Es wuselt vor und in der riesigen Halle. Auf der einen Seite liefern Firmen-Lastwagen vor allem mit Elektronikschrott gefüllte Paletten und auch ganze Container an, auf der anderen Seite Privatpersonen im Vergleich dazu in homöopathischen Dosen so etwa alles, was sie im Haushalt nicht mehr brauchen können.

In der Mitte ein Bagger vor einem Schrotthaufen, der sortiert, Menschen, die elektronische Geräte auftrennen, und überall Kisten voll mit «reinem» Material, seien das Neonröhren, Messingbestandteile von Lampen und gar ganze Trompeten, Handys und was die Wohlstandsgesellschaft sonst noch so ausstösst.

Dieses Umfeld im nördlichen Industriegebiet von Liestal ist der Arbeitsplatz von David Moreno (32), dem ersten im Baselbiet ausgebildeten Recyclisten. Er hat vor ein paar Tagen seine Lehre mit Erfolg abgeschlossen und hat jetzt eine feste Anstellung in seinem Lehrbetrieb, der Firma Immark.

Moreno, der sich nach den obligatorischen Schulen in Basel durchs Leben jobbte, bis er sich nach längerem Abwägen zwischen einer Ausbildung als Spengler, Logistiker und eben Recyclist für letzteres entschied. Moreno: «Den Beruf gibt es seit 17 Jahren und ich habe mich im Internet schlau gemacht darüber. Dabei hat mich die Vielseitigkeit und die abwechslungsreiche Arbeit mit ganz verschiedenen Materialien überzeugt.»

Wo der Fernseher zu Granulat wird

Und er wurde nicht enttäuscht. Insbesondere schätzt er an seiner dreijährigen Ausbildung die Materialkenntnisse, die er sich aneignen konnte, und den Kundenkontakt. Aber auch, dass er quasi so nebenbei auch noch die Prüfung als Bagger- sowie als Hubstapler-Fahrer ablegen konnte. Sein Lehrmeister Daniel Senti sagt: «David Moreno hat es sehr gut gemacht. Er ist zuverlässig, engagiert und hat die Prozesse schnell verstanden. Das ist zentral.»

Denn das Geschäft mit dem Abfall ist eine Gratwanderung zwischen Effizienz und maximaler Wertschöpfung, also die wertvollen Materialbestandteile zu erkennen und auszusondern. Dazu gehören vor allem Metalle wie Aluminium, Legierungen aus Zinn, Zink, Kupfer und natürlich Edelmetalle. Der grösste Glücksgriff, so erzählt Moreno, sei eine Metallbox gewesen, die ein Kunde inkognito hingestellt habe. Als man sie später öffnete, sei Silber darin gewesen.

Weniger gefallen hat Moreno während seiner Lehre die Arbeit am Sortierband. Hier gilt es an vier Posten, den Elektronikschrott – für Immark das Hauptgeschäft – vorzuzerlegen, das heisst, Kabel abzuschneiden und schadstoffhaltige Teile abzutrennen. Er sagt dazu: «Diese Arbeit ist monoton und staubig, weshalb man eine Maske tragen muss. Gleichzeitig muss man aber auch schnell und exakt vorgehen.»

Die eigentliche Trennung der Materialien übernimmt dann der sogenannte Querstromzerspaner am Hauptsitz der Firma Immark in Regensdorf. Am Ende dieses Prozesses werden die Fernseher oder Computer zu stoffreinem Granulat, das aufgrund seiner magnetischen Eigenschaften und seines Gewichts sortiert wird.

Gefährliche Handy-Zertrümmerung

Ziel all dieser Zerlegungsprozesse ist, alle wiederverwertbaren Stoffe herauszulösen und so den Anteil des kostenpflichtigen Abfalls wie Kunststoff und Sonderabfälle, die in Kehrichtverbrennungsanlagen respektive Deponien enden, möglichst klein zu halten. Denn die Firma Immark lebt wie alle anderen Abfallverwerter auch einerseits von den Erlösen, die sie mit den wiederverwertbaren Materialien erzielt, und andererseits von den vorgezogenen Entsorgungsgebühren, welche die Konsumenten beim Kauf eines Geräts im Laden zahlen.

Zur Aufgabe eines Recyclisten gehört aber auch, stets auf dem neusten Stand der Technik zu sein. So wurden einst die ausgedienten Handys mit einem Hammer zerschlagen, um die Nickel-Cadmium-Batterie rasch entfernen zu können. Würde man dies mit den modernen Smartphones machen, könnte man schnell ein paar Finger weniger haben. Denn deren Lithium-Batterien könnten dabei explodieren, sagt Moreno. Das heisst: Jedes Handy muss einzeln in die Hand genommen und aufgeschraubt werden, was viermal mehr Zeit benötigt.

Sollte ihm das eines Tages stinken, dann weiss er: «Als Recyclist habe ich viele offene Türen. So könnte ich als Logistiker arbeiten oder zu einem Bauschutt-, Kunststoff oder Papierentsorger wechseln.» Im Moment gefalle es ihm aber bei Immark sehr gut, wie er betont.