahmen seien absolut verhältnismässig. Bei einer Ansteckung müssten möglicherweise mehrere Betriebe unter Quarantäne gestellt werden. «Dann wird der Betrieb gesperrt und der betroffene Hof muss sein Geflügel komplett eliminieren. Das führt zu hohen Verlusten.»

Auf dem Birsmatterhof in Therwil verfügt der Hühnerstall über eine geschlossene Voliere, wodurch die Tiere trotz Schutzmassnahmen Auslauf haben. Alexander Tanner von der Betriebsleitung kommentiert: «Die Weisungen vom Veterinäramt sind ruhig und sachlich. Die Massnahmen müssen eingehalten werden, bis die Zugvögel wieder abziehen. Wichtig ist, die Tiere drinnen zu füttern, damit keine Wildvögel angelockt werden.»

Die Bevölkerung wird angewiesen, tote Wildvögel zu melden, ohne diese anzufassen, damit die Ausbreitung der Vogelgrippe kontrolliert werden kann.