Das 40 Jahre alte Bruderholzspital soll abgerissen werden und durch eine ultramoderne Tagesklinik für ambulante Chirurgie ersetzt werden. Mit dieser Vision als Pfeiler einer gemeinsamen Spitalgruppe gingen die beiden Basler Gesundheitsdirektoren im Juni an die Öffentlichkeit. Das als «Top» bezeichnete Szenario hat seither für viel Wirbel gesorgt. Schon sammelt ein Komitee um den ehemaligen Chefarzt Hans Kummer Unterschriften für die Festschreibung des bisherigen Bruderholzspitals ins Baselbieter Spitalgesetz. 

Zwischen den beiden Extremen – Abriss des alten Spitals samt Tagesklinik-Neubau und Beibehalt des alten Spitals – zeichnet sich jetzt die Möglichkeit eines Kompromisses ab: eine Tagesklinik, die aber eine noch zu bestimmende Anzahl stationärer Betten für die operative Nachversorgung beinhaltet. Am Ende der gestrigen Hofmatt-Tagung in Münchenstein bestätigten die beiden Gesundheitsdirektoren Lukas Engelberger (CVP/BS) und Thomas Weber (SVP/BL), dass sie eine solche Untervariante der Top-Planung durch eine Projektgruppe prüfen lassen wollen.

Der entsprechende Input stammt aus Kreisen der Ärztegesellschaft Baselland, deren Vertreter bereits im Vorfeld der Hofmatt-Tagung öffentlich Zweifel an der Aufrechterhaltung der medizinischen Grundversorgung im bevölkerungsreichen Leimental und Birseck geäussert hatten, sollten die Spitalbetten auf dem Bruderholz ersatzlos wegfallen. Ein Arzt formulierte die Kritik an der gestrigen Tagung so: Was soll mit jenen OP-Patienten in der Tagesklinik passieren, die nicht sofort entlassen werden können? Für diese braucht es Betten vor Ort. Und wie soll die Notaufnahme des Basler Uni-Spitals weitere 20 000 Patienten im Jahr aus dem unteren Baselbiet verkraften, wenn dort jetzt schon Wartezeiten von bis zu sieben Stunden bestünden?

Engelberger bezweifelte allerdings, dass es in der künftigen gemeinsamen Spitalgruppe Platz für einen dritten stationären Betten-Standort neben Basel und Liestal haben wird. «Ich bin sehr skeptisch, dass sich unsere übergeordneten Zielsetzungen mit einem dritten stationären Standort erreichen lassen.» Man wolle ja nicht günstigere Spitalbetten durch teure ersetzen, ergänzte sein Baselbieter Kollege Thomas Weber. Alle Lösungsvorschläge, die nicht mit den drei übergeordneten Zielen optimierte Gesundheitsversorgung, Dämpfung des Kostenwachstums und langfristige Sicherung der Hochschulmedizin in Einklang zu bringen seien, würden im endgültigen Projektvorschlag keine Chance haben, bekräftigten die beiden Regierungsräte gestern.

Allerdings betonten Weber und Engelberger auch, dass die Zukunft des Bruderholz-Standorts nur ein Teil der an der Hofmatt-Tagung besprochenen Ausgestaltung des gemeinsamen Gesundheitsraums BS/BL gewesen sei. Beide hätten von den über 100 Spitzenvertretern sämtlicher Gesundheitsbereiche, darunter auch Vertreter der regionalen Privatspitäler, viel Akzeptanz und wachsendes Vertrauen gespürt. Die Gelegenheit sei einmalig für eine übergeordnete Kooperation. Allerdings müsse der Bevölkerung die Zuversicht vermittelt werden, dass es in der schwierigen Übergangsphase keine Lücke in der medizinischen Versorgung geben wird. Zu diesem Zweck wird es in den nächsten Monaten drei öffentliche Veranstaltungen geben. Das fertige Konzept soll dann im September 2016 vorgestellt werden.