Die Übersicht rechts ist nicht vollständig. Es gibt Frauen in der Baselbieter Kantonsverwaltung, die zwar zum obersten Kader gehören, aber nicht mit ihrem Bild in der Zeitung aufgeführt werden wollen. Vielleicht ist dies bezeichnend für eines der Grundprobleme, das gut qualifizierte Frauen vom Aufstieg abhält: zu viel Zurückhaltung, zu wenig Selbstbewusstsein.

Die Leitende Staatsanwältin Jacqueline Bannwarth ist überzeugt: «Es braucht keine systematische Frauenförderung in Baselland, alle gesetzlichen Grundlagen sind vorhanden. Man müsste aber die gut qualifizierten Frauen mehr dazu ermutigen, sich für Kaderstellen zu bewerben.»

Gut, das ist die Sichtweise einer Frau, die «es geschafft hat». Eine andere Staatsangestellte, der bei Beförderungen regelmässig Männer vor die Nase gesetzt werden, würde das vielleicht anders sehen und nach einer Quote rufen. Die Sissacher Grünen-Nationalrätin Maya Graf, Co-Präsidentin des Berufsfrauen-Netzwerks Alliance F, stellt mit Genugtuung fest, dass die 2014 in Basel-Stadt vom Volk beschlossene Frauenquote für Verwaltungsräte von öffentlich-rechtlichen Unternehmungen heute mit durchschnittlich 40 Prozent erreicht, teilweise sogar übererfüllt wird.

Jana Wachtl winkt ab: «In der Baselbieter Verwaltung arbeiten wir mit den Direktionen, die sich selber Ziele setzen», sagt die Leiterin der Fachstelle Gleichstellung. Unter den diversen Frauenförderungsprogrammen und -projekten der vergangenen Jahre hebt sie die «Zukunftsstrategie Gleichstellung auf Direktionsebene» hervor, im Zuge derer sich die Direktionen beispielsweise dazu verpflichten, bei jeder Kaderneubesetzung Bewerbungsdossiers beider Geschlechter in die engere Auswahl zu nehmen.

Einen «Entwicklungsprozess innerhalb der Verwaltung» habe auch eine Feststellung aus dem vergangenen Jahr ausgelöst: Offenbar wurde 2017 die interne Richtlinie, dass in jeder regierungsrätlichen Kommission mindestens ein 30-prozentiger Anteil des anderen Geschlechts sitzen muss, nur gerade zu 42 Prozent erfüllt. Dies und das allgemeine Missverhältnis bei den höchsten Lohnklassen (siehe Box) führen Jana Wachtl zur Gesamtbeurteilung, dass es bei der Frauenförderung in der Kantonsverwaltung noch «viel Potenzial nach oben» gäbe. Der Schlüssel zu einem ausgewogeneren Geschlechterverhältnis sind für sie flexiblere Arbeitsmodelle, mobiles Arbeiten und Vorbilder auf allen Stufen. Die vielen «guten Instrumente», die Baselland dazu bereit hält, müssten gerade in den Chefetagen noch viel stärker genutzt und von gezielten Massnahmen begleitet werden, fordert Wachtl.

Vorzeigemodell Top-Sharing

In dieser Hinsicht hat Jacqueline Bannwarth Pionierarbeit geleistet. Seit 2014 führt sie gemeinsam mit ihrer Kollegin Sylvia Gloor Hohner die Allgemeine Hauptabteilung II der Baselbieter Staatsanwaltschaft mit einem 50-Prozent-Pensum im sogenannten «Top-Sharing». «Wir wollten ausprobieren, ob sich die Ermutigung der Regierung nach Arbeitsmodellen mit besserer Vereinbarung von Beruf und Familie in der Praxis umsetzen lassen», erinnert sich Bannwarth. Beide arbeiteten zunächst vollzeitlich. Als Bannwarths Tochter geboren wurde, suchte sie nach einer Möglichkeit, ihre Karriere mit reduziertem Pensum fortzusetzen. Nach vier Jahren könne sie feststellen, dass dieses Vorhaben funktioniert hat. Vom Top-Sharing-Modell ist Bannwarth überzeugt, «dass dies das Zukunftsmodell ist».

