«Arisdorf fühlt sich schikaniert» titelte die bz am Donnerstag in Anspielung auf das Behördenveto zum geplanten Dorfladen. Die Denkmalpflege ist der Meinung, dass das Gebäude, in dem neben einem Volg-Laden auch eine Arztpraxis und fünf Wohnungen geplant sind, zu mächtig ist – zumindest so, wie es der Investor und die Gemeinde jetzt am liebsten umsetzen würden. Das «schikanierte» Arisdorf reagierte mit einem offenen Brief, den es am Mittwoch in der bz veröffentlichte. Das Baugesuch werde durch «arrogante, den Volkswillen despektierliche Mitarbeiter mit schwer nachvollziehbaren Argumenten zurückgewiesen», warf der Investor der Baudirektorin Sabine Pegoraro vor.

Einen Tag später melden sich nun die Denkmal- und Heimatschutzkommission (DHK) sowie die Denkmalpflege zu Wort. Sie sind der Meinung: Von einer Schikane kann nicht die Rede sein. Vielmehr haben sie das Gefühl gehabt, eine Kompromisslösung sei in Griffweite, nachdem sie seit Dezember 2012 mit der Gemeinde im Austausch gestanden waren. «Wir wollen definitiv nicht die Verhinderer dieses Projekts sein», stellt DHK-Präsident Stefan Buess klar. Seine Kommission sei Arisdorf sogar entgegengekommen, indem sie den Neubau bewilligte. «Und das, obwohl das Projekt dem Zonenreglement der Gemeinde nicht entspricht.» Darüber habe man hinwegsehen können – nicht aber über die Tatsache, dass das geplante Gebäude nicht in die Arisdörfer Kernzone passe. In erster Linie störten sich die Behörden an der alles überragenden Höhe. «Wir schlugen vor, den Baukörper zweizuteilen und einen Teil des Gebäudes in Richtung Sportplatz anzubringen», so Buess. DHK-Vizepräsident Hansjörg Stalder hatte danach das Gefühl, dass sich der Bauherr zu dieser Änderung bereit erklärt habe.

Bauprojekt noch nicht vom Tisch

Auch das Bauinspektorat dementiert, das Bauprojekt beerdigen zu wollen. «Sollte der Eindruck entstanden sein, dass wir es nicht wollen, dann ist das falsch», stellt Bauinspektorats-Leiter Andreas Weis klar. Stattdessen fühlt er sich durch die Vorgehensweise des Investors überrumpelt. «Ein solcher offener Brief ist eher unüblich. In meinen Augen hätte sich der Bauherr doch lieber direkt an uns wenden sollen, statt den Weg an die Öffentlichkeit zu suchen.» Denn: Ein derartiger Neubau im Arisdörfer Ortskern sei ein anspruchsvolles Projekt in sensibler Umgebung. Schliesslich gehöre das Dorfzentrum sogar zum Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder. Auch die DHK empört sich über die entfachte «öffentliche Polemik» und wirft den Verantwortlichen in einem gestern aufgesetzten Schreiben vor: «Wir begrüssen es, wenn bei derart prominenten und von normalen Kernzonenobjekten abweichenden Bauvorhaben mit der Ortsbildpflege Kontakt aufgenommen wird, bevor das fertige Baugesuch vorliegt.»

Vom Tisch ist das Projekt aber durch diesen Eklat nicht. Ende Mai werden sich die zerstrittenen Parteien treffen und in Arisdorf einen Augenschein nehmen – um womöglich einen neuen Anlauf zu starten.