Eine Städterin als Königin des Waldes? Das könnte bald Realität sein. Dann nämlich, wenn die Stadtbaslerin Lucia Moreno zur ersten Schweizer Jägerin des Jahres gekürt wird. Gesucht wird allerdings keine Schönheit in olivgrüner Reizwäsche und geschulterter Flinte, sondern eine Sympathieträgerin für die Jagd in der Schweiz. Lanciert wurde die Wahl durch die Zeitschrift «Schweizer Jäger» anlässlich ihres 100-jährigen Bestehens.

Sie will verletzte Tiere erlösen

Eine der Nominierten ist besagte Lucia Moreno, 50-jährig und seit 2006 Jägerin mit Herz und Verstand. Sie legte die Jagdprüfung nicht ab, um im Wald ballern zu dürfen oder weil sie gern Rehpfeffer isst, sondern um verletzte Tiere erlösen zu können. «Es gibt nichts Schlimmeres, als ein Tier von der Strasse räumen zu müssen, das innerlich verblutet», sagt Moreno. Sie betont denn auch den Hegegedanken, der hinter der Jagd stehe. Überhaupt liegt ihr die weidmännische Aufgabe, sich für das Wild und den Lebensraum einzusetzen, sehr am Herzen. «Es ist unser Auftrag, und den erfülle ich mit Herz, Hand und Kopf», sagt sie.

Es ist ihr ein Anliegen, die Jagd als zwar nicht immer schönes, aber unumgängliches Handwerk mit zahllosen Facetten und Werten zu erklären, eine altüberlieferte Fertigkeit, die sich im steten Wandel befindet. Moreno arbeitet nicht gegen Biker, Hundesportler, Wanderer, Vogelkundler und Naturschützer. Sie legt Wert auf eine erspriessliche Zusammenarbeit. «Dadurch erreichen wir viel mehr», ist sie überzeugt.

«Nicht das allein Seligmachende»

Auch die Vermittlung von Wissen rund um die Jagd und den Lebensraum des Wildes hat sie sich zur Aufgabe gemacht. Mit Schlagworten wie «Warum Fifi nicht mit dem Rehli spielen soll» und «Die Rehmama kann mit dem Bambi nicht zum Tierarzt» bemüht sie sich, der Bevölkerung die Notwendigkeit des unpopulären Jägers zu vermitteln. Stets mit dem Bewusstsein, dass die «Sichtweise der Jagd nicht das allein Seligmachende» ist.

Wird Lucia Moreno gewählt, will sie den Stand und die Standpunkte der Jäger einer noch breiteten Öffentlichkeit kundtun. «Wir Jäger haben unser Handwerk lange Zeit im Stillen betrieben. Doch es ist nötig, dass wir zeigen und erklären, was wir tun», sagt sie. Gelegenheit dazu hätte sie, denn der Titel der Jägerin des Jahres umfasst auch repräsentative Auftritte.

Trotzdem ist sie eigentlich lieber im Wald. Sie liebt die Momente der Besinnung zur Dämmerung, wenn der Tag und mit ihm das Leben im Wald erwacht. Die Jagd hat für die Baslerin eine ergreifende Seite, insbesondere auch, wie sie im Herbst stattfindet. Man rieche die Jahreszeit und höre sie. Pappeln raschelten anders als Saalweiden. «Es ist ein Geschenk, die Wildtiere in ihrem natürlichen Umfeld zu erleben, denn es gibt immer weniger ungestörten Lebensraum.»

Betreut das Revier Reinach

Als Bündnerin, die im Thurgau aufgewachsen ist und ihren Vater als Kind auf die Hochjagd begleitete, zudem das Jagdrevier Reinach als Pächterin betreut und auch im Elsass regelmässig bewehrt durch die Wälder streift, ist Moreno womöglich die perfekte Repräsentantin der Jägerschaft. Dass sie mitten in Basel lebt und arbeitet, scheint nur ein kleiner Makel. Oder es ist gerade das Quäntchen Urbanität, das den Jägern für mehr Akzeptanz fehlt. Über Siegchancen will sie nicht spekulieren. «Darüber soll entscheiden, wer meine Ansichten teilt», sagt sie. Gekürt wird die 1. Schweizer Jägerin des Jahres übrigens an der Jagd- und Fischereimesse, die vom 6. bis 8. Februar 2015 in Chur stattfindet.

Das Online-Voting läuft noch bis zum 10. Dezember auf www.schweizerjaeger.ch.