Synoden der reformierten Kirche Baselland sind nicht eben Krimis. Aber wenn der Arlesheimer Niggi Ullrich um ein Amt kandidiert, erhalten die kirchlichen Parlamentssitzungen eine dramatische Note. Das war vor vier Jahren so, als sich Ullrich – erfolglos – ums Synodepräsidium bewarb. Und das war am Mittwoch an der konstituierenden Synode für die neue, vierjährige Legislatur so, als der ehemalige Leiter des Baselbieter Amts für Kultur für den Kirchenrat, die Regierung der reformierten Kirche, kandidierte. Dabei versprach die Ausgangslage null Spannung: sieben Kandidaten für sieben Sitze.

Kaum waren diese sieben Kandidaten aber in den Ausstand getreten und nicht mehr im Saal, begann es zu knistern. Denn auf die Frage der Synodepräsidentin Andrea Heger, ob noch jemand etwas zu den Kandidaten sagen wolle, wagte sich einer nach dem andern aus der Deckung. Ullrich wurde mangelnde Sozialkompetenz vorgeworfen, seine verfügbare Zeit wurde hinterfragt und er wurde als Selbstdarsteller hingestellt, für den es keinen Platz in einem Team wie dem Kirchenrat gebe.

Obwohl sich auch positive Stimmen meldeten, fiel das Resultat für Ullrich vernichtend aus: Während die andern Kandidaten Stephan Ackermann, Peter Brodbeck, Cornelia Hof, Matthias Plattner, Martin Stingelin (alle bisher) und Sandra Bätscher (neu) alle zwischen 62 und 64 der abgegebenen 65 Stimmen holten, entfielen auf Ullrich gerade einmal deren 28. Damit verfehlte er das absolute Mehr um vier Stimmen. Auf die Frage, ob er zum zweiten Wahlgang, bei dem keine neuen Kandidaten ins Spiel gebracht werden durften, antrete, nahm sich Ullrich eine kurze Auszeit. Dann trat er ans Mikrofon und sagte: «Ich trete nochmals an, ich muss diese Auseinandersetzung führen.» Und er bat die Synodalen, ihn direkt mit ihren Vorbehalten zu konfrontieren.

Ullrich rückte sich ins rechte Licht

Das machten diese in der Folge und Ullrich nutzte die gebotene Plattform. Zu seiner Sozialkompetenz meinte er: «Ich kann diese nur beschreiben, nicht belegen.» Und er verwies auf sein zehnjähriges Präsidium der Kirchenpflege Arlesheim, die es immer noch gebe, auf seine sieben Kinder und seine 30-jährige Ehe. Zum freiwerdenden Departement weltweite Kirche und Ökumene meinte er: «Das wäre mein Wunschdepartement. In einem Kanton, der sich momentan in der Abgrenzung zu andern versteht, ist es für mich entscheidend, einen Beitrag zur Zusammenarbeit gerade vor der Türe zu leisten.» Denn die weltweite Kirche beginne vor der Haustüre.

Etliche Synodale überzeugte das und Ullrich wurde im zweiten Wahlgang mit 44 Stimmen gewählt. Das Glanzresultat des Tages erzielte die neue Synodepräsidentin Andrea Heger aus Hölstein, die auch noch im Landrat sitzt: Sie erhielt alle abgegebenen 65 Stimmen.