Neben dem Baselbieter Kantonsgericht ist die Staatsanwaltschaft die einzige Verwaltungseinheit, bei der in der Geschäftsleitung Frauen gleich stark wie Männer vertreten sind. Zweifellos ist mit ein Grund dafür, dass die Staatsanwaltschaft seit Jahren von einer Frau geführt wird. «Vielleicht fördere ich Frauen deshalb besser, weil ich gegenüber frauenfreundlichen Arbeitsmodellen sehr aufgeschlossen bin», sagt die Erste Staatsanwältin Angela Weirich, um gleich einzuschränken: «Das könnte aber auch ein Mann. Es braucht in den Chefetagen einfach Leute, die der Frauenfrage unverkrampft gegenüberstehen und sich nicht von Stereotypen beeinflussen lassen.» Doch würden «bestimmt auch im Baselbiet» die bekannten Stereotypen oft eine Rolle spielen. Weirich beruft sich dabei auf neuere Studien, die besagen, dass bei objektiv gleicher Leistung Männer noch immer als kompetenter bewertet werden als Frauen.

War bei ihrer Anstellung 1992 Weirich eine der ganz wenigen Frauen, sucht die Baselbieter Staatsanwaltschaft bei Neuanstellungen inzwischen händeringend nach Männern. Den Zuschlag würde zwar stets die besser qualifizierte Person unabhängig vom Geschlecht erhalten, aber: «Tatsache ist, dass wir immer sehr viele gute Bewerberinnen haben», hält Jacqueline Bannwarth fest.

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Dringend mehr Frauen gesucht

Die Übersicht auf dieser Doppelseite ist in Zusammenarbeit mit der Baselbieter Landeskanzlei entstanden. In den Direktionen ist unterschiedlich geregelt, welche Positionen zum Top-Kader gezählt werden, und welche «nur» zum mittleren. Deshalb kann diese Zusammenstellung unterhalb der Ebene von (stellvertretenden) Dienststellenleiterinnen zu Verzerrungen führen. Dennoch überrascht es kaum, dass der Frauenanteil im höchsten Kader in Sabine Pegoraros Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) sowie in Thomas Webers Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion (VGD) am niedrigsten ist.

Beide Direktionen betonen, dass sie sich dieses Umstandes bewusst seien. Ebenso weisen beide Direktionen auf jene Kaderfrauen hin, die zwar hier aus der engeren Auswahl gefallen sind, aber dennoch öffentlichkeitswirksame Schlüsselpositionen innehalten: so etwa die Kantonale Denkmalpflegerin Brigitte Frei-Heitz und die Leiterin öffentlicher Verkehr Eva Juhasz in der BUD oder Kantonsärztin Monika Hänggi und Kantonszahnärztin Ludmila Strickler in der VGD.

Insbesondere die Baudirektion hat ihre liebe Mühe mit klassisch männlichen Tätigkeitsgebieten im Bau- oder Ingenieurwesen. «Generell stellen wir fest, dass bei Bewerbungen auf Kaderstellen bei der BUD nur wenige Bewerbungen von Frauen eingehen», betont Sprecher Nico Buschauer. Dass etwa die ETH Zürich nur 30 Prozent weibliche Studierende im mehrjährigen Vergleich und über sämtliche Studiengänge aufweise, wirke sich zwangsweise auf die Kandidatinnenauswahl aus.

Geschlechtertypische Berufe

Um ihre Frauenquote zu verbessern, schreibt die BUD ihre Stelleninserate für Top-Kaderstellen jeweils bei der Schweizerischen Vereinigung der Ingenieurinnen (SVIN) aus. Der Erfolg hält sich in Grenzen. Seit Dezember 2017 hat die BUD zehn Fachstellen in den Bereichen Gartenbau, Betriebsunterhalt, Polymechanik, Materialtechnologie, Bauingenieurwesen, Chemie, Architektur, Energie, Umweltwissenschaften, Geologie und Geomatik annonciert. Laut BUD-Sprecher Nico Buschauer sind darauf 282 Bewerbungen eingegangen; 238 von Männern, 44 von Frauen. Das ergibt einen Frauenanteil von nur gerade 16 %. Und selbstverständlich erfolge die Wahl ausschliesslich aufgrund der besten Qualifikation, versichern sowohl Bau- wie Volkswirtschaftsdirektion.

Die Gleichstellungsverantwortliche Jana Wachtl zeigt sich von solchen Missverhältnissen nicht überrascht. So banal die Erkenntnis auch sein mag: «Solche Rücklaufquoten sind vor allem die typische Abbildung der geschlechtsspezifischen Berufswahl.» Hinzu komme, dass mehr Männer als Frauen Vollzeitstellen bekleiden, was wiederum karrierefördernd sei. Sollen also Frauen zuerst in Vollzeit eine Karriere anstreben, um danach einfacher im «Top-Sharing» zu familienfreundlicheren Arbeitszeiten zu gelangen? Für Wachtl wäre dies der falsche Ansatz: «Flexibilisierungen sind immer Win-win-Situationen; für Frauen und Männer, für Arbeitgebende und -nehmende.»