Der Künstler und ehemalige Modellbauer Marius Rappo aus Basel hat sich Jahrzehnte lang der minutiösen Kleinstarbeit gewidmet. Die Sonderausstellung «Die Welt im Kleinen» im Museum.BL verschafft uns einen Einblick in den Schaffensprozess des Künstlers.

Auf die Frage nach der künstlerischen Relevanz seiner Modelle antwortet Rappo: «Für mich hatte der Modellbau nie etwas mit Kunst zu tun. Als Künstler schaffe ich ganz andere Dinge.» Mit dem Modellbau habe er angefangen, um Geld zu verdienen. Anders als seine Kunst, seien Modelle immer Aufträge gewesen, deren Abnehmer jeweils schon im vornherein festgestanden habe. Absatz garantiert. «Bei meiner Kunst besteht diese Sicherheit nicht», sagt Rappo.

Das Hobby wird zum Beruf

Zum Modellbau kommt der Künstler durch den Archäologen Rudolf Moosbrugger, der für das Historische Museum Basel eine Ausstellung initiiert. Da dieser niemanden findet, der ihm die für die Ausstellung benötigten Modelle baut, wendet er sich an Rappo. Der baut zu diesem Zeitpunkt gerade ein Puppenhaus für seine Kinder. Über das Angebot des Archäologen denkt Rappo nicht lange nach. «Wenn ich mit einer Arbeit, die mir Freude bereitet, sogar noch Geld verdienen kann, mache ich das natürlich», denkt er sich. So kommt die Sache ins Rollen.

Kaum ist die erste Ausstellung mit Rappos Modell eröffnet, melden sich weitere Auftraggeber bei ihm. In seiner zwanzigjährigen Schaffens-periode baut der heute 75-Jährige beispielsweise Modelle der Mittleren Brücke in Basel oder des Schlosses Prangins im Kanton Waadt. Doch ein solches Modell baut man nicht einfach aus dem Stegreif. Jede Materialfrage muss geklärt und der passende Massstab festgelegt werden.

Rappos Ausbildung zum Vermessungszeichner kommt ihm beim Bau der Konstruktionen zugute. «Ich habe mich hineingearbeitet», sagt Rappo. Auch seine Modellserie «Das Gold der Helvetier» ist Teil der Sonderausstellung. Den Anstoss für das Projekt gab der archäologische Fund eines Torkes (keltischer Halsschmuck) aus Gold. Es handelt sich dabei um eine Opfergabe an die Götter. Um diese historische Momentaufnahme für Museumsbesucher bildlich darzustellen und greifbar zu machen, fertigte Rappo eine Modellserie an.

Seine Werke entstehen immer im wissenschaftlichen Dialog mit dem Auftraggeber. Denn: Die im Modell dargestellten Dinge müssen historisch korrekt sein. Rappo arbeitet jeweils mit einer verantwortlichen Person zusammen, die für die Richtigkeit des Produktes zuständig ist. Diese orientiert ihn, dokumentiert Rappos Prozess und nimmt die Modellskizze ab. «Erst dann gehe ich an die Realisation. Die Arbeit an einem Modell nimmt tausende Stunden in Anspruch», sagt Rappo.

«Das Modell Prangins war mein längstes Projekt. Daran habe ich etwa zwei Jahre lang gearbeitet. Da kann ich mir keine Fehler erlauben.» Mit dem Bau eines neuen Modells leistet Marius Rappo seinerseits einen Beitrag zur Wissenschaft. Um die Szenen oder Gebäude korrekt darzustellen, braucht er spezifische Informationen. «Ich stelle die Fragen, die zuvor noch niemand gestellt hat. Wenn diese nicht beantwortet werden können, mache ich aus handwerklicher Sicht Vorschläge», sagt Rappo. Durch das Schaffen entsteht so neues Wissen.

Modelle mit didaktischem Wert

Das erhofft sich auch Projektleiter Pit Schmid von der Ausstellung. «Neben dem Schauen und Lesen geht es bei uns vor allem auch ums Machen und Entdecken.» Einerseits können Besucher den Ablauf von Rappos Schaffensprozess anhand konkreter Beispiele beobachten. In verschiedenen Boxen sind dazu die verwendeten Materialien und einzelnen Entstehungsschritte dargestellt.

Andererseits hat der Besucher die Möglichkeit, selbst zum Modellbauer zu werden. «Zu diesem Zweck haben wir eine Werkstatt eingerichtet. Marius Rappo stellt uns ein angefangenes Modell zur Verfügung, an dem man im Workshop nach Lust und Laune weiterbauen kann», sagt Schmid. Werkzeug und Materialien stammen aus dem Atelier Rappo. «Dass man sich am Entstehungsprozess eines Modells beteiligen kann, war mir ein Anliegen», so Schmid. Man erfinde so eine Geschichte, anstatt sich nur eine anzuschauen.

«Letztlich tut ein Kind, das hier am Modell arbeitet, etwas ähnliches wie ein Wissenschaftler. Es versucht, abzugleichen und einzuschätzen, wie gross ein Element sein muss, damit es ins Modell passt.» Dabei passiere viel, auch in mathematischer Hinsicht.

Vernissage Sonderausstellung «Die Welt im Kleinen» im Museum.BL Liestal, Freitag, 1. März, 18 Uhr.