Und plötzlich soll alles anders sein. Selbst für die Baselbieter Regierung stand fest, dass Liestal ab dem Jahr 2025 die direkte Schnellzugsverbindung nach Luzern verlieren wird. Das erklärte sie schriftlich gegenüber dem Kantonsparlament. Kurz darauf machte die bz bekannt, dass die Streichung weiterer attraktiver Schnellzugsverbindungen folgen könnte.

Stadtpräsident Daniel Spinnler betonte sogleich, dass Liestal dies auf gar keinen Fall akzeptieren werde. Das Bundesamt für Verkehr (BAV) versuchte, den Ball flach zu halten: Noch sei nichts in Stein gemeisselt.

Die Beschwichtigungen nützen nichts. Gleich mehrere Baselbieter Bundesparlamentarier reagierten umgehend und versuchten, mit Vorstössen in Bern Druck zu machen. Die heute gut erschlossene Verkehrsdrehscheibe Liestal drohe zum Provinzbahnhof zu werden, warnte etwa Grünen-Nationalrätin Maya Graf. Für FDP-Nationalrätin Daniela Schneeberger drohte die Region aufs Abstellgleis zu geraten. In dieselbe Kerbe haute SP-Ratskollegin Susanne Leutenegger Oberholzer.

Angebot sichergestellt - teilweise

Nun aber will der Bundesrat von einem drohenden Abbau plötzlich gar nichts wissen. Die Stadt Liestal werde weiterhin mit Fernverkehrszügen in Richtung Basel, Bern und Zürich bedient, versichert die Landesregierung in ihrer Antwort auf die Anfragen aus der Region. Mit dem Bahnausbauschritt 2030/35 solle die heutige Angebotsdichte sichergestellt werden: Drei Fernverkehrszüge pro Stunde würden Liestal bedienen. Gleichzeitig würden nach dem geplanten Ausbau des Bahnhofs Liestal S-Bahn-Züge im Viertelstundentakt von und nach Basel verkehren.

Das klingt ganz anders als noch vor kurzem. Bisher galt die sogenannte «Wegleitung Grundsätze und Kriterien für den Fernverkehr» als wichtiges Kriterium für künftige Schnellzugshalte. Darin sind die Schweizer Städte in drei Kategorien eingeteilt: Zuoberst stehen die A-Zentren wie Basel und Zürich, gefolgt von den B-Zentren wie Luzern oder St. Gallen, die in ein Fernverkehr-Netz aus Intercity- und Interregio-Züge eingebunden sind.

Liestal dagegen ist als C-Zentrum von untergeordneter Bedeutung aufgeführt. Es gelte nicht als «einwohnerstarke Agglomeration» mit über 70'000 Bewohnern, die fahrplantechnisch zu B-Zentren mit entsprechenden Schnellzugshalten aufgewertet werden.

Der Faktor Kleinstadt

Der Bundesrat kommt nun aber zu einem ganz anderen Schluss: Gemäss Raumkonzept des Bundesamts für Raumentwicklung zähle Liestal mit seinen rund 14'000 Einwohnern zu den kleinstädtischen Zentren. Und ganz wichtig: Als Teil der Agglomeration Basel gehöre die Stadt einer einwohnerstarken Region mit über 70'000 Einwohnern an. Damit solle sich für Liestal entsprechend gar nichts ändern.

Denn gemäss der Wegleitung für den Fernverkehr des Bundesamts für Verkehr könnten kleinstädtische Zentren an den Fernverkehr angebunden werden. Der Bundesrat schreibt es schwarz auf weiss: «In den Planungen des Bundes (...) wird der Status von Liestal erhalten.»

Gut, aber nicht gut genug

Liestals Stadtpräsident Spinnler hört das gerne. Doch es bleiben Zweifel: «Immerhin sichert uns der Bundesrat die Verbindungen nach Basel, Bern und Zürich zu», sagt er. Und das, obwohl Bern in der Stellungnahme der SBB bereits nicht mehr vorgesehen war. «SBB und BAV scheinen sich hier gegenseitig zu widersprechen», sagt FDP-Nationalrätin Schneeberger. Die Verbindung nach Luzern aber erwähne der Bundesrat nicht. Diese solle offensichtlich weiterhin wegfallen.

Kommt hinzu: Liestal als Zentrum werde weiterhin nicht als einwohnerstark eingestuft, sondern lediglich der Agglomeration Basel zugeordnet. Schneeberger: «Hier zeigt sich einmal mehr, dass in Bern das Bewusstsein für die Region fehlt.» Liestal wolle deshalb hier gemeinsam mit den Bundesparlamentariern einhängen, stellt Spinnler klar. «Kurzfristig ist die Zusicherung der Schnellzugshalte zwar positiv», langfristig aber müsse der Bund den Stellenwert der Region und Hauptstadt Liestal endlich anerkennen.