Edi Strebel hat ein Leben gerettet. Er war nicht nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort, er tat auch das Richtige. Das ist selten: Schweizweit kommt es jährlich zu 8000 Herz-Kreislauf-Stillständen. Nur 5 bis 13 Prozent der Betroffenen können widerbelebt werden. Das Basler Gesundheits- und das Sicherheitsdepartement möchten dies ändern. Sie möchten ein sogenanntes «First Responder System» einführen.

Ein Netz aus Menschen, die beim Kanton eine Einführungsschule besuchen und in der Ersten Hilfe ausgebildet werden. Sie sollen im Notfall schnell und richtig reagieren können. Um die Bevölkerung zu ermutigen, haben sie auch die Kampagne «So sehen Lebensretter aus» lanciert, für die Strebel seine Geschichte erzählt.

Herr Strebel, erzählen Sie von dem Tag, als sie jemandem das Leben
retteten.

Edi Strebel: Früher habe ich gelegentlich Tennis gespielt. Auch an diesem Tag war ich sportlich unterwegs und spielte gemeinsam mit meinem Tennislehrer. Plötzlich bemerkten wir, dass auf dem Feld nebenan irgendetwas vor sich ging. Drei Leute schrien und fuchtelten herum. Wir rannten rüber und sahen, dass eine vierte Person auf dem Boden lag. Ein Mann war bewusstlos und atmete nicht mehr.

Was war Ihr erster Gedanke?

Wir mussten handeln. Und zwar sofort. Viel gedacht haben wir aber gar nicht. Es war mehr so wie in einem Rausch, wo man einfach macht. Wir wussten, dass wir keine Zeit verlieren durften.

Und was taten Sie genau?

Wir knieten uns hin. Zunächst stellten wir sicher, dass die Atemwege frei waren. Dann gaben wir dem Mann zuerst eine Mund-zu-Mund-Beatmung und fingen anschliessend mit der Herzdruckmassage an. Es war sehr anstrengend. Ich wechselte mich mit meinem Tennislehrer ab. Gleich zu Beginn hatten Anwesende den Krankenwagen gerufen, der nach ungefähr zehn Minuten eintraf.

Wie fühlten Sie sich nach Ihrem Einsatz?

Sehr gut. Der Mann rief mich im Nachhinein an und bedankte sich. Das war ein unglaubliches Gefühl. Er sagte mir auch, dass er ohne unsere Hilfe nicht überlebt hätte. Es erfüllte mich mit Genugtuung, dass ich jemandem helfen konnte. Getroffen habe ich ihn nie. Leider starb er Monate später nach einer Herzoperation.

Wieso wussten Sie so genau, was zu tun war?

So genau wusste ich es auch nicht. Ich wusste nur, dass ich handeln musste. Im Militär hatte ich gelernt, wie man erste Hilfe leistet. Oft haben wird das geübt. Wir hatten Puppen, an denen wir Beatmung und Herzdruckmassage übten. Den Automatismus habe ich immer noch in mir.

Haben Sie in Ihrer Zeit im Militär gedacht, dass Sie etwas davon jemals anwenden müssen?

Ich habe immer gehofft, dass ich nie etwas des Gelernten brauchen müsste. Es zeigte mir aber, dass man im Militär auch Wichtiges für das Zivilleben lernt. Die Erste Hilfe ist wortwörtlich lebensnotwendig. Jeder Mensch sollte im Notfall helfen können.

Werden Sie oft auf Ihr Auftreten in der Kampagne angesprochen?

(Lacht) Ja. Viele Freunde rufen an und sagen, dass sie mein Bild gerade im Tram gesehen haben oder Ähnliches. Mir geht es darum, den Leuten bewusst zu machen, dass sie sich im Notfall auch einsetzen sollen.

Kann jeder Mensch Erste Hilfe leisten?

Auf jeden Fall. Ich denke aber, die öffentliche Hand sollte da noch mehr machen. Natürlich werden die Grundlagen im Nothelferkurs oder im Militär geübt. Das Verhalten in solchen Notsituationen sollte so im Bewusstsein verankert werden, dass es zu einem automatischen Prozess wird. Nicht jeder hat die Gelegenheit, praktisch zu üben, das ist mir schon klar. Meines Erachtens reicht es aber, wenn man regelmässig nachliest, was in solchen Fällen zu tun ist. Ich finde die Aktion des Gesundheitsdepartements sehr positiv. Am Samstag von 11 Uhr bis 17 Uhr können die Basler auf dem Barfüsserplatz alles rund um das Thema Erste Hilfe lernen.

Was raten Sie Personen, die an einen Notfall herankommen?

Einfach handeln. Nicht zu viel nachdenken. Keine Zeit verlieren. Ich denke, auch im Zweifelsfall sollte man einen Wiederbelebungsversuch starten. Wenn er gelingt, weiss man, dass man geholfen hat, ein Leben zu retten. Wenn nicht, hat man es wenigstens versucht.

Gibt es Ihnen zu denken, wenn jemand stirbt, der eigentlich hätte gerettet werden können?

Ja natürlich. Ich finde, die Leute sollten Zivilcourage beweisen, sich durchdrängeln und sagen, ich kann das! Oft ist das nicht der Fall. Aus Mangel an Mut, aber auch aus Angst. Ich denke, viele Leute trauen sich eine Herzdruckmassage nicht zu, befürchten, etwas falsch zu machen oder zu versagen. Ich bin mir aber sicher, dass heute auch viele Leute sehr mutig sind und sich einsetzen.