Vielleicht ist dieser Urinstinkt, der den Menschen antreibt zu suchen und zu sammeln, stärker in ihm als in anderen. Das wäre eine Erklärung dafür, dass es für Marcus Mohler kaum eine grössere Freude gibt, als hinauszugehen in die Natur und Dinge zu suchen. Richtig: «Mir geht es nicht ums Finden, das wären die falschen Ideale; für mich steht das Suchen im Mittelpunkt.»

Sagt er, der Oberwiler, der mit der Familie schon als Kind zum Goldschürfen ins Bündnerland fuhr. An diesem sonnigen Morgen schürft er aber kein Gold; Marcus Mohler, 48, hat seit Kurzem eine Lizenz des Kantons Basel-Landschaft, die ihm erlaubt, nach Artefakten zu suchen. Das macht ihn zum sogenannten Hobby-Späher.

Hier muss vielleicht gesagt werden, dass das Aufspüren archäologischer Güter streng verboten ist. Nur ebenjenen Lizenzinhabern ist es erlaubt, den Metalldetektor zu zücken und ins Grün zu gehen. Behalten dürfen sie nichts, zumindest nichts von archäologischem Belang. Was Marcus Mohler kein bisschen stört. Der Jäger und Sammler in ihm sieht das so: «Wie cool ist das denn, dass ich überhaupt suchen darf!»

In neun von zehn Fällen: Müll

Denn sein Ziel ist der Weg, und das habe, sagt er, viel mit der Einstellung zum Leben zu tun. So philosophisch muss man das Absuchen eines abgeernteten Ackers entlang einer Hauptstrasse ausserhalb Oberwils erst einmal betrachten. Denn nichts anderes tut Marcus Mohler eigentlich im Moment. Er schreitet ein kahles Feld mit dem Metalldetektor ab, Modell Fisher F44, und freut sich über jeden Pieps des Geräts. Doch er tut das mit Geduld, Hingabe, man möchte fast sagen: Leidenschaft. Und sagt: «Das ist für mich ein riesiger Spielplatz, ein Sandkasten für Erwachsene, eine Wundertüte.»

Und eine stete Portion Spannung. Zwar seien etwa neun von zehn Fundstücken Schrott, was ihn irgendwo zwischen Schatzsucher und Abfallentsorger ansiedelt. Aber das eine Bedeutsame könne sich hinter jedem Pieps verstecken. Und heute piepst es oft, eigentlich alle paar Schritte. Der Suchende grenzt das Zielfeld ein. Mit dem sogenannten Pinpointer, der Metallenes noch präziser markiert, findet er die genaue Stelle.

Hoffnung auf Archäologisches

Dann legt Marcus Mohler seine Gerätschaften zur Seite und durchwühlt die Erde, bis er findet, was das Piepsen verursachte. Er blickt hoch, zeigt das geborgene Drahtstück in seinen erdverkrusteten Hände, lächelt: «Bei welchem Hobby kommt man noch so mit der Erde in Kontakt?» Natürlich hätte auch er nichts gegen etwas archäologisch Substanzielles einzuwenden, das sich in hier versteckt, eine keltische Münze, ein römischer Schuhnagel. «Darauf hoffen darf man aber nicht, das würde bloss frustrieren», sagt er und verschliesst jedes ausgehobene Loch mit Akribie.

Frustrieren könnten auch die heutigen Funde: Alufetzen, ein Messer, eine Tube Daylong 50, noch mehr Drähte. Doch das lässt ihn kalt: «Ich weiss, dass ich vor allem Müllmann bin», scherzt er. Er fand aber auch schon Geld und jede Menge Ringe und anderen Schmuck. Was davon nach zwei Jahren noch auf dem Fundbüro liegt, darf er behalten.