Ja, das gibt es: ein Einfamilienhausbesitzer, der sich auf seine Stromrechnung freut. Ein Haus am Riehener Leimgrubenweg produziert mehr Strom, als die sechsköpfige Familie verbraucht. Den Überschuss speist sie über den normalen Stromanschluss ins Netz ein – und macht damit jedes Jahr Gewinn. Deshalb heisst das Gebäude Plus-Energiehaus. Es ist das erste in Basel-Stadt. In der Schweiz gibt es bis jetzt rund hundert davon.

Das Haus hat einen geringen Energiebedarf, da die Wände mit einer Wärmedämmung versehen sind. Diese macht sie einen halben Meter dick. Da die Fenster sehr gross sind, schränkt das die Sicht aber nicht gross ein. Die Familie kommt dadurch auf einen jährlichen Stromverbrauch von nur 10000 Kilowattstunden. Dabei handelt es sich um den Gesamtenergieverbrauch: Der Betrieb der Haushaltsgeräte etwa ist mitberechnet.

Mit drei Anlagen produziert das Plus-Energiehaus einen jährlichen Überschuss von 4000 Kilowattstunden: Strom und Wärme liefern Solarpanels und Sonnenkollektoren auf dem Dach. Auch im Keller wird Energie hergestellt: Eine Wärmepumpe reicht 110 Metern tief in den Boden.

Das Haus hängt am normalen Netz

Unabhängig vom Stromnetz ist das Plus-Energiehaus aber nicht: Es verbraucht nicht den eigenen Strom, sondern hängt ganz normal am Netz. Im Sommer speist es mehr ein, als es verbraucht. Im Winter übersteigt der Verbrauch aber die Produktion.

Finanziell lohnt sich das Einfamilienhaus-Kraftwerk, das etwa zwanzig Prozent mehr kostet als eine Standardanfertigung, erst nach rund zwanzig Jahren. Inzwischen ist die vor wenigen Jahren bestellte Solaranlage des Riehener Hauses bereits veraltet: Heutige Anlagen liefern zehn bis zwanzig Prozent mehr Energie. Zudem wird sie nicht unbeschränkt lange funktionieren: Der Hersteller garantiert, dass die Solaranlage während 25 Jahren eine Leistung von mindestens 80 Prozent erbringt. «Reich wird man damit nicht, aber es ist eine gute Geldanlage», kommentiert Architekt David Zimmerli, der das Haus in Riehen geplant hat. Aktien etwa seien ja nicht mehr so attraktiv wie auch schon.

Viele Standorte eignen sich für Plus-Energiehäuser, aber nicht alle. Das Haus sollte nach Süden ausgerichtet sein: Nicht in erster Linie wegen der Solaranlage, die jeweils noch justiert werden kann, sondern wegen der Fensterfront. So heizt die Sonne das Gebäude optimal auf. Auch Wärmepumpen sind nicht überall möglich: Durch Grundwasser und bestimmte Gesteinsarten ist bohren nicht möglich oder nicht erlaubt.

Im Baselbiet wäre es schwieriger

Finanziell interessant sind Plus-Energiehäuser vor allem in Basel-Stadt. Der Bund zahlt nur für eine begrenzte Zahl von Anlagen eine kostendeckende Einspeisevergütung. In Basel-Stadt übernimmt der Kanton als einziger in der Schweiz die Kosten für die vom Bund nicht bewilligten Anlagen. Deshalb hat ein Hausbesitzer im Baselbiet viel geringere Chancen, in den Genuss der Subventionen zu kommen, ohne die sich der Betrieb einer Solaranlage heute noch nicht lohnt.

Auch die Banken kommen den Häuserbauern, die konsequent auf erneuerbare Energien setzen, nicht überall gleich entgegen. Die Basler Kantonalbank etwa gewährt nur für wenige Jahre günstigere Zinsen. Deshalb hat der Besitzer des Riehener Plus-Energiehauses seine Hypothek bei der Berner Kantonalbank aufgenommen.