Jetzt hat die Post ihr Schweigen gebrochen. Gestern publizierte das staatliche Unternehmen eine Liste, auf der die Poststellen im Kanton Baselland aufgeführt sind, welche – so der Wortlaut der Post – «zu überprüfen» seien.

Von den insgesamt 27 noch existierenden Filialen im Landkanton sind deren sechs somit akut gefährdet. Sie befinden sich in der Agglomeration (Bottmingen), im Laufental (Grellingen und Zwingen) sowie im oberen Kantonsteil (Hölstein, Läufelfingen, Thürnen). Der Fortbestand der übrigen 21 Filialen ist bis 2020 garantiert (siehe Tabelle rechts). Erst per Anfang April schloss die Filiale in Diegten.

Die Post hatte bereits im Oktober bekannt gegeben, bis 2020 landesweit bis zu 600 traditionelle Poststellen abzubauen. Die Gewerkschaft Syndicom publizierte daraufhin im Januar eine Liste mit gefährdeten Filialen.

Unter den genannten 23 Standorten befanden sich auch fünf der sechs, die nun überprüft werden sollen: Bottmingen, Grellingen, Zwingen, Hölstein, Thürnen – nicht jedoch Läufelfingen. Baselland ist der vierte Kanton, der von den konkreten Schliessungsabsichten erfahren hat. Bereits bekannt gegeben hat die Schweizerische Post ihre Abbaupläne für Uri, Nidwalden und Schaffhausen.

Agenturen als Ersatz

Die Post will Entlassungen vermeiden und verspricht zudem Ersatz für allfällige wegfallende Filialen. Das bedeutet, dass die Zahl der Postagenturen ausgebaut werden soll. Von den Partnerfilialen, wie sie die Post nennt, existieren im Baselbiet bereits deren 20. Sie werden von Dritten betrieben, zum Beispiel Detaillisten, Gemeinden oder Tourismusbüros. Ausserdem sollen weitere Dienstleistungen ausgebaut werden, etwa My-Post-24-Automaten oder die Möglichkeit, Bareinzahlungen an der Haustür vorzunehmen.

Die Post begründet den Abbau mit den sich verändernden Bedürfnissen der Bevölkerung. Sie schreibt: «Statt auf der traditionellen Poststelle erledigen Kunden ihre Postgeschäfte vermehrt und rund um die Uhr, unterwegs mit dem Smartphone und zu Hause am Computer. Darauf reagiert die Post, in dem sie zunehmend auf einen Mix aus physischen und digitalen Zugangsmöglichkeiten setzt, die auf die lokalen Bedürfnisse zugeschnitten sind.» Bis 2020 soll es in der Schweiz noch deren 800 bis 900 Poststellen geben.

Die Baselbieter Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion (VGD) fordert von der Post, dass Gemeindebehörden, Bevölkerung und Unternehmen in den Planungsprozess miteinbezogen werden. «Für die Regierung ist es wichtig», heisst es in einer Mitteilung der VGD von gestern, «dass der Bedarf an Postdienstleistungen in allen Regionen unseres Kantons abgedeckt wird (…)». Der Regierungsrat stehe für Gespräche mit einzelnen Gemeinden zur Verfügung.

Kahlschlag befürchtet

Die Post schreibt, man werde «den Prozess für die Zukunft» für die Gemeinden ohne garantierte Poststelle «im engen Dialog mit den Standortgemeinden und der dortigen Bevölkerung in einer sorgfältigen Einzelfallprüfung angehen (…)».

Die Gewerkschaft Syndicom spricht von einem «Kahlschlag», der nun Realität werde. Die Alternativen, welche die Post anbiete, seien ungenügend, schreibt sie in einem Communiqué: «Sie decken jeweils nur einen ganz kleinen Teil des Service ab und trotzdem versucht die Post, sie als gleichwertige Zugangspunkte zu verkaufen.» Das gelte ebenso für die Postagenturen: Auch diese würden nur ein reduziertes Angebot aufweisen.

Es habe sich weiter gezeigt, dass die Gespräche mit den Kantonen «eine reine Farce» seien und die Sozialpartnerschaft immer mehr zu einer Worthülse verkomme. «Trotz anderslautenden Abmachungen wurden die Gewerkschaften über die Schliessungspläne nicht vorinformiert.»

Widerstand hat sich in der Bevölkerung und in der Politik bereits im Januar gebildet, nachdem die Syndicom ihre Liste publiziert hatte. So wurden in Aesch, Münchenstein, Bottmingen und Zwingen Petitionen gegen Postschliessungen ins Leben gerufen.

Die Unterschriftensammlung in Bottmingen lancierte die SP-Ortspartei. Sie schreibt in einer Medienmitteilung, die Bottminger Post werde auch von Bewohnern umliegender Gemeinden benutzt. Es handle sich um die erste Filiale in einer grösseren Gemeinde im Kanton Baselland, die nun wegfallen soll. Die Unterschriftensammlung werde fortgesetzt.

«Nicht wirklich erstaunt»

Die Bottminger Gemeindepräsidentin Mélanie Krapp sagt auf Anfrage, man habe ebenfalls erst gestern von der Überprüfung erfahren und sei überrascht gewesen. Vertreter der Post würden den Gemeinderat am Dienstag treffen. «Wir werden nach diesem Treffen über das weitere Vorgehen entscheiden», sagt Krapp.

Der Grellinger Gemeindepräsident Hanspeter Hänni sagt, er sei «nicht wirklich erstaunt» über den Entscheid der Post. Man stehe mit ihr schon seit längerem in Verhandlungen über die Zukunft der Filiale, sie stehe leider auf der Kippe. Aber Hänni gibt sich kämpferisch: «Wir geben unsere Post nicht so schnell auf!»