Seit dem 4. Januar bin ich Praktikantin bei der bz. Darum pendle ich fünfmal pro Woche von Zürich nach Liestal. Am Dienstag geriet ich in den Bahn-Totalausfall zwischen Sissach und Liestal und fühlte mich etwas «lost im Baselbiet». Manchmal ist das Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln praktisch. Umweltschonend sowieso. Doch ab und an ist es schlicht ärgerlich.

Einfahrt in Olten, kurz vor halb Neun. Eine Lautsprecherdurchsage erklingt, die an den Kopfhörern vorbei ins Ohr dringt: Verkehrsschwierigkeiten um Sissach. Der IC Richtung Basel wird verspätet eintreffen.

Er fährt aber pünktlich um 8.32 Uhr ein. Allerdings, noch bevor der Zug hält, ändert der Schrifttafel-Text auf dem Gleis: «Bitte nicht einsteigen.» Heute wird es wohl später, bis man im Büro eintrifft. Auf dem Gleis bricht leichte Hektik aus. Zugbegleiter eilen herum, bringen sich auf den neusten Stand.

Eine davon führt eine Traube Reisende, die wohl nach Basel wollen, zur grossen Anzeigetafel. Diese, wie auch die SBB-App, informieren, dass um 8.48 Uhr die S 3 Richtung Porrentruy fährt. Abfahrt mit minimaler Verspätung. Der Tag verspricht, doch noch gut zu werden. Nach einer Weile gemütlichen Schaukelns: Stopp in Sissach. Die Durchsage besteht lediglich aus einem knacksenden Geräusch. Ein Passagier lacht und sagt: «Alles klar.» Pendler aus Basel werden später berichten, dass auch in der S 3 der Gegenrichtung die Durchsage unverständlich war.

SBB-Mediensprecher Oli Dischoe wird mittags als Grund für den Totalausfall einen «Personenunfall» nennen: «Wir bitten um Verständnis, dass wir die präzisen Massnahmen bei Störungen nicht immer umgehend bekannt geben können. So sind wir etwa beim Einsatz von Ersatzbussen von anderen ÖV-Unternehmen abhängig.» Von den Problemen bei den Durchsagen wisse er nichts.

Zurück nach Sissach: Die Passagiere reimen sich zusammen, dass sie aussteigen sollen. Ortsunkundige folgen dem Pendlerstrom. Am Busbahnhof staunt man: Der ganze Platz ist voll von Pendlern. Überall Versuche, sich höflich durchzukämpfen. Keine Durchsage ist hör-, kein Zugbegleiter sichtbar. Was nun?

Da fährt ein gelber Ersatzbus vor. Eine knappe Stunde nach dem Totalausfall klappt der Shuttlebus-Service also. Doch rasch wird klar: So viele Menschen passen nie in einen Bus. Von hinten schiebt es, von vorne ruft es: «Drängelt nicht so!» Zum Glück folgen mehrere Busse aufeinander. Geschafft, drinnen! So müssen sich Legehennen in Bodenhaltung fühlen. Eine Passagierin sagt: «So viele Leute hat dieser Bahnhof wohl noch nie gesehen.»

Nicht jeder ist ortskundig

Einige Ortsunkundige, die nach Basel müssen, fragen bei den Bus-Passagieren nach. Dies ist nicht nur verständlich, sondern auch nötig. Weder zeigen die Monitore Haltestellen und Zielort an, noch erachtet es der Chauffeur für nötig, diese via Mikrofon durchzugeben. Mea culpa, aber nicht alle wissen, wie Itingen aussieht. Die Basel-Reisenden erfahren in Liestal nur durch Nachfragen beim Fahrer, dass sie den Bus verlassen und in den Zug umsteigen müssen. Auch wenn viel organisatorisch rasch und gut geklappt hat: Dies ist nicht sehr kundenfreundlich.

Als ich mich gegen halb 10 aus dem Bus zwänge, bleibt hauptsächlich ein Gefühl zurück: Erleichterung. Dabei vergesse ich, dass vermutlich ein Todesfall den Totalausfall verursacht hat.